Lebhafte Debatte zur „Wiederkehr der Götter“

Der Exzellenzcluster diskutierte Thesen des Religionssoziologen Detlef Pollack

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Prof. Dr. Pollack (stehend) diskutierte über die "Wiederkehr der Götter".

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Die viel beschworene „Wiederkehr der Götter“ lässt sich empirisch nicht beweisen, schreibt der Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack in seinem neuesten Buch „Rückkehr des Religiösen?“. Die Säkularisierungsthese sei nach wie vor haltbar, auch wenn der Mainstream der Wissenschaft sie inzwischen gern in Frage stelle. Pollack berührt damit eine Kernfrage des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. In einer lebhaften Diskussionsveranstaltung debattierten die Mitglieder des Forschungsverbundes zum Semesterende seine Thesen.

Je moderner sich eine Gesellschaft entwickelt habe, umso weniger spiele die Religion eine Rolle, unterstrich Pollack zum Auftakt. Dass es unter Soziologen, Historikern und Theologen neuerdings üblicher geworden sei, diesen Zusammenhang zu verneinen, widerspreche allen Erhebungen. „Hier stellt sich ein Ideologieverdacht ein“, so der Forscher. Schließlich nehme die Zahl der Konfessionslosen in allen westeuropäischen Ländern zu, auch die Kirchgänger würden weniger. Die starke Medienpräsenz der Religionen dürfe nicht mit der religiösen Praxis Einzelner verwechselt werden. Eine Trendumkehr sei nicht in Sicht.

„Reichhaltige Datenbasis“

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Mit besonderem Interesse verfolgten die  Clustermitglieder die Diskussion.

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Vier Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen schilderten anschließend ihre Leseeindrücke von Pollacks Publikation: Die Ethnologin Prof. Dr. Helene Basu hinterfragte dabei einen Religionsbegriff, der nach ihrer Ansicht auf die christliche Theologie und Kirche beschränkt bleibe. Religionen wie Buddhismus, Hinduismus und Islam würden außer Acht gelassen. Der Jurist Prof. Dr. Christian Walter stellte fest, dass er durch das Buch viel gelernt habe. Sein eigenes Fach, das Staatskirchenrecht, interessiere sich im Unterschied zur Soziologie „weniger für die gelebte Religiosität als für Institutionen“. Somit habe seine Zunft offenbar die Rückkehr der Religiosität verpasst.

Historiker Dr. Klaus Große Kracht sagte, aus geschichtswissenschaftlicher Sicht greife die Säkularisierungsthese nicht überall. „Makrosoziologisch mag sie plausibel erscheinen, aus Sicht des Historikers sieht die Lage teilweise anders aus“, so Große Kracht. Er nannte verschiedene historische Beispiele wie das Erstarken des Katholizismus in Industriegebieten des 19. Jahrhunderts und die Dechristianisierung im Südfrankreich des späten 18. Jahrhunderts.

Der katholische Theologe Daniel Steinke aus der Graduiertenschule problematisierte Pollacks Schlussfolgerungen, ohne „die reichhaltige Datenbasis“ seines Buches zu bestreiten. Erfahrungen von Theologen im pastoralen Feld zeigten, dass Religiosität sich längst nicht mehr auf den Kirchgang beschränke, so Steinke. Die Individualisierung finde auch innerhalb der Konfessionen statt, weshalb religiöse Praktiken jenseits des Kirchgangs künftig stärker untersucht werden müssten. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion des Plenums an, die die Veranstaltung auf drei Stunden Länge ausdehnte. (vvm)


Hinweis: Detlef Pollack, Rückkehr des Religiösen? Studien zum religiösen Wandel in Deutschland und Europa II. Tübingen, Verlag Mohr Siebeck 2009, 34 Euro.

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