Soziale Erwartungen beeinflussen die wahrgenommene prosoziale Motivation 6- bis 11-jähriger deutscher Kinder

Worum ging es?

Kinder tun in ihrem Alltag Dinge, die anderen zugutekommen. Zum Beispiel teilen sie mit Gleichaltrigen oder helfen ihren Eltern im Haushalt. Manchmal machen sie das spontan, manchmal auch, weil eine Erwartung besteht oder sie dazu aufgefordert werden.

Bisherige Forschung zeigt, dass Kinder und Erwachsene aus westlichen Ländern weniger helfen oder teilen möchten und auch weniger zufrieden damit sind, wenn dies von ihnen erwartet wird. Laut einer Theorie könnte das etwas damit zu tun haben, wie sehr sie sich durch diese Erwartungen in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlen und wie wichtig es ihnen selbst ist, zu helfen und zu teilen.

Wir wollten in mehreren Teil-Studien herausfinden, wie Kinder aus Deutschland Situationen einschätzen, in denen ein Kind zum Helfen und Teilen aufgefordert wird: Denken sie, dass ein Kind weniger gerne helfen oder teilen möchte, und damit weniger zufrieden ist, wenn es dazu aufgefordert wurde?

Was wurde gemacht?

Insgesamt 218 deutsche Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren haben an unseren Online-Studien teilgenommen. Dabei haben sie entweder allein, oder in einem Videoanruf mit einer Versuchsleitung Fragen zu vier kurzen Bildergeschichten beantwortet.

In jeder Geschichte hat ein Kind entweder mit jemandem geteilt, zum Beispiel eine Schaukel auf dem Spielplatz, oder einem Elternteil geholfen, zum Beispiel beim Einkäufe einräumen. Das Kind wurde entweder von der Mutter dazu aufgefordert, oder hat es ohne Aufforderung getan. Die teilnehmenden Kinder wurden dann gefragt, wie sehr sie denken, dass das gezeichnete Kind die jeweilige Sache tun wollte, wie sehr es sich dazu verpflichtet gefühlt hat und wie zufrieden es dabei war.

Das kam raus!

Wie erwartet nahmen auch Kinder aus Münster an, dass man nach einer Aufforderung weniger gerne hilft und teilt und dabei weniger zufrieden ist als bei spontanem Verhalten. Entgegen unserer Erwartungen konnten wir dieses Antwortmuster bereits bei jüngeren Kindern beobachten und es gab keine bedeutsamen Veränderungen mit dem Lebensalter. Zudem konnten wir nicht nachweisen, dass diese Reaktionen auf Aufforderungen sich tatsächlich durch das Autonomiebedürfnis der Kinder erklären lassen.

Bei Interesse ist die Studie hier öffentlich zugänglich:

Skrobanek, A., Grande, C., Schürmann, S., Wößmann, A., & Kärtner, J. (2025). Social expectations influence perceived prosocial motivation in 6- to 11-year-old German children. Cognitive Development, 75, 101593. https://doi.org/10.1016/j.cogdev.2025.101593

Hier geht es zu Studienergebnissen zum gleichen Thema im Kulturvergleich.