Der Einfluss on Aufforderung auf die prosoziale Motivation von Kindern im Kulturvergleich

Worum ging es?

Überall auf der Welt tun Kinder Dinge, die anderen zugutekommen. Zum Beispiel teilen sie mit Gleichaltrigen oder helfen ihren Eltern im Haushalt. Manchmal machen sie das spontan, und manchmal, weil es von ihnen erwartet wird und sie zum Beispiel aufgefordert werden. Dabei unterscheiden sich Kulturen darin, ob und wie sehr sich Menschen durch eine Erwartung von Anderen in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlen.

In diesem Projekt haben wir Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren aus fünf Ländern miteinander verglichen. Wir wollten in herausfinden, wie sie Situationen einschätzen, in denen ein Kind zum Helfen und Teilen aufgefordert wird: Denken sie, dass ein Kind weniger gerne helfen oder teilen möchte, und damit weniger zufrieden ist, wenn es dazu aufgefordert wurde?

Was wurde gemacht?

An der Studie haben insgesamt 686 Kinder aus Deutschland, Ecuador, Japan, Indien und den USA teilgenommen. Dabei haben sie entweder allein, oder mit einer Versuchsleitung Fragen zu vier kurzen Bildergeschichten beantwortet.

In jeder Geschichte hat ein Kind entweder mit jemandem geteilt, zum Beispiel eine Schaukel auf dem Spielplatz, oder einem Elternteil geholfen, zum Beispiel beim Einkäufe einräumen. Das Kind wurde entweder von der Mutter dazu aufgefordert, oder hat es ohne Aufforderung getan. Die teilnehmenden Kinder wurden dann gefragt, wie sehr sie denken, dass das gezeichnete Kind die jeweilige Sache tun wollte, wie sehr es sich dazu verpflichtet gefühlt hat und wie zufrieden es dabei war.

Das kam raus!

Wie erwartet zeigten sich große kulturelle Unterschiede in der Auswirkung von Erwartungen auf die kindliche Motivation. Vor allem in Deutschland nahmen die Kinder an, dass Kinder, die aufgefordert wurden, weniger gerne helfen und teilen wollen. In Japan, Indien und den USA zeigte sich dieser Effekt ebenfalls, war aber deutlich kleiner. Lediglich in Ecuador nahmen die Kinder immer an, dass Kinder gerne helfen und teilen, unabhängig von einer Aufforderung.

Entgegen unserer Erwartungen waren diese kulturellen Unterschiede auch schon bei jüngeren Kindern klar erkennbar und wurden nicht mit steigendem Alter der Kinder größer. Auch unsere angenommenen Erklärungsansätze für die kulturellen Unterschiede ließen sich nicht bestätigen. Möglicherweise lassen sich unsere Ergebnisse auch dadurch erklären, dass die Kinder aus Deutschland, Japan, den USA und Indien alle aus dem städtischen Raum kommen und die Eltern trotz der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe ähnliche Erziehungsziele wie beispielsweise Unabhängigkeit verfolgen.

Bei Interesse ist die Studie hier öffentlich zugänglich:

Skrobanek, A., Kanngiesser, P., Sunderarajan, J., Mantilla Salgado, J. D., Quimbo Yacelga, S. S., Itakura, S., Morita, M. M., Yamaguchi, M., Chernyak, N., Stowe, L. M., & Kärtner, J. (2026). Others’ requests may dampen the desire to do good: The effect of requests on children’s prosocial motivation across five cultures. Developmental Psychology. https://doi.org/10.1037/dev0002145

Hier geht es zu einer Video-Zusammenfassung der Projektergebnisse auf Spanisch und Kichwa.