Die byzantinistische Forschung besitzt zwar eine lange philologische Tradition, entdeckt jedoch erst seit den letzten Jahrzehnten die Methoden der modernen Literaturwissenschaft. Dabei gibt es auch in Byzanz einige fiktionale Texte, bei denen ein literaturwissenschaftlicher Blick lohnenswert ist! Anhand ausgewählter Liebesromane des 12.-15. Jahrhunderts wird in dieser Lektüreübung, im Abgleich mit dem aktuellen Forschungsstand und bisherigen Forschungsschwerpunkten, untersucht, wie man diese Sorte von Texten lesen kann und was sie für ein Potential bergen. Dabei werden grundlegende literaturwissenschaftliche Analysemethoden erlernt und eingeübt. Die Veranstaltung wird den Charakter eines Workshops haben, bei dem intensiv gearbeitet, diskutiert und Ergebnisse vorgestellt werden. Gute Englischkenntnisse werden vorausgesetzt, Griechischkenntnisse sind von Vorteil.
- Lehrende/r: Annegret Weil Helmbold
Prokopios von Kaisareia ist wahrscheinlich die wichtigste schriftliche Quelle für die Geschichte des Oströmischen Reichs im 6. Jahrhundert. Die "Bella" erzählen von den kriegerischen Unternehmungen Justinians gegen u.a. die Perser im Osten, die Vandalen in Nordafrika und die Goten in Italien. Dabei wird nicht nur die Gegenwart festgehalten, sondern an zahlreichen Stellen auch die römische Vergangenheit reflektiert. Der Fokus dieser Lektüreübung liegt auf dem Begriff des römischen Reichs, den Prokop entwirft und verhandelt, der Bedeutung der Rückeroberung einst verlorener Gebiete für die Gegenwart und der damit verbundenen Frage nach der römischen Identität im 6. Jahrhundert.
- Lehrende/r: Annegret Weil Helmbold
Mit der Wahl einer neuen Residenzstadt leitete Konstantin (der Große) eine allmähliche Verlagerung des Machtzentrums in den ostmediterranen Raum ein. Schnell entwickelte sich seine Gründung Konstantinopel zu einer Metropole, die ab 476 als einzige Kaiserstadt übrigblieb. In der Zeit von Kaiser Justinian I. bis Herakleios beginnt die Veränderung oder Transformation des römischen Reichs zu einem Gemeinwesen neuer Prägung. Das Reich lag zwischen neuen Machtkonstellationen an der Ostgrenze (Araber) und innere Umwälzungen (Durchsetzen der Orthodoxie, Bilderstreit, wirtschaftliche und militärische Neuorientierung).
- Lehrende/r: Michael Grünbart
„Die mit Blut, Gebeinen oder Innereien sind natürlich first class. Danach kommen Kleidungsstücke von Heiligen und dann gibt es noch Berührungsreliquien, bei denen der Heilige etwas berührt hat, aber die sind nicht so wertvoll.“ – die Worte eines modernen Reliquienhändlers, der den Grad mutmaßlicher Heiligkeit für seine Gewinnkalkulation nutzt. Er setzt dabei auf eine bestimmte Dynamik, welches sich schon bei Gregor von Tours findet: „Since faith believes that everything that the sacred body touched is holy.“ Der Bischof bezieht sich mit diesem Satz zwar auf den Körper Jesu, erfasst aber trotzdem pointiert ein Grundprinzip des Reliquienwesens: Die tiefe Überzeugung, dass einem Gegenstand eine sakrale Komponente inhärent geworden ist und dass jene Komponente auf andere Objekte transferiert werden kann. Diese Wirkweise lässt sich auch für Hl. Orte annehmen, wodurch diese als Forschungsthema inzwischen gleichberechtigt neben der Thematik der Reliquien stehen und auch den Schwerpunkt der Veranstaltung bilden sollen. Es ist nicht nur die Idee einer solchen punktuellen Heiligkeit, welche die Gläubigen anzog und das Pilgerwesen entstehen ließ. In den frühesten Pilgerberichten klingt häufig auch ein von historischem Interesse geleiteter Drang nach Erinnerung an. Die Relation, in der Orte und Objekte zum Verlangen nach Heiligkeit und Erinnerung stehen, soll im Fokus stehen: Wie konnte die Pilger*innen durch eine Reliquie und vor allem durch einen Ort teilhaben an Heiligkeit und Gedenken? Wie antworteten Reliquie und Ort auch welche Bedürfnisse, mit denen die Pilger*innen an sie herantraten? Auf Grundlage dieser Fragen werden verschiedene Hl. Orte und Reliquien beleuchtet. Dabei sollen auch die verschiedenen Dynamiken der Orte und die Mobilität der Reliquien berücksichtigt werden, um Entwicklung und Vielfalt der christlichen Erinnerungskultur und der spätantiken Sakraltopographie zu vermitteln.
- Lehrende/r: Hildegard Poeschel
Was bedeutet Herrschen? Von 1081 bis 1185 stellte die Familie der Komnenen die Kaiser des byzantinischen Reiches, welches zu dieser Zeit noch europäische Geltung hatte. Geprägt war das Jahrhundert durch sehr lange Regierungszeiten von Alexios I., Ioannes II. und Manuel I. Im Rahmen des Seminars wird diese Epoche, in der Byzanz noch eine auf alle Teile des Mittelmeerbeckens ausstrahlende Macht war, unter verschiedenen Aspekten untersucht: Kirchen-, Bildungs-, Kultur-, Alltags-, Wirtschafts- und Militärgeschichte bilden dabei die Hauptbereiche.
- Lehrende/r: Michael Grünbart