

Am 29. Juni 2026 hält Carolin Pommert ihre Fellow-Lecture zum Thema „Patient:innen auf Film und Foto: Ethische Grenzen vs. Notwendigkeit der Digitalisierung“. Der Vortrag findet von 16.15 bis 18.30 Uhr im Philosophikum (Domplatz 23, 48143 Münster), Raum 201, statt.
In der Medizin wird mit und an dem Menschen gearbeitet. Krankheiten sollen präventiv erkannt, diagnostiziert und behandelt werden. Für die Erforschung von Krankheitsbildern steht der Mensch als „Forschungsobjekt“ im Fokus der Medizin: Er wurde und wird betrachtet, gemessen und ausgewertet.
In medizinhistorischen Sammlungen befinden sich überwiegend Daten zu Patient:innen in Form von Krankenakten, Verwaltungsunterlagen, aber auch zu großen Teilen auf Fotografien und Filmmaterialien. Diese Abbildungen liegen häufig als Konvolute vor: in Lehrbildsammlungen, fotografischen Alben oder als einzelne Objekte zwischen Forschungsunterlagen, Korrespondenzen sowie Lehr- und Unterrichtsmaterialien oder als Einlagen in Patientenakten.
Je nach inhaltlichem Fokus sind die Abbildungen auf bestimmte Körperpartien konzentriert, etwa bei der Dokumentation kieferchirurgischer Erkrankungen. Häufig sind Menschen als Teil einer verwaltenden Dokumentation vollständig abgebildet und mit personenbezogenen Daten unmittelbar verknüpft. Bei Dokumentationen von Krankenstationen, Gebäuden, Behandlungsgeräten oder Operationen stehen dagegen selten Patient:innendaten direkt an den Objekten. Dennoch sind Betroffene darauf zu sehen, oftmals stereotypisiert und gezielt in Szene gesetzt.
Die Arbeit an historischen Objekten erfolgt heute zunehmend anhand digitaler Reproduktionen. Dabei tragen die verwaltenden Einrichtungen neben der rechtlichen auch eine hohe ethische Verantwortung: Inwiefern möchten wir Stigmatisierungen reproduzieren? Wie viel Digitalisierung ist tatsächlich notwendig? Kann sichergestellt werden, dass die Daten nicht missbraucht werden?
Anhand von Fallbeispielen aus der Sammlung Medical Humanities werden die ethischen Herausforderungen der Digitalisierung und Bereitstellung historischer Bildbestände diskutiert. Welche Verantwortung tragen Sammlungen und Archive gegenüber den abgebildeten Personen? Wo liegen die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Zugänglichkeit und dem Schutz persönlicher Rechte? Der Vortrag greift diese Fragen auf und lädt zu einer gemeinsamen Diskussion über den Umgang mit sensiblen Patient:innenabbildungen in Forschung, Lehre und Sammlungspraxis ein.
Carolin Pommert ist Leiterin der Bibliothek & Sammlung Medical Humanities am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie forscht unter anderem zu Fragen des Umgangs mit sensiblen medizinischen Abbildungen in medizinhistorischen Lehrbildsammlungen sowie in Lehr- und Wissenschaftsfilmen.