

Vom 26. bis 27. November 2026 findet der interdisziplinäre Workshop „Open Science: Ein Ideal auf dem Prüfstand“ der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“ und der Deutschen Gesellschaft für Philosophie (DGPhil) e. V. statt.
Ort: Universität Münster, Hörsaal KTh I, Johannisstraße 8–10, 48143 Münster
Wissenschaftliche Leitung: Nicola Mößner (Leibniz Universität Hannover | Senior Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe)
Anmeldung unter kfg.zugang@uni-muenster.de.
Referent:innen
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Dr. Yuliya Fadeeva (Helmholtz Open Science Office)
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Prof. Dr. Petra Gehring (Technische Universität Darmstadt, Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums verantwortungsbewusste Digitalisierung (ZEVEDI))
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Prof. Dr. Axel Gelfert (Technische Universität Berlin)
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Jun.Prof. Dr. Chiara Lisciandra (Universität Düsseldorf)
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PD Dr. Nicola Mößner (Leibniz Universität Hannover)
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Dr. Eberhard Ortland (Universität Münster, Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“)
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Dr. Lukas Röseler (Universität Münster, Geschäftsführer des Münster Center for Open Science)
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Prof. Dr. Reinold Schmücker (Universität Münster, Sprecher der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“)
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Dr. Gottfried Schweiger (Universität Salzburg, DGPhil-AG Philosophische Fachzeitschriften)
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Dr. Nathanael Sheehan (Technische Universität München)
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Lisa-Marie Stein, M.A. (DESY, DFG-Projekt openCost)
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Prof. Dr. Ulrike Wuttke (Fachhochschule Potsdam, Servicestelle für Diamond Open Access)
Thema und Ausgangslage
Vor genau fünf Jahren, im November 2021, wurde die UNESCO Deklaration für Open Science (OS) verabschiedet und von 194 Nationen angenommen (vgl. „UNESCO Recommendation on Open Science“, https://doi.org/10.54677/MNMH8546). Die hierin ausgesprochenen Empfehlungen erfolgten vor dem Hintergrund globaler Krisen: dem Klimawandel, einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten, gesellschaftlichen Polarisierungseffekten, der Pandemie und ihren Folgen, um nur einige zu benennen. Mit der Deklaration war die Hoffnung auf Wissens- und Technologiefortschritte, Nachhaltigkeit sowie eine integrative Wirkung bezüglich unterschiedlicher Bevölkerungsschichten als auch globaler Gemeinschaften verknüpft, um den Herausforderungen der Zeit besser begegnen zu können. Dabei versteht die UNESCO das Vorhaben als ein fortlaufendes Projekt, das auf ein stetiges Engagement der Beteiligten setzt und dabei auf vier Säulen basiert: (1) offene wissenschaftliche Erkenntnis, (2) offene wissenschaftliche Infrastruktur, (3) Offenheit für gesellschaftliche Akteure jenseits der wissenschaftlichen Community, (4) Erhöhung der Diversität in der wissenschaftlichen Praxis durch einen offenen Dialog mit Vertreter:innen anderer Wissenssysteme. Seit der Verabschiedung hat sich die Wissenschaftslandschaft, ihre infrastrukturelle Einbindung und ihr gesellschaftlicher Status in der globalen Perspektive dynamisch weiterentwickelt. Zum einen haben marktwirtschaftliche Akteure wie Wissenschaftsverlage u. a. das ökonomische Potential bestimmter OS-Vorhaben für sich entdeckt (vgl. z.B. https://www.openlibhums.org/news/931). Teile der Open-Access-Bewegung wurden mittels unternehmerischer Konzepte geradezu ‚gekapert‘. Zum anderen sind mit dem Aufkommen von sehr leistungsfähigen KI-Technologien wie den Large Language Models (LLMs) eine Reihe neuer Problemstellungen aufgetreten, z. B. die Nutzung von Open-Access-Publikationen als Trainingsdaten für KI-Werkzeuge, die nachfolgend teuer vermarktet werden. Während somit Akteure des Markt- und Technologie-Sektors auf eine nicht-intendierte Weise die Zielsetzungen von OS für sich vereinnahmt haben, tritt auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene eine Reihe von neuen Herausforderungen auf, die dem integrativen und offenen Charakter von OS diametral zuwider laufen. Die Zeit scheint daher reif, sich kritisch mit dem Ideal von OS auseinanderzusetzen. Diesem Vorhaben widmet sich der Workshop.
Fragestellung und Vorgehen
Zielsetzung der Tagung ist es, zum einen OS-Entwicklungen der letzten Jahre kritisch zu reflektieren. Welche Ansätze haben sich bewährt? Welche nicht? Und welche Gründe lassen sich für Erfolge bzw. Fehlschläge aufzeigen? Entsprechen die Zielsetzungen von OS noch den heutigen Anforderungen in unserer Wissenschaftslandschaft und einer Welt unterschiedlichster globaler Krisen? Lautet die Alternative „security by obscurity“, also das Verstecken oder Wegschließen von Wissens- und Technologie-Ressourcen hinter Bezahlschranken? Welche Vorschläge für Reformulierungen der verschiedenen OS-Vorhaben könnte man angesichts der aktuellen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft unterbreiten? Zum anderen soll vor diesem Hintergrund diskutiert werden, inwiefern die Philosophie selbst als akademische Disziplin Vorhaben im OS-Bereich umsetzen kann und/oder sollte. Inwiefern spielt beispielsweise der Open-Access-Gedanke für philosophische Publikationen eine Rolle? Inwieweit ist eine Forderung nach Offenheit, Inklusivität, Diversität auch aus wissenschaftsphilosophischer Perspektive zu erheben? Kann in der akademischen Philosophie die Öffnung für weitere gesellschaftliche Akteure sinnvoll sein? Inwiefern verfügen auch Philosoph:innen über Forschungsdaten, die nach dem Prinzip der FAIR Data behandelt werden sollten?
Kurz: Die OS-Bewegung exemplifiziert den Gedanken von Offenheit, Integration und Diversität zur Bewältigung globaler Krisen – ist dieses Ideal in der heutigen Welt weiterhin der Richtwert oder müssen die Zielpunkte anders gesteckt werden?
Programm
Donnerstag, 26. November 2026
13:00 Uhr
Begrüßung
Nicola Mößner (Leibniz Universität Hannover | Senior Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe)
Erste Sektion: Open Science
13:15 Uhr
High Quality statt High Impact mithilfe von Diamond Open Access
Dr. Lukas Röseler (Universität Münster, Münster Center for Open Science)
14:00 Uhr
Open Science zahlt sich aus? Kostentransparenz beim Publizieren mit openCost
Lisa-Marie Stein, M.A. (DESY, DFG Projekt open Cost)
14:45 Uhr
Kaffeepause
Zweite Sektion: Philosophie
15:15 Uhr
Sollten Philosophiezeitschriften diamond open access erscheinen?
Dr. Gottfried Schweiger (Universität Salzburg, DGPhil AG Philosophische Fachzeitschriften)
16:00 Uhr
Kein KI-Opt out bei Open Access?
Prof. Dr. Petra Gehring (TU Darmstadt, ZEVEDI)
16:45
Open Science: Eine tugenderkenntnistheoretische Perspektive
Prof. Dr. Axel Gelfert (TU Berlin)
17:30 Uhr
Pause
18:00 Uhr
Keynote
Ist offene Wissenschaft heute noch verantwortbar?
Prof. Dr. Reinold Schmücker (Sprecher der Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“)
19:30 Uhr
Konferenz-Dinner
Freitag, 27. November 2026
Dritte Sektion: Philosophie
09:00 Uhr
Creative-Commons-Lizenzen bei wissenschaftlichen Publikationen und die Anforderungen wissenschaftlicher Autorschaft
Dr. Eberhard Ortland (Universität Münster, Kolleg-Forschungsgruppe „Zugang zu kulturellen Gütern im digitalen Wandel“)
09:45 Uhr
Kaffeepause
10:15 Uhr
O∀: Is Open Access for All?
Jun.Prof. Dr. Chiara Lisciandra (Universität Düsseldorf)
11:00 Uhr
The Philosophies of Open Science and the Open Society
Dr. Nathanael Sheehan (TU München)
11:45 Uhr
Mittagssnack
Vierte Sektion: Open Science
12:15 Uhr
Open Science unter Kontrolle? Die Macht der Impactfaktoren und die Zukunft von Diamond Open Access
Prof. Dr. Ulrike Wuttke (FH Potsdam)
13:00 Uhr
Open vs. getrackt: Science Tracking und epistemische Asymmetrie
Dr. Yuliya Fadeeva (Helmholtz Open Science)
Fünfte Sektion: Synergien
13:45 Uhr
Was heißt hier ‚souverän‘? Open Science und Autonomie
Nicola Mößner (Leibniz Universität Hannover | Senior Fellow der Kolleg-Forschungsgruppe)
14:30 Uhr
Verabschiedung