










Mit dem Computerlinguisten Dr. George A. Kiraz vom Institute for Advanced Study in Princeton war kürzlich einer der weltweit führenden Experten für die computergestützte Verwendung der syrischen Sprache zu Gast am INTF. So entwarf er beispielsweise 1986 eine der ersten Computerschriftarten für Syrisch, die bis heute der weltweit am häufigsten verwendete Computerfond für Syrisch ist. Der Gründer und Direktor von "Beth Mardutho: The Syriac Institute", der sich für den Erhalt und die Förderung des syrischen Erbes und der syrischen Sprache einsetzt, war in Münster, um die Rahmenbedingungen für eine Kooperation mit dem INTF zu klären.
In Zusammenarbeit mit Sabine Schmidtke vom Institute for Advanced Study arbeitet George Kiraz an einem Projekt der arabischen Evangelien. Sein Besuch in Münster steht im Zusammenhang mit diesem Projekt. Die Evangelien in arabischer Übersetzung liegen in zahlreichen Handschriften vor. Die Überlieferungslage ist sehr komplex, weil das arabische Neue Testament nicht nur aus dem Griechischen, sondern auch aus dem Syrischen und Koptischen übersetzt und die Textgeschichte bisher nur teilweise untersucht worden ist. Die Edition der arabischen Evangelien wird zum besseren Verständnis der Textüberlieferung beitragen und damit auch ihre Bedeutung für die Textkritik des griechischen Neuen Testaments deutlich machen. Schmidtke und Kiraz werden diesen Sommer die Zusammenarbeit mit dem Institut in Münster fortsetzen.

Am 8. Mai startet die Sonderausstellung "Heilige Texte - Exponate zur Bibel und ihrer Geschichte aus vier Jahrtausenden" im Bibelmuseum. Zu sehen sind bis zum 31. Oktober Highlights der Sammlung, Zeugnisse zu den Wurzeln von Altem und Neuem Testament und den unterschiedlichen Interpretationen vom frühen Christentum bis heute. Aufgrund der Umbauarbeiten ist das Museum bis dahin geschlossen.
Das Institut für Neutestamentliche Textforschung (INTF) dokumentiert und erforscht die Geschichte der Überlieferung des Neuen Testaments in seiner griechischen Ursprache. Hauptziel ist es, erstmals in Kenntnis des gesamten heute verfügbaren Materials ein Bild von der Textgeschichte zu gewinnen und auf dieser Basis den Ausgangstext der neutestamentlichen Überlieferung zu rekonstruieren. Das Ergebnis dieser Arbeit wird in der "Editio Critica Maior" publiziert, die wiederum als Grundlage für verschiedene wissenschaftliche Handausgaben dient. Dazu zählen der "Nestle-Aland" und das "Greek New Testament".
Wichtigstes Hilfsmittel ist die am Institut entwickelte "Coherence-Based Genealogical Method" (CBGM), ein EDV-gestütztes Verfahren zur Ermittlung des besten griechischen Textes im Neuen Testament. Zahlreiche Datenbanken, beispielsweise eine vollständige Erfassung aller bekannten griechischen Originale im New Testament Virtual Manuscript Room (NTVMR), ermöglichen Wissenschaftlern in aller Welt den freien Zugang zur Materialbasis, um eigene Forschungsfragen zu klären.
Die Arbeit des INTF ist indes nicht nur für die Scientic Community von Bedeutung. Das dem Institut angeschlossene Bibelmuseum erzählt die Geschichte der Bibel – von ihren handschriftlichen Anfängen bis heute. Die Breite und Tiefe der Ausstellung ist dadurch einzigartig auf der Welt. Im Laufe des Jahres gibt es wechselnde Ausstellungen, die von einem jungen Team erarbeitet und vorgestellt werden.
Unterstützt wird das INTF unter anderem von der Hermann Kunst-Stiftung und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste, die die Arbeitsstelle "Novum Testamentum Graecum - Editio Critica Maior" finanziert.