Hermann Kunst-Stiftung
Die Erforschung des biblischen Urtextes
Die Hermann Kunst-Stiftung zur Förderung der neutestamentlichen Textforschung setzt sich für ein besonderes Ziel ein: Die Erforschung des sogenannten Urtextes, dem Ausgangstext des griechischen Neuen Testaments.
In den ersten etwa 1500 Jahren seiner Geschichte wurde das Neue Testament handschriftlich überliefert. Die heute vorliegenden Quellen sind Abschriften von Abschriften, oft viele Generationen von den ursprünglichen Handschriften entfernt. Im Laufe seiner Überlieferungsgeschichte hat sich der Text von seinem ursprünglichen Wortlaut entfernt. Unbeabsichtigte Abschreibfehler, gezielte Veränderungen, sprachliche Entwicklungen sowie theologische Einflüsse trugen hierzu bei. Die neutestamentliche Textkritik erfasst und sichert systematisch den gesamten Überlieferungsbestand. Sie umfasst die Identifikation aller relevanten Textzeugen, die Erhebung der von ihnen bezeugten Varianten sowie deren Einordung in die genealogischen Zusammenhänge. Auf dieser Grundlage wird, soweit möglich, der älteste rekonstruierbare Text mit seinen Varianten ermittelt.
Mit dem Institut für Neutestamentliche Textforschung (INTF) der Universität Münster und dem angegliederten Bibelmuseum unterstützt die Stiftung eine international bedeutende Institution der Forschung. Die hier herausgegebenen wissenschaftlichen Ausgaben, (alles Links) mit der Editio Critica Maior, dem „Nestle-Aland“ und dem „Greek New Testament“, bilden die Grundlage für theologische Forschung und moderne Bibelübersetzungen weltweit. Mit der am INTF entwickelten Coherence-Based Genealogical Method (CBGM) wurde eine komplett neue Methode der Textkritik entwickelt. Diese digitale Pionierarbeit ermöglicht einen umfassenderen Überblick und Zugriff auf „Verwandtschaftsbeziehungen“ der Handschriften untereinander.
Mit dem New Testament Virtual Manuscript Room (NTVMR) wurde das größte digitale Archiv griechischer Handschriften geschaffen. Forschende aus aller Welt arbeiten hier an rund 5700 digitalisierten Handschriften und gewinnen so neue Perspektiven auf den biblischen Text.
Was wir möglich machen
Die Hermann Kunst-Stiftung fördert eine interdisziplinär relevante Forschung im Feld von Religion, Geschichte und Kultur. Die ältesten uns bekannten Texte des Christentums werden bewahrt und erforscht. Methodisches Können, digitale Transformation, Wissenschaft und ihre Vermittlung gehen dabei Hand in Hand. Vom Erhalt alter neutestamentlicher Papyri bis hin zur digitalen Zugänglichkeit der Schriften fördert die Stiftung Projekte, die dem „Urtext“ auf der Spur sind. Historische Objekte wie etwa der Ziegelstein vom Turm zu Babel werden in Kooperationsprojekten analysiert und fördern so die Kontextualisierung. Transdisziplinäre Ausstellungsformate mit Begleitprogramm bieten Raum für interreligiösen Dialog und den gesellschaftlichen Diskurs über den Text und die Religionsgeschichte.

