Vierter Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine

Solidarität mit der Ukraine und friedensethische Orientierung in Zeiten prekärer Friedensbemühungen
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Seit vier Jahren verteidigt die Ukraine ihr Land, ihre Bevölkerung sowie ihre staatliche und nationale Eigenständigkeit gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands. Dieser Krieg dauert inzwischen länger als der Krieg Nazideutschlands gegen die Sowjetunion. Er wird mit brutaler Gewalt an der Front geführt, durch Luftangriffe auf zivile Ziele im gesamten Land, durch den terroristischen Beschuss der Strom- und Heizversorgung als gezielte Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur, durch Folter und Entmenschlichung in den besetzten Gebieten sowie durch massive Desinformation und Propaganda im In- und Ausland.

Der Winter als Waffe gegen die ukrainische Zivilbevölkerung

Der vierte Kriegswinter hat sich als der bislang härteste für die Ukraine erwiesen. Die Temperaturen sind auf bis zu minus 20 Grad gefallen – Bedingungen, auf die Russland mit seinem systematischen Beschuss kritischer ziviler Infrastruktur offensichtlich nur gewartet hat. Der permanente Beschuss grundlegender Versorgungsstrukturen stellt die Bevölkerung vor existentielle Herausforderungen: eiskalte, vereiste Wohnungen, anhaltende Stromausfälle und der Ausfall der Wasserversorgung. Aufgrund der Stromausfälle fallen in mehrgeschossigen Wohnhäusern die Fahrstühle aus, sodass mobilitätseingeschränkte Menschen – vor allem alte und kranke Personen – faktisch in ihren eisigen Wohnungen gefangen sind.

Die Widerstandskraft der Menschen in der Ukraine und ihre Solidarität untereinander verdienen unseren Respekt und unsere tatkräftige Unterstützung.

Ukrainische Fahne auf dem Prinzipalmarkt in Münster am 21. Februar 2026
© Yaroslav Tsytsyura
Prekäre Friedensbemühungen und friedensethische Verantwortung

Angesichts dieser dramatischen Entwicklungen sind die zahlreichen Vermittlungsversuche und vermeintlichen Friedensverhandlungen ein Hohn für die Hoffnung der Menschen auf Frieden. Die Tradition der christlichen Friedensethik betont die zentrale Bedeutung der vom Krieg bedrohten Menschen für jeden nachhaltigen Weg zum Frieden. Keine Friedensvision, keine Verhandlungsoption darf darum die Perspektive, die Interessen und das Sicherheitsbedürfnis der angegriffenen Ukraine zurückstellen, nur um zu einem fragilen Schweigen der Waffen zu gelangen. Die prekären Vermittlungsversuche der vergangenen Monate und die ungebremste Aggression Russlands haben sehr deutlich gemacht, dass unsere gewohnte Rechts- und Sicherheitsordnung aus den Fugen geraten ist. Das Einstehen für demokratische Strukturen, Menschenrechte und das Völkerrecht ist darum ein entscheidendes Element des Widerstands gegen diese neue Normalität – in Deutschland ebenso wie in der Ukraine, in Georgien und Belarus oder in den USA.

Gerade vor diesem Hintergrund kommt der wissenschaftlichen Analyse kirchlicher Akteure, religiöser Deutungsmuster und friedensethischer Argumentationen besondere Verantwortung zu. Die Mitarbeiter:innen des Lehrstuhls für Ostkirchenkunde und Ökumenik bemühen sich deshalb um eine wissenschaftlich-kritische und zugleich solidarische Analyse und Begleitung der aktuellen kirchlichen und friedensethischen Entwicklungen. Unseren akademischen und ökumenischen Partnern wollen wir eine verlässliche Unterstützung sein.

Forschung, Expertise und Vernetzung

Die Mitarbeiter:innen des Lehrstuhls für Ostkirchenkunde und Ökumenik sind seit vielen Jahren der Ukraine sowohl wissenschaftlich als auch persönlich eng verbunden. Verschiedene Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls leisten einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der kirchlichen Landschaft der Ukraine, der historischen und gegenwärtigen kirchlichen Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland, der religiösen Begründungen des russischen Angriffskriegs, Fragen der kirchlichen Diplomatie sowie friedensethischer Perspektiven auf den Krieg und einer perspektivischen Konflikttransformation. Auch in den vergangenen zwölf Monaten waren Prof. Dr. Regina Elsner und ihr Vorgänger Prof. i.R. Dr. Thomas Bremer gefragte Expert:innen für die kirchliche Situation in der Ukraine und in Russland. Dies schlägt sich in zahlreichen Medienbeiträgen und wissenschaftlichen Publikationen nieder, die in Auswahl auf unserer Sonderseite „Schwerpunkt Ukraine“ aufgeführt sind. Durch sein fortlaufendes Engagement im Netzwerk „Ukrainian Studies in Münster“ (USiM) trägt der Lehrstuhl für Ostkirchenkunde und Ökumenik maßgeblich zur Sichtbarkeit der Ukraine-bezogenen Aktivitäten an der Universität Münster und in der Stadt Münster bei.