Rechnen mit Resten
Aus der Grundschule kennst Du die Ganzzahl-Division mit Rest. Zum Beispiel ist $16:12 = 1 \text{ Rest }4$. In der Zahlentheorie interessieren wir uns oft nur für den Rest, der bei der Division übrig bleibt. Dann sprechen wir von der "modulo" Operation. Zum Beispiel gilt
\begin{align*}
&16 \operatorname{mod} 12 = 4, &&\text{denn }16:12 = 1 \text{ Rest }4,\\
&10 \operatorname{mod} 3 = 1, &&\text{denn }10:3 = 3 \text{ Rest }1.
\end{align*}
Wir können das Teilen mit Rest auch auf negative Zahlen ausdehnen. Wenn wir dabei verlangen, dass bei der Division durch $d$ immer ein Rest zwischen $0$ und $d-1$ herauskommt, gilt z.B.
$$-13 \operatorname{mod} 5 = 2,\quad\text{ denn }-13 = -3\cdot 5 + 2.$$
Für das Rechnen mit Resten gelten viele schöne Rechenregeln. Zum Beispiel gilt für zwei ganze Zahlen $a$ und $b$ immer
$$(a+b) \operatorname{mod} d = ((a \operatorname{mod} d) + (b \operatorname{mod} d)) \operatorname{mod} d.$$
D.h., anstatt $a$ und $b$ zu addieren und dann den Rest bei der Division durch $d$ zu bestimmen, können wir auch erst die Reste von $a$ und $b$ bestimmen und diese addieren. Sollte das Ergebnis dabei $d$ oder größer sein, müssen wir noch einmal $d$ abziehen. Das Gleiche gilt auch für die Multiplikation:
$$(a\cdot b) \operatorname{mod} d = ((a \operatorname{mod} d) \cdot (b \operatorname{mod} d)) \operatorname{mod} d$$
Zwei Zahlen, die bei der Division durch $d$ denselben Rest lassen, nennen wir "kongruent". Zum Beispiel gilt
$$16 \operatorname{mod} 12 = 4 \quad\text{und}\quad 28 \operatorname{mod} 12 = 4,$$
also sind 16 und 28 "kongruent modulo 12". Wir schreiben auch
$$16 = 28 \quad (\operatorname{mod} 12).$$
Wenn wir im Newsletter-Beitrag davon sprechen, dass eine Primzahl $p$ bei der Division durch $12$ den Rest $-5$ lässt, meinen wir damit etwas salopp, dass
$$p = -5 \quad(\operatorname{mod} 12).$$
Weil -5 bei der Division durch 12 den Rest 7 lässt,
$$-5 = 7 \quad (\operatorname{mod} 12),$$
hätten wir also auch sagen können, dass $p$ bei der Division den Rest 7 lassen soll.
Zahlen, die bei der Division durch $d$ denselben Rest lassen, fasst man in Mengen zusammen, die man "Restklassen" nennt. Zum Beispiel ist die Restklasse von $7$ bei der Division durch $12$:
$$[7]_{12} = \{\ldots, -17, -5, 7, 19, 31, \ldots\}.$$
Wegen der oben genannten Rechenregeln kann man Additions- und Multiplikations-Operationen für diese Restklassen definieren:
$$[a]_d + [b]_d = [a+b]_d \quad\text{und}\quad [a]_d \cdot [b]_d = [a \cdot b]_d$$
Aufgrund der Rechenregeln ist es dabei egal, welche Zahlen a und b man aus der jeweiligen Restklasse nimmt. Zum Beispiel gilt
$$[7]_{12} + [3]_{12} = [10]_{12} \quad\text{und}\quad [19]_{12} + [15]_{12} = [34]_{12},$$
aber $[10]_{12} = [34]_{12}$, da $10 = 34 \ (\operatorname{mod} 12)$.
Es stellt sich heraus, dass viele der bekannten Rechenregeln für ganze Zahlen (z.B. das Distributivgesetz) auch für Restklassen gelten. Ist $d$ eine Primzahl, kann man die Restklassen sogar durch einander teilen, wie bei den rationalen Zahlen. Man sagt dann, dass die Menge aller Restklassen zusammen mit diesen Rechenoperationen einen Körper bildet.
Noch genauer wird das Rechnen mit Resten in dieser Videoreihe erklärt.