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CiM/sr

Als Arzt im Labor

Eine Rotationsstelle ermöglichte Mediziner Dr. Jonas Lange, einem Forschungsprojekt in einem Labor des Exzellenzclusters „Cells in Motion“ nachzugehen.
Dank einer CiM-Rotationsstelle forschte Mediziner Dr. Jonas Lange zwei Jahre lang in der Arbeitsgruppe „Translationale Onkologie“.
© CiM - Sylwia Marschalkowski

Dr. Jonas Lange ist glücklich, denn er hat sein erstes großes Forschungsprojekt nahezu abgeschlossen. Knapp zwei Jahre lang tauschte der Mediziner den Arztkittel gegen den Laborkittel ein, um die besonderen Eigenschaften von Lymphdrüsenkrebs bei Kindern zu erforschen. Möglich gemacht hat das eine Rotationsstelle des Exzellenzclusters „Cells in Motion“ (CiM). Durch das Programm werden promovierte Medizinerinnen und Mediziner des Universitätsklinikums Münster (UKM) von klinischen Verpflichtungen freigestellt, um an einem Forschungsprojekt in einer CiM-Arbeitsgruppe zu arbeiten. So rücken Grundlagenforschung und klinische Arbeit enger zusammen.

Den Entschluss, zusätzlich einem Forschungsprojekt nachzugehen, fasste Jonas Lange während seiner Facharztausbildung zum Kinder- und Jugendmediziner. „Eine solche Möglichkeit hatte ich zuvor noch nicht gehabt. Kurz vor meinem Facharztabschluss dachte ich aber: ,Jetzt oder nie‘“, erzählt er heute. Sein Forschungsthema fand er durch die Zusammenarbeit mit Dr. Birgit Burkhardt, Oberärztin in der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, und die Unterstützung von CiM-Professor Dr. Georg Lenz. Er ist Spezialist für Lymphdrüsenkrebs bei Erwachsenen. „Das war thematisch eine super Kombination“, sagt Jonas Lange. Er reichte einen Antrag auf eine Rotationsstelle in der Arbeitsgruppe von Georg Lenz ein – und bekam die Stelle zugesprochen. „Es war die perfekte Gelegenheit, um in die Forschung einzusteigen. Zwei Jahre für ein größeres Forschungsprojekt waren eine optimale Zeit.“

In seiner Studie erforschte Jonas Lange das Burkitt-Lymphom, ein bösartiger Tumor, der bei Kindern relativ häufig vorkommt. Er untersuchte DNA-Proben von rund 100 Patienten auf das Vorliegen von Genmutationen. Ziel war es, herauszufinden, welche Mutationen bei Kindern vorkommen und welche von ihnen für die Voraussage des Erkrankungsverlaufs relevant sein könnten. „Bis zu einer Veröffentlichung der Ergebnisse wird es aber noch mehrere Monate dauern“, sagt Jonas Lange.

Seine Rotationsstelle begann der Mediziner nahezu ohne Laborerfahrung. Die Kollegen im Labor arbeiteten ihn gründlich ein und brachten ihm in den ersten Wochen zunächst alle Grundlagen bei, zum Beispiel die Arbeit mit Zellkulturen oder das Pipettieren. „Ich hatte immer einen Ansprechpartner vor Ort und habe außerdem vom umfangreichen Equipment im Labor profitiert“, erzählt er. „Nach der Einarbeitung konnte ich relativ schnell alles selbstständig durchführen, die theoretischen Grundlagen kannte ich ja schon aus dem Studium.“ Als einziger Mediziner ist Jonas Lange auch Mitglied der Young Academy – ein Netzwerk, in dem sich Nachwuchswissenschaftler des Exzellenzclusters zusammenschließen, um Erfahrungen auszutauschen und sich in ihrer Karriereentwicklung zu unterstützen.

Über die gesamte Dauer der Rotationsstelle arbeitete Jonas Lange Vollzeit im Labor. „Ein solches Projekt wäre parallel zum Klinikalltag nicht möglich gewesen“, erklärt er. Nach zwei Jahren geht es für ihn bald zurück in die Klinik, wo er von seinen Erfahrungen in der Wissenschaft profitieren will. „Die Zusammenarbeit im Labor ist ein Gewinn für beide Seiten – die Forschung und die klinische Praxis“, ist er sich sicher.