DFG fördert neue Untersuchungen zu "Münster-Mumie"

© Archäologisches Museum/Lianna Hecht

Wer war der Mann, dessen Mumie im Untergeschoss des Archäologischen Museums der Universität Münster ausgestellt ist? Wieso wurde er in einem Sarg, der einige Jahrhunderte älter ist als er selbst, bestattet? Und wie kamen Mumie und Sarg in den Besitz des Kaufmanns Wilhelm Schmitz-Scholl, einem Spross der Tengelmann-Gründerfamilie? Wahrscheinlich werden diese spezifischen Fragen für immer ungeklärt bleiben. Doch Ägyptologin Prof. Dr. Angelika Lohwasser und Projektmitarbeiter Dr. Marc Loth sowie das Team des Archäologischen Museums hoffen, dass sich durch das neue, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt "Geschichte(n) in einem "dichten Befund" - eine multidisziplinäre Untersuchung des ägyptischen Sarges mit Mumie in Münster2 zahlreiche neue Erkenntnisse zum Alltag in Ägypten vor 3.000 Jahren ergeben.

Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen verschiedenster Disziplinen, die beispielsweise untersuchen, mit welchen Materialien und Verfahren der Sarg hergestellt wurde oder welche Mittel zur Mumifizierung dienten und welche Bedeutung Texte und Bilder des Sarges haben könnten, soll sich ein facettenreiches Gesamtbild ergeben. Moderne Analyseverfahren versprechen Informationen zu Alter, Ernährung oder Gesundheit der Mumie.

"Das münstersche Ensemble ist weder außergewöhnlich noch von besonders hoher Qualität. Doch gerade dadurch ist es gut geeignet für eine umfassende Publikation, denn in der Regel sind es die ungewöhnlichen oder exquisiten Objekte, die als Einzeluntersuchungen veröffentlicht werden", sagt Prof. Lohwasser. "Dies bringt unser Bild über ägyptische Särge jedoch in eine Schieflage, da die meisten Objekte in Museen nicht hochwertig sind. Daher kann mit diesem durchschnittlichen Ensemble ein altägyptischer Standard vorgestellt werden, der auch als Referenzwert für andere Konvolute dienen kann."

Ein zweiter Blickwinkel des Projekts richtet sich auf die 3000-jährige Geschichte: beginnend mit der Herstellung des Sarges durch einen Schreiner, der Überarbeitung durch Stucküberzug und Farbfassung, über die Nutzung und mögliche Wiederverwendung bis zur Deponierung. Bislang gibt es darüber keinerlei Angaben, auch nicht darüber, wo die beiden Objekte gefunden wurden.

Die früheste gesicherte Erwähnung findet sich erst 1903, als Wilhelm Schmitz-Scholl Mumie und Sarg seiner ehemaligen Schule in Mülheim schenkte. Über Umwege kamen die Artefakte in schlechtem Zustand – beispielsweise fehlte der Kopf, der heute durch eine Attrappe ersetzt ist, ins Archäologische Museum Münster, wo sie nach einer umfassenden Restaurierung seit 2021 ausgestellt werden.

Mumie und Sarg können dienstags bis sonntags kostenlos von 10 bis 18 Uhr im Archäologischen Museum Münster, Domplatz 20-22, besichtigt werden.