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Münster (upm/jas)

Struktur und Symmetrie zum Anfassen und Entdecken

"Wir wollen der Bevölkerung zeigen, dass Physik in Münster Spaß macht" / "Highlights der Physik 2017" bis zum 23. September
Impressionen von den "Highlights der Physik" ...© WWU - Kathrin Nolte
Fotos

Es brummt, es rauscht, es blitzt – im Ausstellungszelt der "Highlights der Physik 2017" geht es lebhaft zu. Auf einer Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern laden 53 Exponate, darunter 29 Stände der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), zum Experimentieren und Staunen ein. Im Mittelpunkt steht das Motto des sechstägigen Wissenschaftsfestivals: Struktur & Symmetrie.

An einem Stand liegen Papier und Stifte aus, viele Blätter sind bereits mit bunten kreisförmigen Mustern und Kurven bedeckt. "Zeichne deine eigene Kaustik mit dem Spirographen" steht auf einem Hinweisschild daneben. Was das bedeutet, erklärt Doktorand Haissam Hanafi vom Institut für Angewandte Physik: "Mithilfe des geometrischen Spielzeugs kann man selbst Kaustiken, also optische Phänomene, erzeugen", sagt er. Durch die Überlagerung von Lichtstrahlen komme es zu solchen Übergangsphänomenen, die man auch als "Intensitätskatastrophen" bezeichnet, und die zum Beispiel in Regenbögen oder Lichtreflexionen vorkommen. Mit zwei verschiedenfarbigen Laserquellen verdeutlicht Haissam Hanafi das Prinzip auf einer schwarzen Platte.

Um Regenbögen und andere Naturphänomene geht es auch zwei Gänge weiter am Stand zum Thema Licht- und Wasserspiele. Hier erklärt Pascal Runde, ebenfalls vom Institut für Angewandte Physik, wie beispielsweise farbig schimmernde Seifenblasen, Regenbögen und tanzende Wassertropfen auf heißen Herdplatten entstehen. An einer großen Plastikwanne mit Seifenlauge sind einige Kinder bereits selbst aktiv – sie tauchen verschiedene Metallobjekte in die Flüssigkeit und betrachten die schillernden Oberflächen. "Das kommt besonders bei Schulklassen gut an", freut sich der Physiker, "die Seifenblasen sind so eine Art 'Catcher' und geben mir die Gelegenheit, mehr über die Oberflächenstruktur oder die Lichtbrechung zu erzählen."

Leuchtende kleine Männchen

Auch die Schülerlabor-Aktivitäten der WWU haben auf dem Schlossplatz eigene Zelte, in denen viele Mitmach-Aktionen angeboten werden. Im Q.UNI-Zelt surren die Drechselbänke. Zehn Kinder sitzen mit Schutzbrillen und roten Schürzen an einem langen Tisch. Hochkonzentriert bearbeiten Sie mit einem kleinen Metallmesser einen sich drehenden Holzrohling – hier entstehen kunstvoll verzierte Salzstreuer oder Schlüsselanhänger. Kevin Keidel studiert im Master Latein und Geschichte. Der angehende Lehrer betreut heute die jungen Drechsler und erklärt den Mehrwert dieser Aufgabe: "Die Arbeit an der Werkbank fördert die Geschicklichkeit und die Kreativität der Kinder. Durch die Rotation des Holzstücks können Sie selbst erfahren, wie sich die Oberfläche gleichmäßig verformt, wenn man das Messer an eine Stelle hält." Kinder ab zehn Jahren können im MExLab-Zelt gegenüber ein eigenes Lötprojekt starten und leuchtende kleine Männchen mit LEDs bauen. Experimente zum Schwimmen und Sinken gibt es bei KINT, dem Lehr-Lernlabor der Didaktik des Sachunterrichts. In der LAGUNE der Physik-Didaktik werden für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse abwechselnd zwei 30-minütige Mitmach-Experimente angeboten.

Die Einbindung solcher lokalen Einrichtungen war WWU-Professorin Dr. Cornelia Denz, wissenschaftliche Leiterin der "Highlights der Physik 2017", ein wichtiges Anliegen. Sie freut sich zudem über die Beteiligung und das Engagement ihrer Kolleginnen und Kollegen: "Ich bin stolz, dass der Fachbereich Physik das gemeinsam auf die Beine gestellt hat und so viele Personen aktiv mitmachen. Es ist sicherlich eine Besonderheit von Münster, dass der Anteil lokaler Veranstalter so groß ist – wir präsentieren uns hier stark und wollen der Bevölkerung zeigen, dass Physik in Münster Spaß macht." Die Physikerin hat bereits viele positive Rückmeldungen von Lehrkräften erhalten, die das Festival sogar mehrere Tage mit ihren Schulklassen besuchen möchten.

Schmelzender Reif am Blattrand

Auf dem Schlossplatz hat sich vor der Bühne bereits eine kleine Menschentraube gebildet. "Jetzt treffen gleich Minus 200 Grad und plus 100 Grad aufeinander", verkündet "Magic Andy" den erwartungsvollen Zuschauern. "Magic Andy" heißt eigentlich Dr. Andreas Korn-Müller und arbeitet seit zwanzig Jahren als freiberuflicher Chemiker, Entertainer und Autor. Die Kombination aus flüssigem Stickstoff und kochendem Wasser sorgt für Begeisterung – eine zwei Meter hohe Dampfwolke zischt empor und hüllt die Bühne und die vorderste Zuschauerreihe in dichten Nebel.

Abseits des Trubels lädt währenddessen die Fotoausstellung "Eis ist mehr als gefrorenes Wasser" im Schloss-Foyer zum stillen Staunen ein. Der emeritierte Physikdidaktiker Prof. Dr. Hans Joachim Schlichting zeigt eine Bilderauswahl zur Struktur und Symmetrie von Eis und Wasser. Joachim Schlichting ist seit vielen Jahren deutschlandweit als Fotokünstler bekannt. Auf seinen Fotos wird zum Beispiel erkennbar, wie schmelzender Reif am Blattrand geordnete Eiskristalle ausbildet.

Autorin: Jana Schiller

 

Terminhinweis

Um den "Goldenen Albert" geht es heute Abend (20. September) in der Jovel Music Hall: Die Fachschaft des Fachbereichs Physik veranstaltet gemeinsam mit der Jugendorganisation der Deutschen Physikalischen Gesellschaft einen "Einstein-Slam" zu Naturwissenschaften. Die Slammerinnen und Slammer haben zehn Minuten Zeit, ihre Forschung kreativ, charmant, witzig und vor allem verständlich auf der Bühne zu präsentieren. Das Publikum kürt die beste Darstellung. Einlass ist ab 19.30 Uhr, los geht es um 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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