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Münster (upm/nor)

Kairoer Großimam nimmt an Religionskonferenz in Münster teil

Ahmad Mohammad al-Tayyeb besucht WWU / Europa-Reise beginnt in Berlin / Privataudienz beim Papst
Großscheich Ahmad Muhammad al-Tayyeb<address>© Arbeitsbesuch Ägypten cropped by Gugganij [CC BY 2.0</address>
Großscheich Ahmad Muhammad al-Tayyeb
© Arbeitsbesuch Ägypten cropped by Gugganij [CC BY 2.0

Auf Initiative der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) wird der Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Mitte März nach Deutschland kommen. Der Al-Azhar-Scheich gilt als eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islams und der islamischen Rechtsprechung. Prof. Dr. Ahmed al-Tayyeb hatte bei einem Besuch des Leiters des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT) der WWU, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, in Kairo seine Bereitschaft bekundet, vor dem Hintergrund der zahlreichen Gewalttaten im Namen des Islams eine globale Friedensbotschaft zu verkünden. Zugleich hatte sich Ahmad Mohammad al-Tayyeb gewünscht, Münster als Stadt des Westfälischen Friedens und als Standort des größten universitären Islamzentrums in Deutschland zu besuchen. Daraufhin hatten Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe und WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles den Großscheich eingeladen.

Wissenschaftliche "Konferenz der Weltreligionen"

Ahmed al-Tayyeb wird zunächst am 15. März in einem Protokollsaal des Berliner Reichstagsgebäudes vor Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertretern der Religionsgemeinschaften und Wissenschaftlern über das "Friedenspotenzial des Islams" sprechen. Am Nachmittag des 16. März wird Oberbürgermeister Markus Lewe den Großimam im Friedenssaal des Rathauses in Münster empfangen. Am 17. März nimmt er von 10 bis 15 Uhr an einer wissenschaftlichen "Konferenz der Weltreligionen" mit dem Titel "Friede sei mit Euch" in der Aula des münsterschen Schlosses teil.

Der protokollarische Höhepunkt seiner Europareise folgt am Samstag (19. März): Papst Franziskus hat Ahmed al-Tayyeb zu einem Gespräch im Rahmen einer Privataudienz eingeladen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche und der Großimam wollen nach Angaben des Vatikans ihre Zusammenarbeit im Lichte der Gegenwart neu ausrichten, "die von Terrorismus unter religiösem Vorwand gekennzeichnet ist". Die 1998 begonnenen regelmäßigen Zusammenkünfte zwischen der Al-Azhar-Universität und dem Vatikan waren Anfang 2011 abgebrochen worden.

Prof. Dr. Mouhanad Khorchide<address>© WWU - Peter Grewer</address>
Prof. Dr. Mouhanad Khorchide
© WWU - Peter Grewer
"Wir sind stolz darauf, dass nach Bundespräsident Joachim Gauck auch der Großscheich der Al-Azhar-Universität mit seinem Besuch die Arbeit des Zentrums für Islamische Theologie würdigt und Münster als den Ort gewählt hat, um mit Repräsentanten der christlichen Kirchen ein Signal der Versöhnung zu senden", betonte WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles. "Das ist für alle Muslime, aber auch für die Studierenden ein eindrucksvoller Beleg für die Qualität der Leistungen in Forschung und Lehre von Prof. Khorchide und seinem Team, die offenkundig weltweit Beachtung finden." Mouhanad Khorchide pflegt seit mehreren Jahren intensive Kontakte zur Al-Azhar-Universität und zum Großscheich.

Der 70-jährige Ahmad Mohammad al-Tayyeb wurde am 19. März 2010 zum Scheich Al-Azhar und damit gleichzeitig zum Imam der Al-Azhar-Moschee ernannt. Der Großscheich von Al-Azhar wird stets auf Lebenszeit berufen. Seit 1988 hat er an der Kairoer Al-Azhar-Universität einen Lehrstuhl für Philosophie und Theologie. Er war Gastprofessor an der Pariser Sorbonne-Universität  und der Schweizer Universität Fribourg – von 2003 bis 2010 amtierte er als Rektor der Al-Azhar-Universität. Er ist zudem Vorsitzender des Weisenrats der Muslime, der im Jahre 2014 in Kairo gegründet wurde und als Plattform des innerislamischen Dialogs fungiert, um Potenziale des Friedens zu entfalten.

Ahmad Mohammad al-Tayyeb kommt erst zum zweiten Mal nach Europa. Im vergangenen Jahr hatte er an einer internationalen Tagung katholischer und sunnitischer Vertreter aus Religion und Politik zum Thema "Orient und Okzident. Dialoge der Kultur" im italienischen Florenz teilgenommen.