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Münster (upm/ch)

Detektivischer Spürsinn gefragt

Bibelmuseum erhält Bibel aus dem 16. Jahrhundert
Ein Blick in die historische Bibel<address>© WWU / Peter Grewer</address>
Ein Blick in die historische Bibel
© WWU / Peter Grewer

Das Bibelmuseum der Universität Münster hat eine wertvolle Bibel aus dem Jahr 1514 erhalten. Die privaten Stifter, Agnes und Lars Stange aus Kissing bei Augsburg, übergaben das historische Buch in die münstersche Sammlung. Museumsleiter Prof. Dr. Holger Strutwolf zeigte sich beeindruckt von der großzügigen Stiftung: "Ich freue mich sehr, dass das Bibelmuseum Münster über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens hinaus so bekannt ist, dass wir nun sogar aus Bayern eine kostbare Bibel als Geschenk erhalten."

Bei dem Werk handelt es sich um eine lateinische Bibel mit figürlichen Initialen, die in der Druckerei des Jacobus Mareschal in Lyon (Frankreich) im Jahr 1514 gedruckt wurde. Die Bibel besitzt an entscheidender Stelle einen interessanten Druckfehler: Auf der letzten gedruckten Seite ist als Druckjahr 1014 angegeben. Da das Titelblatt fehlt, war für die weitere Identifizierung der Bibel detektivischer Spürsinn gefordert. Des Rätsels Lösung brachte ein Abgleich mit Bibeln in anderen Bibliotheken, bei denen das Titelblatt noch erhalten ist. So konnte das Druckjahr auf 1514 datiert werden.

Bei der Übergabe der Bibel: Dr. Beate von Tschischwitz, Agnes und Lars Stange, Dr. Jan Graefe (v. l.)<address>© WWU / Peter Grewer</address>
Bei der Übergabe der Bibel: Dr. Beate von Tschischwitz, Agnes und Lars Stange, Dr. Jan Graefe (v. l.)
© WWU / Peter Grewer
Ein weiteres interessantes Detail ist ein handschriftlicher Eintrag aus dem 18. Jahrhundert. Der Schreiber vermerkte, dass ein identischer Druck besagter Bibel auch in der damals öffentlichen "Bibliotheca Windhagiana" in Wien zugänglich sei. Er hatte jedoch übersehen, dass es sich bei der Bibel in Wien um einen späteren Druck aus dem Jahr 1519 handelt.

Das Bibelmuseum der Universität Münster erzählt die Geschichte der Bibel von ihren handschriftlichen Anfängen bis heute. Wegen Umbaumaßnahmen ist das Museum zurzeit geschlossen.

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