Arbeitskreis Analytische Rechtsphilosophie

Was ist eigentlich Recht? Diese Frage ist genauso umstritten wie faszinierend. Ganz zu Beginn seines mittlerweile quasi-kanonischen Werkes The Concept of Law zeigt sich der Rechtsphilosoph H.L.A. Hart irritiert über einige frühere Antworten: „Niemand denkt, dass es aufschlussreich oder wichtig ist, zu betonen, Medizin sei ‚Was Ärzte gegen Krankheiten tun‘, oder eine ‚Vorhersage, was Ärzte tun werden‘; niemand würde plötzlich erklären, dass ein gewöhnlich als charakteristisch geltendes, zentrales Teilgebiet der Chemie, sagen wir die Lehre von den Säuren, gar kein Teilgebiet der Chemie ist. Und doch wurden im Falle des Rechts oft genau solche Dinge, die auf den ersten Blick nicht weniger merkwürdig anmuten, gesagt. Mehr noch: Sie wurden eloquent und leidenschaftlich vorgetragen, als ob sie Offenbarungen einer Wahrheit über das Recht wären, welche lange durch grobe Fehlinterpretationen der Natur desselben im Dunkeln gelegen hätte.“

Dabei ist es essentiell, zu wissen, welche wahren Propositionen dem gesellschaftlichen Teilgebiet angehören, dass (1) allumfassend nahezu sämtliche Bereiche des menschlichen Zusammenlebens irgendwie regelt und (2) stets höchste Autorität beansprucht (Joseph Raz): Wenn es in einer sozialen Gemeinschaft Regeln gibt, die mich hinter Gitter bringen, mir mein Vermögen abknöpfen oder gar die eigenen Kinder wegnehmen können, dann sind diese Regeln nahezu immer rechtsförmig. Neben der „Rechtsordnung“ gibt es kaum ein anderes Umfeld, in welchem normativ gehaltvolle Botschaften gesellschaftsweit zirkulieren und sich gleichzeitig institutionell verfestigen und gespeichert werden können (Jürgen Habermas). Diejenigen Fragen, die innerhalb der general jurisprudence mit analytischen Mitteln beantwortet werden sollen, sind also nicht nur von theoretischem Interesse, sondern auch praktisch relevant.

Im Arbeitskreis sollen vor diesem Hintergrund wichtige Grundlagentexte, aber auch ganz aktuelle Zeitschriftenbeiträge aus dem Bereich der analytischen Rechtsphilosophie gelesen und kritisch debattiert werden. Die meisten Aufsätze sind in englischer Sprache verfasst. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Perspektivisch ist es denkbar, dass im weiteren Verlauf des Arbeitskreises auch ausgewählte GastreferentInnen für kurze Impulsvorträge eingeladen werden. Wir werden uns – voraussichtlich ab Mitte oder Ende Oktober 2021 –jeweils am Donnerstag ab 18 Uhr (via Zoom) treffen. Ich freue mich auf viele spannende Diskussionen. Interessierte können mir jederzeit gerne eine E-Mail schreiben.

Kontakt: constantin.luft@wwu.de