Dr. Jens Niebaum



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Raum 117

Habilitationsprojekt:
Figurationen sakraler Herrschermacht. Kaiserliche und königliche Kirchen(projekte) um 1700 in Europa

Im Zentrum des Projektes steht die Frage, inwiefern im kaiserlichen oder königlichen Auftrag errichtete oder zumindest geplante Kirchenprojekte als ‚mediale Figurationen‘ jenes Konzeptes verstanden werden können, das die historische Forschung als „Sakralität des Herrschers“ bezeichnet. Darunter ist im Anschluß an F.-R. Erkens die Vorstellung eines „besonderen Nahverhältnisses“ des Herrschers zu Gott zu verstehen,  das auf dem Glauben an göttliche Erwählung zur Herrschaft beruht und ihm eine besondere Mitverantwortung auch für das Seelenheil der christlichen Gemeinschaft in seinen Territorien und idealiter – im Fall des Kaisers – in der ganzen Christenheit zuschrieb. Damit ist freilich kein statischer, substan-tialistischer Begriff gemeint, sondern eine mehrdimensionale Kategorie, die in je unterschiedlichen kommunikativen Kontexten und Handlungsvollzügen auf je spezifische Weise aktualisiert und nutzbar gemacht werden kann.
Vor diesem Hintergrund fragt das Habilitationsprojekt nach Formen sakralisierter Sinnproduktion in einer Gruppe höchst aufwendiger Kirchenbauten, die in den Jahrzehnten intensivierter höfischer Konkurrenz um 1700 in europäischen Residenzstädten konzipiert, freilich nur teilweise realisiert wurden. Gemeint sind  die Église Royale Ludwigs XIV. am Hôtel des Invalides in Paris (ab 1677/79), die unter Friedrich III./I. ventilierten Projekte für einen Neubau des reformierten Domes in Berlin (vor 1695 bis 1712/13), die von Kaiser Karl VI. gestiftete Karlskirche in Wien (ab 1715/16), die etwa zeitgleich im Auftrag des neuen Königs Viktor Amadeus II. von Sardinien errichtete Madonna di Superga bei Turin sowie die bisher nicht sicher datierbaren Pläne für eine königliche Mausoleumskirche am Norrmalmstorg in Stockholm. Diese Bauten sind einerseits im Anspruchsniveau sowie unter typologischen und formalen Aspekten zum Teil eng aufeinander bezogen, wie sie insbesondere auch eine enge Bindung an den Herrscher bzw. die herrschende Dynastie miteinander teilen. Andererseits entstanden sie in ebenso unterschiedlichen wie komplexen politischen und religiös-konfessionellen Kontexten. Diese Konstellation bietet günstige Voraussetzungen, um vergleichend danach zu fragen, auf welche Weise und mit welchen Akzenten verschiedenen Leitideen und Vorstellungen von herrscherlicher Sakralität eine sinnlich vermittelte, ‚objektivierende‘ Form gegeben wird. Das Projekt, das im Exzellenzcluster „Religion und Politik“ entsteht und an der Koordinierten Projektgruppe „Mediale Figurationen des Religiösen und des Politischen“ sowie an der Arbeitsplattform „Kulturelle Ambiguität“ beteiligt ist, versteht sich dabei auch als Beitrag zu der Frage nach Formen genuiner Sinnproduktion in und mit dem Medium Architektur.



Schwerpunkt der Lehre / Forschung:

  • Architektur und bildende Künste in Europa um 1700 (besonders Habsburg und Kursachsen)
  • 'Mediale Figurationen' des Religiösen und Politischen in der Kunst des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit
  • Architekturgeschichte und -theorie der Renaissance in Italien
  • Planungs- und Baugeschichte der Peterskirche in Rom

  • Jun.-Prof. Dr. Jens Niebaum

    Vita

     

    WS 1995/96 Aufnahme des Studiums der Kunstgeschichte (HF), Geschichte und Klassischen Archäologie (NF) an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn.
    SS 1996 - WS 2000/01    Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.
    14. Februar 2001 Magister Artium der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn; Thema der Magisterarbeit: „Zur Planungsgeschichte von Neu-St.-Peter unter Julius II. – eine kritische Revision“ (Referent: Prof. Dr. Georg Satzinger; Korreferent: Prof. Dr. Andreas Tönnesmann).
    1. April 2001 - 31. März 2003 Promotionsstipendiat der Max-Planck-Gesellschaft an der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte) in Rom; Thema der Dissertation: „Anfänge und Ausbreitung des kirchlichen Zentralbaus in der Renaissance“ (Referent: Prof. Dr. Georg Satzinger; Korreferent: Prof. Dr. Andreas Tönnesmann).
    1. April 2003 - 30. Sept. 2007 Mitarbeiter im Projekt „Wissensgeschichte der Architektur“ der Bibliotheca Hertziana (Prof. Dr. Elisabeth Kieven/Dr. Hermann Schlimme) und des Max-Planck-Institutes für Wissenschaftsgeschichte in Berlin; vgl. URL: http://www.biblhertz.it/deutsch/forschung/wissensgeschichte.htm
    7. Mai 2007 Disputatio im Promotionsverfahren an der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
    1. Okt. 2007 - 30. Sept. 2014 Juniorprofessor am Institut für Kunstgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom); dabei im Wintersemester Tätigkeit in Münster mit doppeltem Lehrdeputat und im Sommersemester in Rom ohne Lehrverpflichtung.
    20. Juli 2010 Verlängerung der Dienstzeit als Juniorprofessor um weitere drei Jahre nach Feststellung der Bewährung als Hochschullehrer.
    23. Juli 2010 - 14. Okt. 2011 Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kunstgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität.
    15. Okt. 2011 – 31. Aug. 2012 stellvertretender Geschäftsführender Direktor ebd.
    1. Sept. 2012 – 30. Aug. 2013 Vertretung einer W 2-Universitätsprofessur für Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
    Seit 1. Oktober 2014 Wiss. Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Projekt B2/23: „Mediale Figurationen im Spannungsfeld von Religion und Politik: Sakralbau und öffentliches Monument um 1700 in Mittel- und Nordeuropa“.

  •  Jun.-Prof. Dr. Jens Niebaum

    Publikationen


    „Studien zum Osnabrücker Domkreuzgang“, in Osnabrücker Mitteilungen 100 (1995), 267-278.
     
    „Bramante und der Neubau von St. Peter. Die Planungen vor dem ‚Ausführungsprojekt’“, in Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana 34 (2001/2002 [ersch. 2004]), 87-184.
     
    „Leon Battista Alberti: Begründer einer ‚Theorie des kirchlichen Zentralbaus’ in der Renaissance?", in Leon Battista Alberti. Humanist, Kunsttheoretiker, Architekt (Akten des Internationalen Alberti-Kongresses, Münster, 29.–30. Oktober 2004), hg. von Joachim Poeschke u. Candida Syndikus, Münster 2008, 243-256.
     
    Sieben Katalogbeiträge zur Baugeschichte von St. Peter zwischen 1506 und 1546 in Barock im Vatikan. Kunst und Kultur im Rom der Päpste II (Ausstellungskatalog Bonn, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland), Bonn 2005, 75-81.

    (gemeinsam mit Hermann Schlimme): Kommentare zu den Problemen 11 und 17, in: Practice and Science in Early Modern Italian Building. Towards an Epistemic History of Architecture, hrsg. v. Hermann Schlimme, Mailand 2006, 190 u. 208f.
     
    „San Giovanni dei Fiorentini“, in: Rom – Meisterwerke der Baukunst. Festgabe für Elisabeth Kieven, hg. v. Christina Strunck, Petersberg 2007, 208-213.
     
    „Zur Planungs- und Baugeschichte der Peterskirche zwischen 1506 und 1513", Akten des internationalen Kongresses Sankt Peter in Rom, 1506–2006 (Bonn, 22.–25. Februar 2006), hg. von Georg Satzinger u. Sebastian Schütze, München 2008, 49-82.
     
    „Die spätantiken Rotunden an Alt-St.-Peter in Rom, mit Anmerkungen zum Erweiterungsprojekt Nikolaus’ V. für die Peterskirche und zur Aufstellung von Michelangelos römischer Pietà", in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 34 (2007; ersch. 2008), 101–161.

    „Filarete’s Designs for Centrally Planned Churches in Milan and Sforzinda“, in: Architettura e umanesimo. Nuovi studi su Filarete, hg. von Berthold Hub = Arte lombarda 151 (2009), 121-138.

    “Geymüller und die moderne Forschung zu Bramantes St. Peter“, in: Heinrich von Geymüller (1839-1909). Architekturforscher und Architekturzeichner, Ausst.-Katalog Basel/Graz 2009/10, hg. v. Josef Ploder u. Georg Germann, Basel 2009, 16-25.
     
    „Typologische Innovation in einigen Sakralbau-Entwürfen Antonio da Sangallos des Jüngeren“, in: Ordnung und Wandel in der römischen Architektur der frühen Neuzeit. Kunsthistorische Studien zu Ehren von Christof Thoenes, hrsg. v. Hermann Schlimme u. Lothar Sickel, München 2011 (Römische Studien der Bibliotheca Hertziana 26), 39-67.

    „Loggia und Zentralbau. Bildarchitektur im Werk Peruginos“, in: Perugino. Raffaels Meister, hrsg. v. Andreas Schumacher (Ausst.-Kat. München, Alte Pinakothek, 2011/12), Ostfildern 2011, 78-105.

    „The Renaissance Centrally Planned Church as Liturgical Space“, in: Proceedings of the 2nd International Conference of the European Architectural History Network (Brüssel, 31. Mai – 3. Juni 2012), hrsg. v. Hilde Heynen u. Janina Gosseye, Wetteren 2012, 240-244. 

    „Bramante e il tipo della chiesa a ‚quincunx‘: problemi ed interpretazioni“, in: Una chiesa bramantesca a Roccaverano. Santa Maria Annunziata (1509-2009). Atti del Convegno, Roccaverano, 29-30 maggio 2009, hrsg. v. Gian Battista Garbarino u. Manuela Morresi Acqui Terme 2012, 269-296.

    „Die Peterskirche als Baustelle – Studien zur Organisation der Fabbrica di San Pietro (1506-1547)“, in: Kirche als Baustelle. Große Sakralbauten des Mittelalters, hrsg. v. Katja Schröck, Bruno Klein und Stefan Bürger (Ergebnisse einer Tagung des SFB 804 „Transzendenz und Gemeinsinn“, Dresden, November 2011), Köln/Weimar/Wien 2013, 60-72.

    „Momente des ‚Objekthaften‘ im kirchlichen Zentralbau der Renaissance“, in: The Challenge of the Object / Die Herausforderung des Objekts, hg. v. G. Ulrich Großmann u. Petra Krutisch (Akten des 33. Internationalen Kunsthistoriker-Kongresses, Nürnberg, Juli 2012), Nürnberg 2013 (32. Wissenschaftlicher Beiband zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums), 1432-1435.

    Im Druck/in Vorbereitung:

    Der kirchliche Zentralbau der Renaissance in Italien. Studien zur Karriere eines Baugedankens (Römische Studien der Bibliotheca Hertziana 34), ca. 656 S. m. 470 Abb., erscheint 2014 (http://www.hirmerverlag.de/controller.php?cmd=detail&titelnummer=8061).

    Katalogeinträge zu den Blättern Uff. A 600, 1165r, 1349, 1350, 1631, 1652r/v, 1779, 2095, in: The Architectural Drawings of Antonio da Sangallo the Younger and His Circle, Bd. 3, hrsg. v. Christoph Luitpold Frommel u. Georg Schelbert.

    „Die Alte Sakristei an San Lorenzo in Florenz und ihre frühe Rezeption“, Ms. 30 S., erscheint in: Spätmittelalterliche Privatkapellenstiftungen im europäischen Kontext, hrsg. v. Katharina Corsepius u.a. (Kongreßakten Bonn, Mai 2008).

    Kongresse und Studientage:

    (gemeinsam mit Hannes Roser, Rom) Neue Forschungen zu St. Peter in Rom, Studientag der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte), 10.-11. Dezember 2001.

    (gemeinsam mit Dr. Hermann Schlimme, Rom) Konzeption der Vortragsreihe „Wissensge-schichte der Architektur“, Rom, Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstge-schichte), April/Mai 2005.

    (gemeinsam mit Dr. Georg Schelbert, Berlin) The Power of the Plan. Focussing conflicts be-tween projects and their environment in Renaissance Architecture, Panel, The Renaissance Society of America. Annual Meeting, Washington D.C., 22.-24. März 2012.

    (gemeinsam mit Prof. Dr. Eva-Bettina Krems, Münster) Leo X: New Perspectives on His Pon-tificate, 2 Panels, The Renaissance Society of America. Annual Meeting, New York City, 27.-29. März 2013 (28. März 2013).

    (gemeinsam mit Prof. Dr. Francesco Paolo Di Teodoro, Turin) “Inventor e luce della buona e vera Architettura”: Bramante e gli ‘ordini nuovi’ dell’architettura del Cinquecento e oltre, veranstlatet von der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte), Rom, und der Accademia di Raffaello, Urbino; Rom, Accademia di San Luca, 2.-4. Oktober 2014.