Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer

Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer
Historisches Seminar
Domplatz 20-22
D-48143 Münster
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Dienstzimmer: Fürstenberghaus, 3. Stock, R 308
Sekretariat: R 137
Sprechstunde: Donnerstag, 19.04.2012 11 Uhr und Donnerstag, 10.05.2012 um 11 Uhr

Lebenslauf  Forschungsprojekte  Forschungsschwerpunkte  Publikationen



Lebenslauf

1943 Geboren
1971 Studium in Marburg und Berlin Promotion Marburg
1980 Habilitation Erlangen
Seit 1983 C 4-Professor für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Münster
1984/85 Dekan des Fachbereichs Geschichte
1998-2003 Prorektor für Lehre und studentische Angelegenheiten
DFG-Fachgutachter für Geschichte

Forschungsschwerpunkte

  • Nationalsozialismus und europäischer Faschismus
  • Ideen- und Sozialgeschichte Frankreichs im 18. und 19. Jahrhundert
  • Kulturgeschichte von Sammlungen, Ausstellungen und Museen

Forschungsprojekte

SFB 496, Projekt C5: Macht und Ritual im Zeitalter der Französischen Revolution Der Mann der Kultur: Kunstförderung als Instrument napoleonischer Herrschaftsrepräsentation

Seit der Herrschaft des Konvents spielten in der Französischen Revolution die schönen Künste eine wachsende Rolle bei der Visualisierung der politischen Normen der Revolution und damit bei der Repräsentation von Deutungs- und Machtansprüchen. Dem Aufruf der Jakobiner „Aux armes et aux arts“ folgten Maler und Bildhauer, die auch in der Phase von Consulat und Empire sich maßgeblich an der Inszenierung und Repräsentation der charismatischen Herrschaft des siegreichen Generals Napoleon Bonaparte beteiligten. Für Napoleon selbst wurden die Erfahrungen des Italienfeldzuges 1796/7 zur Geburtsstunde seiner neuen Rolle als Mann der Kultur. Der militärische Held eignete sich durch Porträts, Medaillen und Statuen ein sichtbares und reproduzierbares Bild als Freund und Förderer der Künste an. Er versuchte zugleich, unterstützt von Experten und Regisseuren der Macht, durch aufwendige Inszenierungen bei der Überführung von erbeuteten Kunstschätzen, der Eröffnung von Salons und Ausstellungen, der Planung und Stiftung von urbanistischen Neuerungen und Denkmälern, im gelehrten Gespräch der Akademie, sich als Förderer von Luxusgewerbe und Industrie und als Freund der Künste und der Wissenschaft vom Odium des Usurpators zu befreien und seine Herrschaft auch auf diese Weise zu stabilisieren. Der Gründungs- und Versöhnungsmythos, den Napoleon für sich beanspruchte, verlangte, daß er im Zentrum aller Wertevermittlung und aller symbolischer Handlungen stand. Gleichzeitig gehörte dazu der (scheinbare) Verzicht auf eine unmittelbare politische Instrumentalisierung der Kunst, wie sie ganz unvermittelt von den republikanischen Institutionen betrieben wurde. Statt dessen schlüpfte der Kaiser in die traditionelle Rolle der Monarchie und gab den Raum, den in der Revolution die Politik besetzt hatte, frei für die Kunstgeschichte und die Ordnungskraft ihrer Experten, die die historischen Objekte der schönen Künste als Zeugnisse einer universalen Kultur und die Gegenwartskunst als Beleg für die ästhetische Meinungsführerschaft des Kaisers präsentierten.

Projektleiter und Bearbeiter

Homepage des SFB 496, Projekt C5

Die Westfälische Wilhelms-Universität im Nationalsozialismus

Die Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte des Dritten Reichs hat in den letzten Jahren auf der Grundlage von lokalen Untersuchungen eine deutliche Intensivierung und methodisch-analytische Differenzierung erfahren. Neben der Personen- und Institutionengeschichte wurden vor allem die wissenschaftlich- methodologischen Entwicklungen einzelner Fächer vor und nach 1933 sowie die strukturellen Bedingungen und Veränderungen von Forschung und Lehre innerhalb und außerhalb der Universitäten untersucht, um die unterschiedlichen Verhaltensformen von Hochschullehren gegenüber dem NS-Regime, aber auch die Affinitäten einzelner wissenschaftlicher Positionen zu nationalsozialistischen Ideologemen bzw. ihre Anpassungsfähigkeit und Instrumentalisierung für Zwecke der Weltanschauungspolitik des Regimes zu beschreiben bzw. zu bewerten. Dabei stellt sich heraus, dass es für eine modernen wissenschaftsgeschichtlichen Methoden genügende Geschichte der Universität Münster im Dritten Reich und im Übergang zur Nachkriegszeit noch erhebliche Defizite gibt.
Projektleiter: Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer
Bearbeiter: Daniel Droste


Ausstellung "Hitler und die Deutschen"

Ausstellung auf der Seite des DHM
Beschreibung auf der Seite des Exzellenzclusters

Pressespiegel:


Publikationen (in Auswahl)


Monographien

  • Verführung und Gewalt. Deutschland 1933-1945. (Die Deutschen und ihre Nation, Bd. 5), Berlin 1986, Taschenbuchausgabe Berlin 1998.
  • Der Nationalsozialismus, Stuttgart 2002.
  • Die Französische Revolution, München 2004.

Herausgeberschaften

  • (zusammen mit R. Schlögl): Zwischen Loyalität und Resistenz. Soziale Konflikte und politische Repression während der NS-Herrschaft in Westfalen (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XXIIA) Münster 1996.
  • Bürgertum und Kunst in der Neuzeit (Veröffentlichungen des Instituts für vergleichende Städtegeschichte A 57), Köln 2002.
  • (zusammen mit Th. Großbölting): Die Errichtung der Diktatur. Transformationsprozesse in der Sowjetischen Besatzungszone und in der frühen DDR, Münster 2003
  • (zusammen mit L. Siep / N. Wascek), Hegel und der Saint-Simonismus (im Druck).

Aufsätze und Buchbeiträge

  • Faszination und Manipulation. Die Nürnberger Reichsparteitage der NSDAP, in: U. Schultz (Hg.), Das Fest. Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart, München 1988, S. 352-368.
  • Kultur und Propaganda. Zur Funktion kultur- und kunsthistorischer Ausstellungen in der NS-Zeit, in: F. J. Jakobi (Hg.), Kulturpolitik in Münster in der nationalsozialisti­schen Zeit, Münster 1990, S. 17-35.
  • Von der „Ästhetisierung der Politik“. Die Nürnberger Reichsparteitage der NSDAP, in: B. Ogan / W. Weiß (Hg.), Faszination und Gewalt. Zur politischen Ästhetik des National­so­zia­lis­mus, Nürnberg 1992, S. 95 - 105.
  • Nationalsozialismus und Denkmalskult, in: Historische Denkmäler. Vergangenheit im Dienste der Gegenwart? Bergisch- Glad­bach 1994, S. 9-36.
  • Faszination und Gewalt. Zur Herrschaftstechnik der Nationalsozialisierung, in: K. Wolbert (Hrsg.), Kunst und Faschismus. Politik und Ästhetik im Nationalsozialismus und im italienischen Faschismus, Darmstadt 1995, S. 21 -237.
  • Revolution, Krieg, Terreur. Zur politischen Kultur und Ikonographie der Französischen Revo­lu­tion, in: H. Keller / N. Staubach (Hg.), Iconologia Sacra. Mythos, Bildkunst und Dichtung in der Religions- und Sozialgeschichte Alteuropas. Festschrift für Karl Hauck zum 75. Geburtstag, Berlin 1995.
  • La sémantique sociale du „bonheur“: de la réflexion des Lumières à l’agitation politi­que. In: Transactions of the Ninth International Congress of the Enlightenment. (= Studies on Voltaire and the Eighteenth Century, Bd. 346) Oxford 1996. S. 1620-1623.
  • Die NS-Vergangenheit im politischen Diskurs der 68er Bewegung, in: Westfälische Forschungen 48 (1998), S. 39-54.
  • Geschichte und Propaganda. Kulturhistorische Ausstellungen in der NS-Zeit, in: Geschichte und Gesellschaft 24 (1998), S. 345-381.
  • Soziale Semantik von Bonheur. Von der aufklärerischen Reflexion zur politischen Agitation, in: R. Reichardt (Hrsg.), Aufklärung und Historische Semantik. Interdisziplinäre Beiträge zur westeuropäischen Kulturgeschichte, Berlin 1998 (= Zeitschrift für Historische Forschung, Beiheft 21), S 171-188.
  • Volksgemeinschaft: Mensch und Masse, in: R. van Dülmen (Hrsg.), Erfindung des Menschen. Schöpfungsträume und Körperbilder 1500- 2000, Wien 1998, S. 367-388.
  • „Freiheit oder Tod“. Zur Heroisierung und Ästhetisierung von Krieg und Gewalt in der Ikonographie der Französischen Revolution, in: J. Kunisch / H. Münkler (Hrsg.), Die Wiedergeburt des Krieges aus dem Geist der Revolution. Studien zum bellizistischen Diskurs des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, Berlin 1999, S. 75-91.
  • Napoleon – der Retter der revolutionären Nation, in: Wilfried Nippel (Hrsg.), Virtuosen der Macht. Herrschaft und Charisma von Perikles bis Mao, München 2000, S. 121-136.
  • Politische Rituale und politische Kultur im Europa des 20. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Europäische Geschichte 1 (2000), S. 79-98.
  • Gleichschaltung und nationaler Aufbruch. Die nationalsozialistische Machtdurchsetzung in der lokalen symbolischen Kommunikation, in: K. Andermann / W. Ehbrecht (Hgg.), Der weite Blick des Historikers. Einsichten in Kultur-, Landes- und Stadtgeschichte. Peter Johanek zum 65. Geburtstag, Köln 2002, S. 777-788.
  • Zeitenwende 1800. Der Beginn der Moderne, in: G. Weiß / G. Dethlefs (Hgg.), Zerbrochen sind die Fesseln des Schlendrians. Westfalens Aufbruch in die Moderne, Münster 2002, S. 124-145
  • Jugendmythos und Gemeinschaftskult. Bündische Leitbilder und Rituale in der Jugendbewegung der Weimarer Republik, in: E. Conze / U. Schlie / H. Seubert (Hrsg.), Geschichte zwischen Wissenschaft und Politik. Festschrift für Michael Stürmer zum 65. Geburtstag, Baden-Baden 2003, S. 268-286.
  • Sozialismus als Gegenmodell. Theoretische Radikalisierung und Ritualisierung einer Oppositionsbewegung, in: M. Freese / J. Paulus / K. Teppe (Hrsg.)., Demokratisierung und gesellschaftlicher Aufbruch. Die sechziger Jahre als Wendezeit der Bundesrepublik. (Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd.44) Paderborn 2003, S. 741-758.
  • Die Wiederkehr des Gleichen oder das Verblassen der Tradition, in: G. Althoff (Hg.), Zeichen – Rituale – Werte. Internationales Kolloquium des Sonderforschungsbereichs 496 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme. Schriftenreihe des SFB 496 3) Münster 2004, S. 573-588
  • Sozialstaat und Gesellschaftsvertrag. Historische Anmerkungen zu einer aktuellen Debatte, in: Karl Gabriel / Hermann-Josef Große Kracht (Hg)., Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag ?, Wiesbaden 2005, S. 35-52.
  • Die Aneignung der Tradition: Destruktion und Konstruktion im Umgang der Französischen Revolution mit Monumenten des Ancien Régime, in: R. Reichardt, R. Schmidt, H.-U. Thamer (Hgg.), Symbolische Politik und politische Zeichensysteme im Zeitalter der Französischen Revolutionen 1789-1848 (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme. Schriftenreihe des SFB 496) Münster 2005 (im Druck)
  • Symbolische Praxis und die Kulturgeschichte des Politischen. Frankreich im Revolutionszeitalter (zusammen mit R. Reichardt, R. Schmidt), in: R. Reichardt, R. Schmidt, H.-U. Thamer (Hgg.), Symbolische Politik und politische Zeichensysteme im Zeitalter der Französischen Revolutionen 1789-1848 (Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme. Schriftenreihe des SFB 496) Münster 2005 (im Druck)


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