„Nothing about us without us“? Mittelalterforschung, Parteilichkeit und postkoloniale Studien in Grönland und dem Nordatlantik
Wissenschaft und Weltanschauung. Wie politisch dürfen Historiker*innen sein?
Cordelia Heß (Aarhus)
Grönland gehört zu den Regionen, in denen vormoderne koloniale Prozesse die Grundlagen moderner kolonialer Herrschaftsverhältnisse gelegt haben. Gleichwohl tut sich die Mittelalterforschung, insbesondere in Deutschland, schwer mit politischen Stellungnahmen und Fragen der Parteilichkeit, wie sie in anderen postkolonialen Forschungsfeldern selbstverständlich verhandelt werden. Der Vortrag will die Ursachen dieser Zurückhaltung kritisch analysieren: das Verhältnis von Zentrum und Peripherie im „europäischen Mittelalter“, die Konstruktion wissenschaftlicher Neutralität sowie die Frage, wie die Forderung „Nothing about us without us“ im nordatlantischen Kontext eingelöst werden kann, ohne dabei problematische ethnische Kontinuitäten zu postulieren.
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