







Nun hat sich die Aufregung über die Figur der Helena in Chris Nolans Odyssee-Film erst einmal gelegt. Ich will die Debatte gar nicht neu befeuern. Das Letzte, was es braucht, ist eine weitere gelehrte Stimme, die der Welt von sprichwörtlich berufener Seite noch einmal den Film erklärt. Gemessen an den Sehgewohnheiten eines breiten Hollywood Publikums, die es ohne Zweifel zu bedienen galt, hat Nolan doch „großes Kino“ geschaffen – eine Seltenheit dieser Tage! Odysseus kommt dabei weit weniger eindimensional daher als in Teilen der Fachwelt behauptet. Und auch sonst geht es manchmal richtiggehend akademisch zu: Denkanstöße zur fortwährenden Seevölkerfrage und zum Ende der Bronzezeit, zum Verhältnis von Mündlichkeit und epischer Tradition. Der Sänger am Hof in Ithaka ist großartig!
Andererseits lässt der Film manches liegen. Die schon genannte Helena ist bei Homer auf jeden Fall eine vielschichtige Figur, mit selbstbewusster Agenda und eigenem Handlungsraum, um diese durchzusetzen. Die Debatte über ihre Hautfarbe verkürzt insofern das Potential der epischen Figur. Warum Penelope gefühlt in jedem zweiten Satz Odysseus als alleinige Maxime ihres Strebens und Tuns benennt, ist mir unerklärlich. Hat Nolan wirklich nichts von Margaret Atwoods 'Penelopiade' oder 'A Handmaid's Tale' gehört? Kirke hat ihre Verwandlung der Gefährten in Schweine mit den Worten gerechtfertigt, sie versetze Männer damit nur in ihren natürlichen Zustand, gibt dann aber klein bei, als Odysseus beteuert, dass seine Leute doch eigentlich gute Kerle sind. In puncto female agency ist der Film enttäuschend.
Zum Thema female agency hat Muriel Moser-Gerber gerade einen brillanten Band vorgelegt, der juristische Handlungsräume von Frauen in der Spätantike auslotet. Das Buch verrät, wie sich die römische Professur richtungsweisend für unser Fach entwickelt. Daraus ergeben sich auch wichtige Impulse für das Seminar insgesamt. Die Forschungsstellen Asia Minor, Papyrologie und Epichorios haben zuletzt alle herausragende Erfolge erzielen können, die ihre Position in einer sich rasch wandelnden Wissenschaftslandschaft stärken. Am Seminar kommen mit Katharina Wojciech, Sophia Nomicos und Caroline Albert gleich drei neue Mitarbeiterinnen hinzu, die unsere Perspektiven in Forschung und Lehre erweitern und weiter beflügeln.
All das macht Lust auf mehr! Ich freue mich, wenn wir mit der Eröffnungsfeier am 28.10. gemeinsam das akademische Jahr einläuten. Mit Blick voraus mögen sich alle schon einmal den 9.7.2027 notieren, wenn wir als Lehreinheit Geschichte mit einer Jahresabschlussparty - der ersten dieser Art - die Erfolge unserer Absolventinnen und Absolventen feiern. Zwischen beiden Terminen wünsche ich uns viel akademische Neugier und auch die notwendige Resilienz, um den Unbilden der Welt intellektuell zu begegnen. Wissenschaft vereint!
Hans Beck
Professor und Direktor, Seminar für Alte Geschichte
Die Fachstudienberater*innen der Lehreinheit Geschichte laden alle Erstsemester am 12.10.26 um 10.15 Uhr in den F2, Fürstenberghaus, zur obligatorischen, d.h. verpflichtenden, Erstsemesterinformationsveranstaltung ein. Die Veranstaltung dauert bis ca. 11.30 Uhr. Erst nach dem Besuch der Informationsveranstaltung kann der Stundenplan erstellt werden.

Das Seminar für Alte Geschichte heißt Caroline Albert willkommen. Sie hat in Mannheim und Heidelberg studiert. In ihrer Dissertation erschloss sie die griechischsprachigen Papyri der Marburger Papyrussammlung – ein Archiv der Dorfverwaltung des arsinoitischen Busiris. Frau Albert wird als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Forschungsstelle der Papyrologie verstärken und im Rahmen des DFG-Projekts "Die Krokodil- und Menschenmumien von Tebtynis“ Papyri der Bancroft Library (Berkeley) bearbeiten.

In 2024, archaeological fieldwork – including remote sensing, a geophysical survey, and a pedestrian survey – was carried out in the Eurotas Valley, in the area traditionally associated with ancient Amyklai. The investigations revealed archaeological evidence of diachronic human presence in the area, spanning from at least the Early Helladic period to the Roman era. Most notably, a site with evidence of both dwelling and production areas supports the hypothesis of a post-prehistoric settlement in this part of the valley. In addition, extant features that may be interpreted as Late Bronze Age burials further reinforce the idea that this area was among the most densely settled of the Eurotas Valley in antiquity.

Immer wieder gelingt es Forscherinnen und Forschern, mithilfe von Papyrusfragmenten in den Alltag der Menschen vor vielen Jahrhunderten einzutauchen und so manches wissenschaftliche Rätsel zu lösen. Das Gros der Arbeit mit dem Papier der Antike liegt allerdings noch vor ihnen: Schätzungen zufolge haben die Wissenschaftler bislang etwa 60.000 Fragmente untersucht und entziffert – rund eine Million unerschlossene Seiten, die überwiegend in Ägypten entdeckt wurden, liegen dagegen noch in den Archiven. „Mehrere Forscher-Generationen werden sich noch dieser faszinierenden Aufgabe widmen“, unterstreicht der Althistoriker Prof. Dr. Patrick Sänger in der neuen Folge des „Umdenken“-Podcasts der Universität Münster – und lädt zum Zuhören ein.
Mit Papyrusrollen in den Alltag der alten Ägypter eintauchen
Ab sofort gilt eine aktualisierte Eigenständigkeitserklärung für alle studentischen Hausarbeiten. Die Vorlagen des Historischen Seminars sowie der Alten Geschichte sind vereinheitlicht, die Geschichtsdidaktik nutzt eine eigene Version.
Bitte beachten Sie, dass Lehrende zusätzlich eine detaillierte Tabelle zur Nutzung generativer KI einfordern können. Informationen darüber, ob und in welcher Form eine solche Dokumentation für Ihre jeweilige Arbeit notwendig ist, erhalten Sie direkt von Ihren Dozentinnen und Dozenten.
Zum Sommersemester veröffentlicht die KI-Kommission zudem ergänzende Informationsflyer. Diese unterstützen Sie dabei, die Nutzung von KI-Werkzeugen in Ihren Arbeiten korrekt einzuordnen und bei Bedarf in der Einleitung darzustellen.
Die aktualisierte Eigenständigkeitserklärung finden Sie hier sowie in der Rubrik FAQ unter Allgemeine Fragen, Begriffe & Dokumente.

Wie organisierten sich Familien und Haushalte in antiken Gesellschaften, in denen Männer häufig lange auf See, im Krieg oder mit Viehherden unterwegs waren? Welche sozialen Strukturen entwickelten sich in deren Abwesenheit – und welche wirtschaftlichen Rollen nahmen Frauen dabei ein?
Die Studie untersucht die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Völkerschaften an der östlichen Adriaküste – in Epirus, Illyrien und Liburnien – vom 4. Jhd. v. Chr. bis ins 1. Jhd. n. Chr. Anhand von Freilassungs- und Grabinschriften, Orakeltafeln und literarischen Zeugnissen analysiert sie Haushaltsstrukturen, Heiratsmuster, Eigentumsverhältnisse und Geschlechterrollen. Zentral ist dabei die Frage, wie sich männliche Mobilität und weibliche Handlungsmacht aufeinander beziehen – und welche Formen von Familienleben jenseits griechisch-römischer Normen entstanden.
Mit ihrem interdisziplinären Zugriff auf epigraphische, literarische und ethnologische Vergleichsquellen bietet die Arbeit einen innovativen Beitrag zur antiken Sozial- und maritimen Kulturgeschichte des westlichen Balkans. Als Band der Reihe TRANSMARE verbindet sie Sozialgeschichte mit maritimer Mobilitätsforschung und eröffnet neue Perspektiven auf familiäre Alltagswelten im westlichen Balkanraum.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite vom DeGruyter Verlag.

Die Gemeinsame Wissenschaftkonferenz von Bund und Ländern hat am Freitag, 28. November 2025 bekanntgegeben, dass die Universität Münster mit zwei Forschungsprojekten am neuen Akademieprogramm beteiligt sein wird. Start des Vorhabens "Die Krokodil- und Menschenmumien von Tebtynis" mit Beteiligung von Prof. Dr. Patrick Sänger ist der 1. Januar 2026. In beiden Projekten erschließen und analysieren die Wissenschaftler historische Quellen und machen sie mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) zugänglich.

Aus einem kleinen Dorf am Tiber wächst Rom zum Weltreich - und mitten im Expansionsdrang hält plötzlich Frieden Einzug: die Pax Romana. Von 27 v. Chr. bis etwa 235 n. Chr. bleibt das Reich weitgehend von Bürgerkriegen verschont, auch wenn an den Außengrenzen Legionäre kämpfen. Kaiser wie Augustus inszenieren sich als pflichtbewusste und gerechte Herrscher, deren Bilder auf Münzen, Statuen und in Ritualen bis in die fernsten Provinzen strahlen.
Hinter dem Glanz steckt vor allem ein kluges System: wenige Beamte, präzise Volkszählungen, gut informierte Kaiser und ein fein gesponnenes Netz aus Statthaltern. Handel und Straßenbau lassen die Wirtschaft florieren, lokale Bräuche und Traditionen dürfen weiterleben.
Die Spuren dieser Epoche prägen uns bis heute - von Monatsnamen wie Juli und August über Rechtsgrundsätze bis zu alten Straßenverläufen. Die Pax Romana ist weit mehr als ein politisches Konzept: Sie wird zum Vorbild für Ordnung und Frieden. Der Römische Frieden zu Anfang unserer Zeitrechnung ist ein relativer Frieden: An den Außengrenzen ringen Legionäre immer wieder mit Germanen, Dakern oder Parthern. In der Podcast-Folge „02.10.235 v. Chr.: Pax Romana - 200 Jahre Frieden im Römischen Reich“ spricht Prof. Dr. Muriel Moser-Gerber darüber wie es sich wirklich in dieser Zeit lebte, die bis heute Popkultur und Internettrends wie My Roman Empire prägt – und lädt zum Zuhören ein.
02.10.235 v. Chr.: Pax Romana - 200 Jahre Frieden im Römischen Reich

Volume release of “The Roman Republic and Political Culture. German Scholarship in Translation,” edited by Amy Russell and Hans Beck, with translations by Kathrin Lüddecke and edited by Zara Chadha.
The book is published with CUP as part of its Classical Scholarship in Translation Series, edited by Renaud Gagné and Jonas Grethlein.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von Cambridge University Press.

This book examines the construction of space and place in early China and the ancient Mediterranean through the lens of performances conducted in specific locations. It highlights conceptions of place and performance, seeing both as crucial to the production of cultural meaning and communal cohesion, and as heavily dependent on the prevailing political culture. Whether urban or rural, global or local, central or fringe, public or private, real or imagined, theatrical or ritual, the places and performances highlighted serve to show both commonalities and differences between the ancient Mediterranean and early China. The range of places of comparison is also very diverse, including roads, gardens, neighbourhoods, hydraulic infrastructures, funerary performance, spectacles at court, and the everyday display of authority through clothing and fashion. This title is part of the Flip it Open Programme and may also be available Open Access. Check our website Cambridge Core for details.
Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von Cambridge University Press.

Das Heiligtum des Basileus Kaunios und des Apollon in Kaunos
Die Bauten und ihre Funktionen
von Erkan Kart
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