FB 09: Archivrecherche bei der Deutschen Auswandererbriefsammlung der Forschungsbibliothek Gotha, Deutschland

Geförderter: Kareshan Mayurathan
Fachbereich, Studienrichtung: FB 09, Anglistik/Amerikanistik

Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des Santander Mobilitätsfonds der Universität Münster hatte ich vom 10. bis 17. April 2026 die Möglichkeit, einen Forschungsaufenthalt bei der Deutschen Auswandererbriefsammlung (DABS) der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt zu absolvieren. Dieser Besuch war ein zentraler Baustein für das geplante Projekt meiner Bachelorarbeit im Fach Amerikanistik.

In meiner geplanten Arbeit analysiere ich Franz Kafkas Romanfragment Der Verschollene als literarisches „Gegen-Archiv“ zu historischen Migrationsnarrativen. Da die Forschungsbibliothek Gotha die Deutsche Auswandererbriefsammlung (DABS) beheimatet, bot mir dieser Aufenthalt die wichtige Chance, meine
literaturwissenschaftliche Analyse mit historischen Quellen abzugleichen. Die DABS ist mit mehr als 11.000 Auswandererbriefen die weltweit größte Sammlung von „Ego-Dokumenten“ zwischen deutschen Auswanderer*innen in die USA und ihrer Heimat in Deutschland.

Da sich ein Teil meiner Analyse speziell mit der „Materialität“ befasst, war es unglaublich wertvoll, direkt mit den Originalen zu arbeiten. Ich habe unter anderem physische Haushaltsbücher, familiäre Personalbögen, Kontextmaterial zur Einreiseklärung sowie Briefe mit detaillierten Alltagsbeschreibungen aus der Zeit um 1900 untersucht und einen intimen Einblick in das Leben als Deutsche*r Migrant*in in den USA im 19. und 20. Jahrhundert bekommen können. Über die intensive Quellenarbeit hinaus war auch der Rahmen des Aufenthalts sehr inspirierend. Die Forschungsbibliothek befindet im Schloss Friedenstein, was der Auseinandersetzung mit den historischen Briefen eine ganz besondere Atmosphäre verlieh. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich enorm viel aus meinem ersten Archivaufenthalt mitnehmen konnte. Die Arbeit mit den physischen Briefen hat meiner Analyse die erhoffte Tiefe verliehen und es mir ermöglicht, die Briefe und den Roman in ihren sozio-historischen Kontext einzuordnen.

Diese bereichernde Erfahrung konnte ich direkt im Anschluss teilen: Bereits wenige Tage nach meiner Rückkehr durfte ich die Ergebnisse meines Aufenthalts auf dem „MigraMedia and Gender Symposium“ in Münster einem internationalen Fachpublikum aus Professor*innen und Dozierenden präsentieren. Das Feedback aus dieser Diskussion hilft mir nun dabei, meine Bachelorarbeit weiter zu verfeinern.

Daher danke ich dem Santander Mobilitätsfonds, welche diese prägende Erfahrung für mein Studium und meine akademische Karriere ermöglicht hat.