FB08: Forschungsaufenthalt im Landesarchiv Thüringen, Staatsarchiv Rudolstadt

Antragstellender: Simon Müller
Fachbereich, Studienrichtung: FB 08, Promotion Neuere und Neueste Geschichte

Dank der Förderung des Santander Mobilitätsfonds verbrachte ich im Februar 2026 im Rahmen meines Promotionsprojekts einen einwöchigen Archivaufenthalt im Staatsarchiv Rudolstadt in Thüringen. Ziel des Aufenthalts war es, aufbauend auf einer bereits erfolgten kurzen Erkundungsreise, gezielt Archivmaterial für die empirische Grundlage meiner Dissertation zu erheben und fotografisch zu digitalisieren. Inhaltlich untersucht mein Projekt die Praxis zivilrechtlicher Verfahren in Kleinterritorien des 17. Jahrhunderts und fragt nach der konkreten Nutzung frühneuzeitlicher Gerichte durch Untertaninnen und Untertanen.

Der Aufenthalt begann am Sonntag mit der Anreise aus Münster, sodass ich direkt am Montagmorgen mit der Arbeit im Archiv beginnen konnte. Bereits am ersten Arbeitstag konnte ich mit der systematischen Durchsicht und fotografischen Digitalisierung des Archiv- und Quellenmaterials beginnen. In den folgenden Tagen lag der Schwerpunkt auf der Sichtung, Auswertung und Digitalisierung von Protokollen der beiden landesherrlichen Kanzleigerichte, eines repräsentativen Amtsgerichts und eines kirchlichen Konsistorialgerichts. Die serielle Überlieferung dieser Quellen erwies sich als besonders ergiebig: Innerhalb kurzer Zeit konnten mehrere umfangreiche Protokollbände digitalisiert werden, die jeweils hunderte einzelner Zivilklagen enthalten. Dadurch wurde es möglich, ein belastbares Arbeitssample für quantitative Auswertungen zusammenzustellen. Ergänzend habe ich im Archiv Kanzleiordnungen und Gesetzessammlungen einsehen können, um die normativen Rahmenbedingungen der Verfahren einordnen zu können. Besonders hervorzuheben ist die ausgezeichnete Arbeitsatmosphäre im Lesesaal sowie die fachkundige und stets unterstützende Betreuung durch die Archivmitarbeitenden, die ein zügiges und konzentriertes Arbeiten ermöglichten. Mit der Rückkehr nach Münster verfüge ich nun dank der Förderung über eine tragfähige materielle Arbeitsgrundlage, die es erlaubt, die weitere Datenerhebung und Auswertung unabhängig vom Archiv in Münster fortzuführen.

Erste quantitative und qualitative Auswertungsergebnisse werde ich voraussichtlich im Wintersemester 2026/27 im Kolloquium für die Geschichte der Frühen Neuzeit vorstellen können. Geplant ist außerdem meine ersten Ergebnisse innerhalb von Veranstaltungen des Käte Hamburger Kollegs „Einheit und Vielfalt im Recht“ an der Universität Münster zur Diskussion zu stellen. Der Aufenthalt in Rudolstadt stellt damit einen zentralen Schritt im frühen Stadium meines Promotionsprojekts dar und war inhaltlich von großem Gewinn. Ich bedanke mich daher recht herzlich für die Möglichkeit, die mir der Santander Mobilitätsfonds eröffnen konnte.