„(Un)-Believing in Modern Society“

Studie zu Religiosität und Gesellschaft auf Englisch und Französisch erschienen

Buchcover
© Theologischer Verlag Zürich

Die Studie „Religion und Spiritualität in der Ich-Gesellschaft“, zu deren Autoren die katholische Theologin Prof. Dr. Judith Könemann vom Exzellenzcluster und Dr. Michael Krüggeler vom Centrum für Religion und Moderne (CRM) gehören, liegt nun auch in englischer und französischer Sprache vor. Sie untersucht und kommentiert eine vom Schweizerischen Nationalfonds durchgeführte Erhebung zur Religion und Spiritualität in der Schweiz. Die englische Version „(Un)-Believing in Modern Society“ ist im Verlag Ashgate Publishing erschienen, der französischsprachige Band „Religion et spiritualité à l’ère de l’ego“ im Verlag „Labor et fides“ in Genf. Die Autoren vertreten die These, dass sich die Religiosität in der Gesellschaft mit Hilfe von vier „Typen“ oder „Gestalten des (Un-)Glaubens“ charakterisieren lässt: Institutionelle, Alternative, Distanzierte und Säkulare.

Der Untersuchung waren vergleichbare Studien seit 1989 vorangegangen, deren erste unter dem Titel „Jede/r ein Sonderfall“ stark beachtet wurde. Die neueste Studie weist auf einen Umbruch in der Religionslandschaft hin, wie Prof. Könemann darlegt. „Der Übergang zur Ich-Gesellschaft hat auch die Wahrnehmung von Religionen, insbesondere des Christentums in Westeuropa tiefgreifend verändert. Was mit der Aufklärung und der auf sie folgenden Religionskritik schon vorgespurt wurde, erreicht nun in radikalisierter Form die breite Masse der Bevölkerung.“

Prof. Dr. Judith Könemann
© Privat

Regime der Ich-Gesellschaft

„Während noch bis in die 1950er Jahre von der Schweiz als ,christlichem Land‘ gesprochen werden konnte und die Konfessionsdifferenzen ein wichtiger sozialer Marker waren, der die Wahrnehmung der Menschen stark beeinflusste, wird Religion im neuen Regime der Ich-Gesellschaft von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in ganz neuer Weise betrachtet“, so die Wissenschaftlerin. Religion unterstehe aus dieser Sicht eher dem Primat der Gesellschaft und des Individuums und habe weniger eigene Ansprüche zu stellen, sondern müsse der Gesellschaft und dem Individuum dienen. „Falls Religionen dies nicht tun oder gar schädliche Auswirkungen zeigen, zum Beispiel zu Extremismus, Fanatismus und Intoleranz neigen, werden sie abgelehnt“, unterstreicht Prof. Könemann. Diese Bewertung von Religion fordere die Kirchen heraus.

Leiter der im Rahmen des Schweizerischen Nationalfondsprojekts 58 „Religionen, Staat und Gesellschaft“ durchgeführten Untersuchung war der Religionssoziologe Prof. Dr. Jörg Stolz von der Universität Lausanne. Zu den Autoren gehören neben Judith Könemann und Michael Krüggeler die Religionssoziologen Dr. Mallory Schneuwly Purdie und Thomas Englberger von der schweizerischen Universität Lausanne. Prof. Könemann leitet am Exzellenzcluster das Forschungsprojekt C2-5 „Freie kirchliche Schulen als organisierte Handlungsträger im Spannungsfeld von kirchlicher Eigenlogik, gesellschaftlichem Bildungsdiskurs und staatlicher Bildungspolitik“. (mit/vvm)

Hinweise:

Stolz, Jörg/ Könemann, Judith/ Schneuwly Purdie, Mallory/ Englberger, Thomas/ Krüggeler, Michael: (Un)Believing in Modern Society. Religion, Spirituality, and Religious-Secular Competition, New York: Ashgate Publishing 2016, 310 Seiten, ISBN 978-1-4724-6128-5.

Stolz, Jörg/ Könemann, Judith/ Schneuwly Purdie, Mallory/ Englberger, Thomas/ Krüggeler, Michael: Religion et spiritualité à l’ère de l’ego. Profils de l'institutionnel, de l'alternatif, du distancié et du séculier, Genf: Labor et fides 2015, 320 Seiten, ISBN: 978-2-8309-1566-2.