„Europa gibt es doch…“

Sammelband von Martina Wagner-Egelhaaf über literarische Krisendiskurse

Buchcover
© Verlag Wilhelm Fink

Mit literarischen Krisendiskursen über Europa befasst sich der neue Sammelband „Europa gibt es doch…“, den die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ mit dem Münsteraner Anglisten PD Dr. Florian Kläger herausgegeben hat. „Europa ist in der Krise, aber wann war es das nicht“, fragen die Herausgeber. „Die Beiträge des Bandes untersuchen die Rolle der Literatur bei der Imagination und Figuration Europas als Produkt von und Lösung für Krisen.“

Seit Ovid in den Metamorphosen vom Raub der phönizischen Königstochter Europa durch den als Stier getarnten Zeus erzählte, habe der europäische Kontinent einen krisenhaften literarischen Gründungsmythos, erläutern die Wissenschaftler. „Vom Rolandslied bis zum politischen Essay über den Kiewer Maidan, von der Bühne Shakespeares bis zum spanischen Gegenwartstheater: Europa werde seither von der Krise her gedacht.“

Rolandslied und Böhmen am Meer

Vor dem Hintergrund historischer und aktueller ökonomischer, politischer, religiöser und militärischer Krisen diskutiert der fächerübergreifende Band in 14 Beiträgen die Rolle der Literatur als Reflexionsmedium für die Konstruktion der kulturellen wie der politischen Idee von Europa. Mitherausgeberin Prof. Wagner-Egelhaaf untersucht in ihrem Beitrag „Böhmen am Meer“ die Frage nach Krisenfigur und literarischem Topos. Die Ikonologie im Rolandslied steht im Mittelpunkt des Beitrags „Bedrohte Christenheit“ des Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Bruno Quast vom Exzellenzcluster. Der Sammelband trägt den Untertitel „Krisendiskurse im Blick der Literatur“ und ist im Verlag Wilhelm Fink erschienen. (Verlag Wilhelm Fink/ ska/vvm)

Hinweis: Kläger, Florian / Wagner-Egelhaaf, Martina (Hgg.): Europa gibt es doch ... Krisendiskurse im Blick der Literatur, Paderborn: Verlag Wilhelm Fink 2016, 290 Seiten, ISBN 978-3-7705-5925-1, 32,90 Euro.

Inhaltsverzeichnis

Florian Kläger und Martina Wagner-Egelhaaf
Einleitung

Juri Andruchowytsch
Der Preis der Werte, oder Unsere Dissonanzen

Bruno Quast
Bedrohte Christenheit. Über Ikonologie im Rolandslied
des Pfaffen Konrad

Ursula Hennigfeld
Europäische Gründungsmythen in der petrarkistischen Ruinenlyrik
der frühneuzeitlichen Romania

Paul Michael Lützeler
Die Schriftsteller und das europäische Projekt. Institutionalistische und
kulturalistische Beiträge aus Frankreich und Deutschland

Florian Kläger
Die Grenzen der Zivilisation. Räumliche und historische Verortungen
englischer und europäischer Identität in der frühen Neuzeit

Klaus Stierstorfer
Brückenkopf Britannien. Zur Europa-Sehnsucht anglophiler Modernisten

Alfred Sproede
Notizen zur Krisengeschichte der Ukraine und zu den Europa-Affinitäten
ihrer Rechtskultur. Der Jurist Stanislav Dnistrjans’kyj (1870-1935) im
geschichtlichen und gegenwärtigen Kontext

Lut Missine
Flame sein, um Europäer zu werden. Europa als Wegweiser und Anker
in der Krise

Benjamin Biebuyck
Interkulturalität und Krise. Erlebtes Europa bei Thomas Mann und
Annette Kolb

Cornelia Blasberg
Verloren und rekonstruiert. ‚Europa‘ in den Exilschriften von
Erich Auerbach und Ernst Robert Curtius

Cerstin Bauer-Funke
Der Raub der Europa in Max Aubs Exildrama El rapto de Europa o siempre
se puede hacer algo (1945) – Mythenbearbeitung als Krisendiskurs

Gabriele Clemens
Das filmische Narrativ von Europa

Martina Wagner-Egelhaaf
Böhmen am Meer. Krisenfigur und literarischer Topos