„Entscheiden ist nicht selbstverständlich“

Barbara Stollberg-Rilinger leitet neuen Sonderforschungsbereich „Kulturen des Entscheidens“

Pressemitteilung der WWU Münster vom 26. Mai 2015

News Sfb Kulturen Des Entscheidens

Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger

© Richard Rilinger

Entschieden wurde doch immer irgendetwas in der Geschichte der Menschheit, meint man vielleicht. Ja, aber „Entscheiden ist nicht selbstverständlich“, sagt die Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Genau erforschen will sie unterschiedliche „Kulturen des Entscheidens“ künftig im gleichnamigen, neu bewilligten Sonderforschungsbereich (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Involviert in das interdisziplinäre Vorhaben, für das die DFG gut 9,5 Millionen Euro zur Verfügung stellt, sind neben Historikerinnen und Historikern unter anderem WWU-Expertinnen und Experten aus Philosophie und Ethnologie, Byzantinistik und Judaistik, Literatur- und Rechtswissenschaft. Unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des SFB sind auch zahlreiche Mitglieder des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. Der Antrag für den neuen Forschungsverbund ist teilweise aus der langjährigen Zusammenarbeit am Exzellenzcluster hervorgegangen.

Ziel der Forschungen sei es unter anderem, „die Illusion vom allgegenwärtigen rationalen Entscheiden zu entzaubern“, erläutert die Trägerin des renommierten Leibniz-Preises, die den Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der WWU innehat. So soll die soziale Praxis des Entscheidens in historisch vergleichender und interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis zur Gegenwart untersucht werden. „Entscheiden“ wird hierbei als eine besondere Form des sozialen Handelns verstanden, das dazu dient, Komplexität zu bewältigen, und je nach kulturellem Kontext unterschiedlich gerahmt, modelliert und inszeniert wird. Der SFB-Verbund untersucht dies anhand von politischen, religiösen und gerichtlichen Entscheidungen ebenso wie anhand von Autobiografien und öffentlichen Debatten über Entscheidungsprozesse.

Die DFG richtet insgesamt 13 neue SFB ein, die ab 1. Juli für zunächst vier Jahre gefördert werden. (upm/han)