Jenseits der Moderne?

Neuer Band über die Siebziger Jahre aus deutsch-italienischer Perspektive

Buchcover

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© Duncker & Humblot

Mit den Siebziger Jahren und einem möglichen Ende der Moderne beschäftigt sich ein neuer Sammelband aus dem Exzellenzcluster. „Schon seit geraumer Zeit beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft mit der Zeit seit den 1970er Jahren und erschließt sich somit die jüngste Vergangenheit“, erläutern die Historiker Prof. Dr. Thomas Großbölting und Dr. Massimiliano Livi vom Forschungsverbund, die das Buch gemeinsam mit ihrem italienischen Fachkollegen Prof. Dr. Carlo Spagnolo von der Universität Bari herausgegeben haben. Daraus ergeben sich Prof. Großbölting und Livi zufolge neue Untersuchungsperspektiven, aber auch „vielfältige heuristische Herausforderungen“. Unter dem Titel „Jenseits der Moderne? Die Siebziger Jahre als Gegenstand der deutschen und der italienischen Geschichtswissenschaft“ ist das Buch im Verlag Duncker & Humblot als Teil der Reihe „Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient“ erschienen.

Zentrale Beobachtungskategorien wie „Individualisierung“, „Pluralisierung“ und „Entnormativierung“ seien stark durch die zeitgenössische sozialwissenschaftliche Prägung der Begriffe beeinflusst, so die Herausgeber. Die Autoren des Bandes untersuchen, wie sich diese und andere Vokabeln der Selbstbeobachtung historisieren lassen und ob die historische Forschung darüber hinaus ein erweitertes Instrumentarium zur Erforschung dieser Jahrzehnte benötigt. Nicht zuletzt erörtern die Wissenschaftler, ob die zu beobachtenden Veränderungen auf eine Zäsur hindeuten, die es erlaubt, die „Moderne“ abzuschließen und von einer „Nachmoderne“ zu sprechen. „Diese und andere Fragen greifen italienische und deutsche Historiker und Sozialwissenschaftler auf und versuchen mit empirischen und theoretisch-methodischen Beiträgen, die Debatte zu befruchten“, so die Historiker.

Das Buch fasst Ergebnisse einer deutsch-italienischen Tagung des Exzellenzclusters im Jahr 2011 in der Villa Vigoni im italienischen Como zusammen und entwickelt die wissenschaftlichen Erträge weiter. Buch und Tagung sind aus den Forschungsprojekten der beiden Mitherausgeber in der ersten Förderphase des Exzellenzclusters bis 2012 hervorgegangen. Prof. Großbölting leitete das Projekt C22 Transzendente Sinnstiftung und religiöse Vergemeinschaftung im nachmodernen Europa, Dr. Livi leitete das Projekt A13 Politische Moderne und Katholische Kirche in der „ersten Republik“ Italiens: Die politische und kulturelle Debatte um die Novellierung des Konkordates. (Duncker & Humblot/mit/han)

Inhaltsverzeichnis

  • Thomas Großbölting, Massimiliano Livi und Carlo Spagnolo: Einleitung
  • 1. Teil: Interpretationskategorien
  • Carlo Spagnolo: Die Postmoderne als historiographischer Begriff. Beobachtungen zum Übergang in das Schuldenzeitalter
  • Paolo Pombeni: Moderne/Postmoderne. Überlegungen zu einer Debatte am Beispiel der politischen Geschichte der jüngsten Vergangenheit
  • Paolo Jedlowski: Die Moderne in vielen Formen
  • Lutz Raphael: Das Konzept der »Moderne«. Neue Vergleichsperspektiven für die deutsch-italienische Zeitgeschichte?
  • Detlef Siegfried: Ist jeder seines Glückes Schmied? Die Historisierung des Individualisierungsparadigmas
  • Frank Bösch: Grenzen der Individualisierung. Soziale Einpassungen und Pluralisierungen in den 1970/80er Jahren
  • Thomas Großbölting: Vom sozialwissenschaftlichen Postulat zur historischen Erforschung des »Wertewandels«. Ein Versuch am Beispiel von Familienwerten und Religion
  • 2. Teil: Untersuchungen zum Wertewandel
  • Giovanni Bernardini: Die Modernisierung als »höchstes Stadium« der Moderne? Entwicklung und Krise der sozialdemokratischen Ideologie nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1973)
  • Nicolai Hannig: Erforschungen des Gefährlichen. Zur Versicherheitlichung der Natur in den 1970er Jahren
  • Fiammetta Balestracci: Politische Macht und soziale Norm im Italien der 1960er und 1970er Jahre
  • Massimiliano Livi: Die Stämme der Sehnsucht: Individualisierung und politische Krise im Italien der 1970er Jahre
  • Roberta Sassatelli: Konsum und neue kommerzielle Strukturen der Individualisierung. Das moderne Fitnessverständnis
  • Olga Sparschuh: Konsumverhalten und Wertvorstellungen italienischer Arbeitsmigranten in Turin und München
  • Massimiliano Livi: Moderne und Postmoderne: Eine thematische Bibliographie
  • Namensregister
  • Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

Hinweis: Großbölting, Thomas/ Livi, Massimiliano/ Spagnolo, Carlo (Hgg.): Jenseits der Moderne? Die Siebziger Jahre als Gegenstand der deutschen und der italienischen Geschichtswissenschaft (Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient, Bd. 27), Berlin: Duncker & Humblot 2014, 309 Seiten, ISBN: 978-3-428-14451-8, 44,90 Euro.

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