Warum Weihnachten und Chanukka 2014 nah beieinander liegen

Liturgiewissenschaftler Clemens Leonhard zur Geschichte des jüdischen und des christlichen Festes

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Prof. Dr. Clemens Leonhard

© Julia Holtkötter

Über die Geschichte des jüdischen Chanukka und der christlichen Weihnacht, die 2014 erstmals seit 1976 zeitlich zusammenfallen, schreibt Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Clemens Leonhard vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster in einer „Ansichtssache“ auf der Website www.religion-und-politik.de des Forschungsverbunds. Der letzte Tag des achttägigen Chanukkafestes fällt auf den 24. Dezember. Damit steht Heiligabend genau am Schluss des jüdischen Lichterfestes. Welcher historische Zusammenhang zwischen den großen Feste der beiden monotheistischen Religionen besteht, ob Juden und Christen in diesem Jahr „Weihnukka“ feiern können und ob das Christentum eigentlich das Copyright auf das Weihnachtsfest abgegeben hat, erörtert der Theologe auch in Interviews mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Frankfurter Rundschau und dem Kölner Stadtanzeiger. (vvm)

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Anfuehrungszeichen

Für Juden und Christen lässt sich in diesem Jahr so problemlos „Weihnukka“ feiern wie selten. Denn die beiden Feste, die das Kunstwort miteinander vereint, fallen im Dezember 2014 erstmals seit langem zeitlich zusammen: Chanukka und Weihnachten, das Lichterfest der Juden und das der Christen werden zeitgleich begangen. Der letzte Tag des achttägigen Chanukkafestes fällt auf den 24. Dezember. Damit steht Heiligabend genau am Schluss von Chanukka. Doch haben die großen Feste der beiden monotheistischen Religionen etwas gemeinsam, außer dass die Feiernden gern Kerzen anzünden? Geht das Weihnachtsfest der Christen, deren Religion aus dem Judentum des ersten Jahrhunderts nach Christus hervorging, auf das jüdische Chanukka zurück? Oder haben beide einen gemeinsamen Ursprung? Handelt es sich gar im Kern um ein und dasselbe Fest? Es kommt darauf an, wen man fragt.

Blättern wir in den Geschichtsbüchern und befragen zum Beispiel einen Römer aus dem späten vierten oder fünften Jahrhundert nach Christus über Weihnachten. „Freilich ist“, wie er sagen wird, „der 25. Dezember der Geburtstag Christi“. Das steht bereits im offiziellen Kalender. Der Römer  wird sich auch noch daran erinnern, dass erst ein Jahrhundert zuvor der Kult des Sonnengottes in Rom in Mode gekommen war und von offizieller Seite reichlich gefördert und um diese Jahreszeit auch zu einem Fest am kürzesten Tag des Jahres gebündelt wurde. Den Sonnengott „Sol invictus“ in der Winterzeit zu feiern, war insofern sinnvoll, als man ab dem Tag der Sommersonnenwende nach damaliger Vorstellung den Eindruck haben konnte, der Sonnengott verlöre langsam an Kraft: Die Tage werden kürzer und kürzer. Ende Dezember fällt der Wendepunkt und ab dem Tag der Wintersonnenwende steigt die Wirkung der Sonne wieder.

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