Jüdische Geschichte in Westfalen und Lippe

Neuer Band mit Beteiligung des Historikers Werner Freitag erschienen

Buchcover „Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“

Buchcover

© Ardey Verlag

Mit jüdischer Geschichte in Westfalen und Lippe beschäftigt sich ein neuer Band mit Beteiligung von Historiker Prof. Dr. Werner Freitag vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Was hat der bekannte jüdische Kunsthändler Alfred Flechtheim mit dem westfälischen Städtchen Brakel zu tun? Wie nannte sich seine Familie vor 1808, als Napoleon auch den Juden in Westfalen feste Familiennamen vorschrieb? Und welche Berufe blieben den Flechtheims im 18. und 19. Jahrhundert aufgrund ihrer Religion verwehrt? Diese und andere Fragen beantworten die Autoren des vierbändigen „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“, dessen dritter Band nun erschienen ist. Herausgeber sind das Institut für vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und die Historische Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Mehr als 140 Autoren werteten staatliche Statistiken, jüdische Zeitungen oder innerjüdisches Verwaltungsschriftgut aus, um Ereignisse und Familiengeschichten für die drei Regierungsbezirke Münster, Detmold und Arnsberg zu erfassen. Das Handbuch gibt so einen Überblick über alle jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – von der ersten Erwähnung im Mittelalter über die flächendeckende Auslöschung jüdischen Lebens im Holocaust bis zu den Neuanfängen nach 1945.

„Mit der Darstellung der Gleichgewichtigkeit aller Perioden jüdischer Geschichte wird deutlich, wie selbstverständlich das Miteinander von Juden und Christen in vielen Städten Westfalens war. Dies tritt vor dem Hintergrund des Holocaust häufig in den Hintergrund“, sagt Prof. Freitag vom Institut für vergleichende Städtegeschichte der WWU zu dem Buchprojekt. „Die Publikation erinnert nicht nur an das grauenvolle Ende jüdischen Lebens im nationalsozialistischen Deutschland, sondern stellt die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte – auch sie nicht immer unproblematisch – dar und lenkt den Blick auch auf den Neubeginn jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945“, fügt Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen, hinzu.

Der nun erschienene Band „Grundlagen – Ergebnisse – Perspektiven“ fasst die zentralen Einzelergebnisse der Teilbände zusammen und veranschaulicht diese differenziert in verschiedenen Karten. Damit sollen eine Zwischenbilanz zur bisherigen Forschung vorgelegt und weiterführende Fragen für künftige Untersuchungen aufgeworfen werden. (upm/han)


Hinweis: Institut für vergleichende Städtegeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Historische Kommission für Westfalen (Hg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Grundlagen – Erträge – Perspektiven, Münster: Ardey Verlag, 2013, ISBN 978-3-87023-285-6, 416 Seiten, 66 Euro.

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