Ein Stück Stoff als Herrschaftszeichen

Neuer Sammelband untersucht Diademe als Machtinsignien hellenistischer Könige

Buchcover „Das Diadem der hellenistischen Herrscher“

Buchcover

© Habelt-Verlag Bonn

Mit dem Diadem als Machtinsignie hellenistischer Könige von Sizilien bis zum Hindukusch befasst sich ein neuer Band aus dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Die Autoren aus verschiedenen Altertumswissenschaften untersuchen in dem reich bebilderten Buch, wie die Kopfbinde, ein einfaches Stoffband von geringem Materialwert, zum Ausdrucksmittel hellenistischer Königsherrschaft werden konnte. Das von den Archäologen Prof. Dr. Dieter Salzmann, Prof. Dr. Achim Lichtenberger, Dr. Heinz-Helge Nieswandt und Katharina Martin herausgegebene Buch nimmt den Zeitraum vom Ende des 4. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus in den Blick.

Unter dem Titel „Das Diadem der hellenistischen Herrscher“ trägt der Band die Ergebnisse einer gleichnamigen Tagung am Exzellenzcluster zusammen. Die Herausgeber hatten das Symposium im Rahmen ihres Cluster-Projekts B1 „Religion und Politik im ältesten Massenmedium der Menschheit – Königliche Münzbilder von der iberischen Halbinsel bis zum Hindukusch“ organisiert.

Die Autoren legen in dem Buch dar, welche Tragweise und Verwendung Kopfbinden als religiöse Unterscheidungsmerkmale – etwa als Götter- oder Heroenbinde – innehatten. Im Fokus steht auch, inwiefern sie auch als Ausdrucksmittel monarchischer Repräsentation in den verschiedenen von Alexander dem Großen eroberten Kulturräumen wie Griechenland, dem Vorderen Orient und Ägypten als mögliche Vorbilder für die hellenistische Königsinsignie dienten.

Mehrdeutige Lesbarkeit

Die Analysen der Forscher zeigen, dass monokausale Erklärungen dem hellenistischen Diadem nicht gerecht werden. So handele es sich weder um eine lineare Übernahme eines älteren Vorbildes noch um eine vollständige Neuschöpfung. Zwar sei die griechische Siegerbinde Vorbild für das königliche Diadem; dass es aber nicht bei der ursprünglichen Bedeutung von Sieghaftigkeit blieb, sondern sich eine mehrdeutige Lesbarkeit entwickelte, erklärt nach Einschätzung der Autoren den Siegeszug des Diadems als Herrscherattribut in der gesamten hellenistischen Welt.

So wurde die Kopfbinde in allen von Alexander eroberten Kulturkreisen den Forschern zufolge positiv betrachtet, weil sie verschiedene Assoziationen wie Sieghaftigkeit, Göttlichkeit oder den Ausdruck von Macht ermöglicht habe und damit als Herrschaftszeichen allgemein akzeptiert werden konnte. Das Diadem entwickelte sich mehr und mehr zu einem Kennzeichen, das ausschließlich Könige trugen. Dies ging den Studien zufolge so weit, dass der Begriff schließlich als Synonym für Königtum benutzt wurde. (han/vvm)


Hinweis: Achim Lichtenberger, Katharina Martin, Heinz-Helge Nieswandt und Dieter Salzmann (Hgg.): Das Diadem der hellenistischen Herrscher. Übernahme, Transformation oder Neuschöpfung eines Herrschaftszeichens?, Bonn: Habelt-Verlag, 2012, ISBN 978-3-7749-3671-3, 468 Seiten, 95,00 Euro.