"Erneuerungsimpulse werden von Europa ausgehen“

Bundesweit einmaliger internationaler Austausch christlicher und muslimischer Theologen in Münster

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Münsters Bischof Dr. Felix Genn (vorne 3. v. r.),  Botschafter Dr. Heinrich Kreft (oben 1. v. r.), Prof. Dr. Stefan Leder (vorne 2. v. r.), Prof. Dr. Mahmoud Azab (vorne 5. v. l.), Prof. Dr. Johannes Schnocks (vorne 4. v. l.), Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (vorne 3. v. l.), Prof. Dr. Gerd Althoff (vorne 1. v. r.).

© ska

Zum bundesweit einmaligen internationalen Projekt „Theologie Interreligiös“ sind am Wochenende in Münster muslimische und christliche Theologen aus dem In- und Ausland zusammengekommen. „Impulse zur Erneuerung und Wiederbelebung des Islams werden künftig von Europa ausgehen“, sagte der Leiter des Dialog-Zentrums der Al-Azhar Universität in Kairo, Prof. Dr. Mahmoud Azab, zur feierlichen Eröffnung der Tagung an der Uni Münster. Dort hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Dienstag das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) eröffnet, das am Projekt beteiligt ist. Ziel sei es, so Prof. Azab, den Dialog zwischen den Religionen zu reformieren. „Das Christentum und der Islam teilen grundlegende Werte wie Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.“

Der Initiator des Projektes „Theologie Interreligiös“ und Direktor des Orient Instituts Beirut, Arabist Prof. Dr. Stefan Leder, unterstrich: „Die intensive Verständigung christlicher und muslimischer Theologen aus aller Welt soll zur Lösung religiös geprägter Konflikte, etwa im Nahen Osten, beitragen.“ Das Vorhaben sei komplex, weil die beteiligten Fächer durch unterschiedliche Sprachen und Fachbegriffe geprägt seien. Zudem bestünden schon innerhalb der Religionen Strömungen von konservativ bis innovativ.

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Prof. Dr. Mouhanad Khorchide

© upm/ Grewer

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erinnerte in seinem Grußwort an das Zweite Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren ebenfalls das Verbindende von Islam und Christentum gesucht habe. Diese Haltung folge aus der Einsicht, „dass es uns jeweils um den einen, denselben und einzigen Gott geht. Diese Einsicht trägt uns auch heute noch und fordert uns heraus, sie ins Bewusstsein zu heben, und allen Juden, Christen und Muslimen zugänglich zu machen.“

Der muslimische Theologe und ZIT-Leiter Prof. Dr. Mouhanad Khorchide erklärte: „Die Erwartungen unserer Kooperationspartner in Ägypten und anderen Ländern zeigen, wie viel Verantwortung die islamische Theologie in Deutschland auch international trägt.“ Der katholische Theologe Prof. Dr. Johannes Schnocks fügte hinzu, „nachdem sich die Islam-Theologie auch hier etabliert, wollen wir als muslimische, katholische und evangelische Theologen systematisch die Grundlagen von Christentum und Islam erforschen.“

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Prof. Dr. Johannes Schnocks

© Julia Holtkötter

Bei dem Theologen-Projekt, das vollständig „Episteme der Theologie interreligiös“ heißt, handelt es sich um den in Deutschland ersten systematischen und dauerhaft angelegten Austausch christlicher und muslimischer Theologen aus dem In- und Ausland. Der Beauftragte des Auswärtigen Amtes für den Dialog zwischen den Kulturen, Botschafter Dr. Heinrich Kreft, betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit einer interkulturellen und interreligiösen Zusammenarbeit. Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Vorstand des Exzellenzclusters wünschte den Beteiligten des „großen und bewundernswerten Vorhabens“ viel Beharrungskraft, da der interdisziplinäre Austausch nicht immer leicht sei. Auch am Exzellenzcluster hätten die Vertreter von 20 Fächern erst lernen müssen, aufeinander zuzugehen.

Prof. Khorchide und Prof. Schnocks vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster richten die dritte Tagung von „Theologie Interreligiös“ zum Thema „Ethik und Recht“ aus. In seinem Festvortrag sprach der Bonner Philosoph und katholische Theologe Prof. Dr. Ludger Honnefelder über „Religion und Ethik angesichts der globalen Herausforderungen“.

Kooperationspartner des Theologen-Projektes sind das renommierte Orient-Institut Beirut, die geistliche Leitung der Al-Azhar Universität Kairo – die größte theologische Ausbildungsstätte des sunnitischen Islams – die Stiftung Leucorea in Wittenberg und eine interkonfessionelle Gruppe aus Theologen der Universitäten Münster, Halle, Paderborn und Mainz. Die nächste Konferenz befasst sich im Mai 2013 in Beirut mit „Glaubenslehre und Erfahrung“. 2011 ging es in Wittenberg um „Schrift, Tradition und Dogma“, 2012 in Kairo um „Offenbarung und Religion“. (vvm/ska)