Zwei Leibniz-Preise gehen nach Münster

Wichtigster deutscher Forschungsförderpreis für Islamwissenschaftler Thomas Bauer

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Prof. Dr. Thomas Bauer

© Julia Holtkötter

Arabist Prof. Dr. Thomas Bauer vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wird mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Es handelt sich um den wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland. Die Auszeichnung ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Das gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bekannt. Durch den Preis zeichnet die DFG hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende Leistungen aus. Die insgesamt elf Leibniz-Preise 2013 werden am 19. März in Berlin verliehen.

Für die WWU handelt es sich um einen doppelten Erfolg: Auch Chemiker Prof. Dr. Frank Glorius erhielt die angesehene Auszeichnung. „Gleich zwei Leibniz-Preise in einem Jahr: Wir alle sind glücklich, wir alle freuen uns mit den beiden Preisträgern über diesen großartigen Erfolg“, betonte WWU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles. „Die Preise fügen sich hervorragend in das Forschungsprofil der Universität Münster ein: Prof. Bauer ist einer der herausragenden Wissenschaftler unseres geisteswissenschaftlichen Exzellenzclusters ,Religion und Politik‘ – und nicht zuletzt dank der Arbeit von Prof. Glorius ist der Fachbereich Chemie der WWU im weltweiten Vergleich in diesem Jahr bis auf Platz 48 vorgerückt.“

Der Islamwissenschaftler Thomas Bauer verbinde „auf vielleicht weltweit einmalige Weise die philologische Interpretation und Edition von Texten mit einem ebenso breiten wie innovativen kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Ansatz“, begründet die DFG die Entscheidung. Er werde beispielsweise mit seinen Forschungen zur arabischen Dichtung identifiziert, die „grundlegend neue Erkenntnisse zur Kultur und Mentalität der vormodernen arabisch-islamischen Welt erbrachten“. Seine Studien zur Literatur der Mamluken- und Osmanenzeit bezeichnet die DFG als „bahnbrechend“. Thomas Bauer werde zudem mit der (Wieder-)Entdeckung des Islam als einer "Kultur der Ambiguität" verbunden.

Den Chemiker Frank Glorius stuft die DFG als einen der „weltweit bedeutendsten Experten“ in der Organischen Katalyseforschung ein. Dies gelte speziell für die schwierige Aktivierung von C-H-Bindungen. Mit diesen könnten gezielt Bindungen zwischen Kohlenstoffatomen erzeugt werden, was für den Aufbau komplexer organischer Moleküle essenziell sei. Auch seine Forschungen zur Verwendung der sogenannten "N-heterozyklischen Carbenliganden" in der Organokatalyse wiesen Frank Glorius als absolute Ausnahmeerscheinung auf seinem Gebiet aus. Die DFG betont, Frank Glorius habe „bereits jetzt Bahnbrechendes geleistet", dürfte "den Höhepunkt seiner Produktivität aber sogar noch vor sich haben“.

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Thomas Bauer

Prof. Dr. Thomas Bauer ist Mitglied des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der WWU und "Fellow" am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Erst vor wenigen Monaten wurde er zum Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ernannt. Seit 2000 ist er Professor für Islamwissenschaft und Arabistik an der WWU, von 2002 bis 2005 war er dort Direktor des Centrums für Religiöse Studien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind Kultur- und Mentalitätsgeschichte der arabisch-islamischen Welt sowie die klassische arabische Literatur. Seine Forschungsergebnisse wurden auch einem breiteren Publikum bekannt. So berichteten viele Medien im vergangenen Jahr über sein Buch "Eine andere Geschichte des Islam", in dem er mehr als 1000 Jahre arabisch-islamischer Kulturgeschichte beleuchtet. Darin kommt Thomas Bauer zu dem Schluss, dass der Islam über Jahrhunderte wesentlich toleranter gegenüber unterschiedlichen Werten und Wahrheitsansprüchen war, als Menschen in westlichen Ländern im Allgemeinen vermuten. Der Ruf des Islam, erklärte der Experte, sei im Westen seit den Kreuzzügen nie so schlecht gewesen wie heute.

Thomas Bauer promovierte 1989 an der Universität Erlangen-Nürnberg. Nach einer Station an der Universität Heidelberg kehrte er an die Uni Erlangen-Nürnberg zurück, wo er sich 1997 habilitierte.

Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis

Der Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG vergeben. Er zeichnet herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre Forschungen auf allen Gebieten der Wissenschaft aus. Sie erhalten mit dem Preis in der Regel jeweils 2,5 Millionen Euro, die sie laut DFG sie in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit ausgeben können. Bislang wurden 324 Wissenschaftler mit dem Preis ausgezeichnet, der auch weltweit als einer der wichtigsten Wissenschaftspreise gilt. Sechs Wissenschaftler erhielten nach dem Leibniz-Preis auch den Nobelpreis.

Insgesamt forschen und lehren nun zehn Leibniz-Preisträger an der WWU: Neben Prof. Dr. Thomas Bauer und Prof. Dr. Frank Glorius sind dies Prof. Dr. Burkhard Wilking (Mathematik, 2009), Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (Geschichte, 2005), Prof. Dr. Hubert Wolf (Theologie, 2003), Prof. Dr. Dr. h. c. Joachim Cuntz (Mathematik, 1999), Prof. Dr. Hans-Christian Pape (Medizin, 1999), Prof. Dr. Dietmar Vestweber (Zellbiologie, 1998), Prof. Dr. Christopher Deninger (Mathematik, 1992) und Prof. Dr. Peter Schneider (Mathematik, 1992). (upm/ska)