„Tunesien als islamische Demokratie?“

Neues Buch von Islamwissenschaftler Preuschaft über die Zeit nach der arabischen Revolution

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Menno Preuschaft

Mit der jüngsten Verabschiedung einer Übergangsverfassung in Tunesien und der Wahl von Moncef Marzoukis zum Übergangspräsidenten hat das Land nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers Menno Preuschaft bereits erste bedeutende Schritte in Richtung Demokratie getan, andere Herausforderungen gelte es aber noch zu bewältigen. „Vor allem die Ausarbeitung einer permanenten Verfassung bleibt eine Aufgabe, vor der die Tunesier weiterhin stehen“, sagt Preuschaft. Der Doktorand des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der WWU Münster hat gerade das Buch „Tunesien als islamische Demokratie?“ im Waxmann Verlag Münster veröffentlicht. Es beschreibt die Haltung des islamistischen Politikers und politisch-religiösen Denkers Rashid al-Ghannoushi zu Demokratie und Bürgerrechten. Er war im Frühjahr nach 22 Jahren als Oppositionspolitiker im Exil nach Tunesien zurückgekehrt und leitet die islamistische an-Nahda-Partei.

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Buchcover „Tunesien als islamische Demokratie?“

© Waxmann Verlag

„Die islamistische an-Nahda-Partei, die im Oktober bei der Wahl zum verfassungsgebenden Rat mehr als 40 Prozent der Stimmen erhielt, wird auf die Gestaltung der jungen tunesischen Demokratie maßgeblichen Einfluss nehmen“, prognostiziert Preuschaft. Sie propagiere unter der Führung Rashid al-Ghannushis das Ideal einer „islamischen Demokratie“. Der geistige Vater der an-Nahda-Partei Tunesiens gelte als liberaler Islamist, der die Einführung einer Demokratie auf der Grundlage islamischer Norm- und Wertvorstellungen argumentativ zu belegen sucht.

In Tunesien hatte der „arabische Umbruch“ im Januar dieses Jahres seinen Anfang genommen. Die Jasmin-Revolution weckte die Hoffnungen vieler Tunesier auf ein demokratisches System in ihrem Land. „Beobachter in Europa und den USA beunruhigt allerdings der Gedanke an erstarkende oder gar regierende Islamisten in dem nordafrikanischen Land“, so Preuschaft. Für sein Buch hat der Islamwissenschaftler Demokratie-, Menschen- und Bürgerrechtskonzeptionen Ghannushis auf mögliche Folgen für die politische Landschaft des Landes hin untersucht. Besonders den Umgang mit Minderheiten sieht der Autor als Nagelprobe für das demokratische Bekenntnis Ghannushis. (bhe)

Hinweis: Menno Preuschaft: Tunesien als islamische Demokratie? Rashid al-Ghannushi und die Zeit nach der Revolution. 2011, Münster, Waxmann Verlag, 124 Seiten, br., 19,90 €, ISBN 978-3-8309-2619-1