Evaluation im Teilprojekt Praxisprojekte in Kooperationsschulen

Im Teilprojekt „Praxisprojekte in Kooperationsschulen“ werden ergänzend zur Gesamtevaluation anhand von quantitativen und qualitativen Verfahren Aussagen zu fachbezogenen und fachprojekteigenen Forschungsfragen generiert. Gemeinsames Ziel der Begleitforschung ist die Überprüfung der Wirksamkeit der in den Fachprojekten „Lesen(d) lernen“,“ProLeGu“, „Karten lesen (k)eine Kunst?“ und „TeMo“ konzipierten und aus einer Theorie- und Praxisphase bestehenden Praxisprojekte auf mehreren Ebenen: Neben der Professionalisierung der Studierenden im Umgang mit einer heterogenitätssensiblen Vermittlung fachspezifischer Lesestrategien wird auch die kooperative Zusammenarbeit mit schulischen Lehrpersonen sowie die Wirksamkeit des Lesestrategietrainings bzgl. des Kompetenzerwerbs der Schüler*innen untersucht.

Deutsch

Ziele
Im Fachprojekt Deutsch werden die hochschulische Lehre zu den Praxisprojekten sowie die Qualität der Praxisphasen in den Kooperationsschulen unter Beteiligung aller Akteur*innen evaluiert, um die Wirksamkeit der Maßnahmen auf allen Ebenen überprüfen und gewährleisten zu können. Im Zentrum stehen die Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden, die Kooperation zwischen Studierenden und schulischen Lehrpersonen sowie die Lesekompetenz der Schüler*innen.

Instrumente
Als Erhebungsinstrumente werden neben Textverständnistests ein Fragebogen mit offenen und skalierten Fragestellungen, leitfadengestützte Interviews, Feedbackrunden und Stundenprotokolle eingesetzt. Ausgewertet werden die Daten quantitativ sowie qualitativ mittels der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2015).
Die Lesekompetenzmessung der Schüler*innen erfolgt mithilfe von standardisierten Tests im Prä-Post-Design unter Hinzuziehung einer Kontrollgruppe.
Ein Fragebogen, der ebenfalls im Prä-Post-Design eingesetzt wird, erfasst mit Items in offenen und geschlossenen Antwortformaten die Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden bzgl. der Vermittlung von Lesestrategien mit heterogenitätssensiblen Lernumgebungen, ihre Kenntnisse im Bereich der Förderung des Textverstehens, ihr Verständnis der Relevanz von Lesestrategien sowie ihre Vorstellungen von Kooperation. Die Evaluation zur Qualität der Kooperation zwischen Studierenden und schulischen Lehrkräften bezüglich Planung und Durchführung der Unterrichtsstunden wird ergänzt durch Stundenprotokolle mit Items in einer dreifach-differenzierten Skalierung sowie einer offenen Fragestellung.
Die Einschätzungen der schulischen Lehrpersonen zur Kooperation werden mittels eines Fragebogens sowie durch leitfadengestützte Interviews und Feedbackrunden erhoben.

Übersicht über die Evaluationsmaßnahmen im Projekt Deutsch
Abbildung 1: Übersicht über die Evaluationsmaßnahmen im Projekt Deutsch.
© DwD

Geschichte

Ziele
In den seminarbegleitenden Evaluationen des Fachprojektes Geschichte stehen die Kenntnisse und Überzeugungen der Studierenden zum Umgang mit Heterogenität im historischen Textverstehen im Fokus der im Prä-Post-Design angelegten und methodisch qualitativ profilierten Evaluationen. Ziel ist es zu zeigen, in welcher Weise sich die Kenntnisse und Überzeugungen im Bereich fachintegrierter Leseförderung durch die reflektierte Praxisphase verändert haben.

Instrumente
Dazu wird ein Fragebogen eingesetzt, der dem im Fachprojekt entworfenen Professionalisierungs- und Kompetenzmodell (ProLeGu) (vgl. Handro & Kilimann, 2019) und den darauf aufbauenden Schwerpunkten des universitären Lehrkonzepts – Diagnosekompetenz, Planungskompetenz und Handlungskompetenz – folgt. Der Fragebogen wird durch halbstrukturierte und leitfadengestützte Einzelinterviews (vgl. Gläser & Laudel, 2010) mit offenen Leitfragen und narrativen Anteilen (vgl. Döring & Bortz, 2016) ergänzt. Die qualitative Datenanalyse erfolgt inhaltsanalytisch-kategorienbildend nach Mayring (2015).

Geographie

Ziele
Das Erkenntnisinteresse der flankierenden, fachdidaktischen Begleitforschung fokussiert im Praxisprojekt Geographie auf die Frage, in welchem (erhöhten) Maße die Studierenden nach Abschluss des Projektseminars befähigt sind, in Bezug auf den fachlichen Gegenstand der Kartenauswertung sowie auf Basis eines diesbezüglich fundierten fachlichen und fachdidaktischen Wissens wirksame Aspekte der Schülerheterogenität in konkreten Planungs- und Vermittlungsprozessen der Kartenauswertungskompetenz zu berücksichtigen. In diesem Kontext gelten die Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden (Baumert & Kunter, 2006) als ein zentraler Indikator.

Instrumente
Die Evaluation basiert auf einer retrospektiven Erfassung der subjektiv-individuellen Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartungen der Studierenden im Seminarverlauf. Die Datengenerierung erfolgt im Rahmen leitfadengestützter und durch einen quantitativen Fragebogen ergänzter Einzelinterviews (Bortz & Döring, 2016), die die Entwicklung der anvisierten Wissensinhalte und Fertigkeiten in Bezug setzt zu den am Lernort Universität vermittelten theoretischen Grundlagen einerseits und der reflektierten schulpraktischen Durchführung andererseits. Die Interwies werden kategoriengenerierend ausgewertet (Mayring, 2015) und durch die Reflexionsberichte und Reflexionsplakate der Studierenden ergänzt.

Mathematik

Ziele
Im Fachprojekt Mathematik wird evaluiert, in welcher Weise sich die Selbstwirksamkeit der Studierenden durch Bewältigungserfahrungen beim Bearbeiten von Modellierungsaufgaben mit Lesestrategien und bei der selbstständigen Durchführung der Unterrichtseinheit zu diesem Thema verändert. Als wichtiger Indikator steht hierbei die Änderung der Einstellung der Studierenden zu selbstdifferenzierenden Aufgaben im Fokus.

Instrumente
Der von den Studierenden zu bearbeitende Fragebogen befragt die Selbstwirksamkeit bezogen auf das Unterrichten von Lesestrategien beim mathematischen Modellieren und die Präferenz für selbstdifferenzierende Aufgaben. Der Fragebogen umfasst eine fünf-stufige Likert-Skala (1=stimmt gar nicht, 5=stimmt genau), welche das Maß der Zustimmung der Studierenden bezüglich der Präferenz für selbstdifferenzierende Aufgaben abbildet. Die Skalen wurden in Anlehnung an die Studien MultiMa (Schukajlow & Krug, 2014), PISA (Kunter et al., 2002) und PALMA (Pekrun et al., 2003) entwickelt. Mit Hilfe der Varianzanalyse (ANOVA) werden die Veränderungen in den Angaben zur Selbstwirksamkeit und Präferenz für selbstdifferenzierende Aufgaben im Vergleich von Seminargruppe und Kontrollgruppe analysiert.

Darstellung der Begleitforschung des Teilprojekts

Die gewonnenen Daten und Ergebnisse der in den Fachprojekten durchgeführten Erhebungen werden in dem gemeinsamen Sammelband des Teilprojekts „Praxisprojekte in Kooperationsschulen. Fachdidaktische Modellierung von Lehrkonzepten zur Förderung strategiebasierten Textverstehens in den Fächern Deutsch, Geographie, Geschichte und Mathematik“ (hrsg. von M. Bönnighausen), der im Januar 2019 im WTM-Verlag (Münster) erscheint, erstmalig detailliert und umfassend dargestellt.

Literatur

Bönnighausen, M. (2019). Praxisprojekte in Kooperationsschulen. Fachdidaktische Modellierung von Lehrkonzepten zur Förderung strategiebasierten Textverstehens in den Fächern Deutsch, Geographie, Geschichte und Mathematik. Münster: WTM-Verlag.

Baumert, J. & Kunter, M. (2006). Stichwort: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 9(4), 469-520.

Gläser, J. & Laudel, G. (2010). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse als Instrumente rekonstruierender Untersuchungen. 4. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Handro, S. & Kilimann, V. (2019). Textverstehen im Geschichtsunterricht. Ein Projekt zur Professionalisierung historischer Leseförderung (ProLeGu). In M. Bönnighausen (Hrsg.), Praxisprojekte in Kooperationsschulen. Fachdidaktische Modellierung von Lehrkonzepten zur Förderung strategiebasierten Textverstehens in den Fächern Deutsch, Geographie, Geschichte und Mathematik (S. 165-222). Münster: WTM-Verlag.

Kunter, M., Schümer, G., Artelt, C., Baumert, J., Klieme, E. & Neubrand, M. (2002). PISA 2000- Dokumentation der Erhebungsinstrumente. Berlin: MPI für Bildungsforschung.

Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Julius Beltz.

Pekrun, R., Jullien, S., Zirngibl, A., Blum, W., Goetz, T., vom Hofe, R. (2003). PALMA Projekt zur Analyse der Leistungsentwicklung in Mathematik: Skalenbuch Erhebungswelle II: Department Psychologie. Universität München.

Schukajlow, S. & Krug, A. (2014). Do multiple solutions matter? Prompting multiple solutions, interest, competence and autonomy. Journal for Research in Mathematics Education, (45)4, 497-533.