Beeinflusst das Autonomiebedürfnis die kindliche prosoziale Motivation?

Worum ging es?

Kinder tun in ihrem Alltag Dinge, die anderen zugutekommen. Zum Beispiel teilen sie mit Gleichaltrigen oder helfen ihren Eltern im Haushalt. Manchmal machen sie das spontan, manchmal auch, weil eine Erwartung besteht oder sie dazu aufgefordert werden.

Bisherige Forschung zeigt, dass Kinder und Erwachsene aus westlichen Ländern weniger helfen oder teilen möchten und auch weniger zufrieden damit sind, wenn dies von ihnen erwartet wird. Laut einer Theorie könnte das etwas damit zu tun haben, wie sehr sie sich durch diese Erwartungen in ihrer Autonomie eingeschränkt fühlen und wie wichtig es ihnen selbst ist, zu helfen und zu teilen.

In diesem Projekt haben wir versucht, das kindliche Autonomiebedürfnis mit einer kindgerechten Aufgabe zu aktivieren. Die Grundannahme ist hierbei, dass jeder Mensch Zugriff auf unterschiedliche Arten zu denken hat, und dass diese je nach Situation unterschiedlich angesprochen werden können.

Was wurde gemacht?

Wir haben 122 Kinder aus Münster im Alter von neun bis elf Jahren in einer Online-Studie untersucht. Sie sahen zunächst ein Kind und zwei Bilder, wobei sie jeweils das Bild auswählen sollten, das besser zu einer Aussage passte. Manche Kinder hörten dabei Aussagen, die das Bedürfnis nach Autonomie aktivieren sollten. Andere hörten Aussagen, die eher die Gemeinschaft und ein Anpassen an die Wünsche anderer betonten. Anschließend hörten sie vier Geschichten zum Thema Helfen und Teilen, in denen ein Kind entweder spontan oder nach Aufforderung half und teilte und beantworteten Fragen zur Motivation dieses Kindes.

Das kam raus!

Wie auch schon in anderen Projekten mit deutschen Kindern nahmen die Kinder an, dass man nach einer Aufforderung weniger gerne hilft und teilt und dabei weniger zufrieden ist als bei spontanem Verhalten. Zudem führte eine Aktivierung der Themen Gemeinschaft und Anpassung dazu, dass die Kinder allgemein annahmen, dass man lieber hilft – sowohl spontan als auch ohne Aufforderung.

Bei Interesse ist die Studie hier öffentlich zugänglich:

Skrobanek, A., & Kärtner, J. (2026). Semantic priming influences the perceived motivation underlying spontaneous and requested prosocial behavior in 9–11-year-old German children. Cognitive Development, 80, 101782. https://doi.org/10.1016/j.cogdev.2026.101782