Héctor Feliciano

© privat

Eine Analyse narrativer Texte zur Bestimmung des Wissens der Literatur mit Rücksicht auf Ricœurs Hermeneutik

Dass ein unreflektierter Zugang zur Literatur und zu anderen Medien weitreichende Folgen haben kann, zeigt sich leider viel zu oft im Streit der Dogmen und Interpretationen um „das Wort“. Immer wieder werden in öffentlichkeitswirksamen Debatten um die mediale Darstellung und Rezeption etwa von Gewalt Forderungen nach Lesekompetenz und richtigem Textverständnis laut. „Lesenkönnen“ alleine ist noch keine Garantie für richtige De- und Kodierung von Zeichen, im Gegenteil, es kann gar zur Demagogie instrumentalisiert werden. Literalität erfordert also kritische und metakritische Fertigkeiten, die für die Leserin oder den Leser zur Selbstreflexion ihrer oder seiner Herangehensweise (und der damit einhergehend impliziten Präsuppositionen) an die Lektüre auffordert. Mit dieser Forderung geht mein Forschungsinteresse innerhalb der Literaturtheorie und -kritik als einer selbstkritischen Wissenschaft einher, die den Vorgang des Lesens als hinterfragt und die dahinterstehenden Ideologien kritisch befragt.

In diesem Promotionsprojekt soll der Zugang zum Wissen der Literatur problematisiert werden. Als Beispiel für die theoretischen, methodologischen und ideologischen Voraussetzungen, die eine Lektüre des Textes beeinflussen, soll die Lehre des vierfachen Schriftsinns in ihrem methodologischen und theoretischen Grundgerüst untersucht werden, weist sie doch eine reiche Tradition auf, die sich bereits bei den homerischen Exegesen ankündigt und sich bis in die jüdische und christliche Tradition der biblischen Hermeneutik des Mittelalters erstreckt. Ein solcher Rückgriff hat den Vorteil, die Herangehensweise an Texte, die Repräsentation von Wissenssystemen in Texten und deren Rezeption geschichtlich plausibel machen zu können. Ferner ermöglicht die Behandlung des Vierfachen Schriftsinns ein besonderes Augenmerk auf theoretische Probleme der Hermeneutik und Erkenntnistheorie. Eine Revision der stillschweigend vorausgesetzten Behauptungen zur Herangehensweise an die Literatur auf einer metakritischen und -hermeneutischen Ebene soll den Weg ebnen, einen mithilfe von hermeneutischen, neuhistorischen, diskursanalytischen, ideologiekritischen Ansätzen der Literaturtheorie u.a. philosophisch und literaturwissenschaftlich fundierten Vorschlag zum Zugang des Wissens der Literatur zu präsentieren. Hierbei soll idealiter der Dialog der Literaturwissenschaft mit verschiedenen Disziplinen wie der Philosophie, Geschichte und Theologie gesucht werden. Die in der Dissertation zu erarbeitende Methode wird durch die Anwendung auf literarische Texte (Tschechow Der Mensch im Futteral, Faulkner Schall und Wahn und Kafka Der Prozess) gestützt.



Fach: Germanistik
BetreuerIn: Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, Prof. Dr. Horst-Jürgen Gerigk

Lebenslauf

seit 09/2015 Ph.D. fellow in German Literature and Critical Thought an der Northwestern University (Cotutelle-Verfahren)
seit 04/2015 Doktorand der Graduate School Practices of Literature University of Münster. (Cotutelle-Verfahren)
05/2015-04/2015 wissenschaftliche Hilfskraft an dem Institut für Deutsche Sprache, Mannheim (IDS)
2014 Magister Artium (M.A.) Deutsche Philologie mit Schwerpunkt in Literatur, Linguistik und Fremdsprachvermittlung; Philosophie
10/2009-05/2014 Studentische Hilfskraft an dem Institut für Deutsche Sprache (IDS)

Kontakt