Februar 2020

Münze des Monats

© Royal Mint, nachb. L. Hecht
© Royal Mint, nachb. L. Hecht

31. Januar 2020: Die 50 Pence Brexit-Münze


In Zeiten, in denen bargeldloses Bezahlen immer mehr um sich greift, sticht ein aktuelles Beispiel heraus, wie sehr doch Text und Bild auf Münzen auch heute noch identitätsstiftend wirken sollen, wie Münzen wahrgenommen werden und Kontroversen auslösen. Die Münze lebt!
Es geht um die 50 Pence Gedenkmünze, die im Vereinigten Königreich von der Royal Mint zu dem am 31. Januar 2020 vollzogenen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ausgegeben wurde.
Am 23. Juni 2016 hatten die Bürger des Vereinigten Königreichs in einem Referendum über den Brexit abgestimmt und durch ihre Entscheidung dafür den Austrittsprozess angestoßen. Im Oktober 2018 hat der Finanzminister Philip Hammond angekündigt, dass es eine 50 Pence Gedenkmünze geben würde. Da eine solche Münze, die in einer Millionenauflage ausgegeben werden sollte, mit einem gewissen Vorlauf geprägt werden muss, begann man bald, für den anvisierten Austrittstermin am 29. März 2019 Münzen zu produzieren. Weil das Austrittsdatum auf der Münze stand, musste, als eine erste Verschiebung des Brexits erfolgte, die Auflage wieder eingeschmolzen werden, und es begann die Produktion einer neuen Münze für das anvisierte Austrittsdatum zum 31. Oktober 2019. Als auch dieser Termin verschoben wurde, musste auch diese Münze recycelt und die für den neuen Termin am 31. Januar 2020 aktualisierte Münzen geprägt werden. Mit dem nun erfolgten Austritt, konnten die Münzen dann tatsächlich am 31. Januar 2020 in den Umlauf gegeben werden. 50 Pence Gedenkmünzen wurden immer wieder emittiert, die erste memorierte 1973 den Beitritt zur Europäischen Union.
Die 50 Pence Münze hat einen Durchmesser von 27,3 mm, wiegt 8 gr und besteht zu 75 % aus Kupfer und 25 % aus Nickel. Auf der Vorderseite ist – wie auf allen 50 Pence Münzen – der bekrönte Kopf von Königin Elisabeth II. nach rechts abgebildet. Die gemischt lateinisch-englische Legende lautet: ELIZABETH II D(EI) G(RATIA) REG(INA) F(IDEI) D(EFENSATRIX) 50 PENCE 2020. Da es sich um eine Gedenkmünze handelt, wird das Nominal auf der Vorderseite und nicht auf der Rückseite angegeben. Unter dem Kopf der Königin stehen die Initialen des Graveurs der Vorderseite, Jody Clark. Die Königin wird 2020 in ihrem fünften Porträttypus gezeigt. Auf der Rückseite, deren Graveur unbekannt ist, steht die Legende Peace, prosperity and friendship with all nations und im Abschnitt 31 January 2020.
Die Legende der Rückseite spielt mit einem Zitat von Thomas Jefferson, einem der Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Der Satz kann daher nicht nur als wohlgemeinter und unschuldiger Wunsch nach Frieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Nationen gelesen werden, sondern auch als Abschluss eines Kampfes um Unabhängigkeit. Ob diese doppelte Lesbarkeit tatsächlich die tief wegen des Brexits gespaltene Gesellschaft im Vereinigten Königreich zusammenbringt, muss allerdings hinterfragt werden. In den sozialen Medien zirkulieren zahlreiche Vorschläge für alternative Brexit-Münzen, welche das Ereignis kritisieren und verspotten.
Um die Legende hat sich Ende Januar eine weitere kuriose Kontroverse entspannt, die von dem Schriftsteller Philip Pullman angestoßen wurde, der beklagte, dass das Oxford Komma fehle. Ein solches Komma kann im Englischen in einer Aufzählung vor dem letzten „and“ gesetzt werden. Das Oxford Komma wird vor allem in formeller und akademischer Sprache aber auch im American English verwendet. Die unterbliebene Setzung des Kommas wird unterschiedlich bewertet. Das Fehlen des Kommas kann als Verfall der Sprache verstanden werden, es kann aber auch eine Absetzung von US-amerikanischer Interpunktion sein. Schließlich darf auch nicht ausgeschlossen werden, dass gar keine besondere Intention hinter dem Weglassen des Kommas steckt. Diese Kontroverse ist ein schönes Beispiel dafür, wie sehr es in der Numismatik auf Details ankommt, aber auch, dass Münzen und ihre Botschaften durchaus eine Ambiguität aufweisen können und bei Betrachterinnen und Betrachtern nicht zwingend eine einheitliche Botschaft ankommt. Insofern ist es methodisch und komparatistisch lehrreich für Numismatikerinnen und Numismatiker die Debatten um die 50 Pence Brexit-Münze zu verfolgen.
Achim Lichtenberger

Literatur