Dezember 2022

Münze des Monats

© Bernd Thier

Eine ungewöhnliche Eintrittsmarke mit Mehrwert
Ab 1827 zu Weihnachten (fast) kostenlos in das Diorama der Gebrüder Gropius in Berlin

»Kaufen Sie drei Paar Schuhe, dann ist das dritte Paar kostenlos!“ Solche oder ähnliche Rabattaktionen in großen Kaufhäusern oder Einzelhandelsgeschäften begegnet man heute allenthalben, nicht nur in der Zeit des früheren Sommer- oder Winterschlussverkaufes, sondern ganzjährig. Kunden werden mit dem Versprechen gelockt, einen besonderen Mehrwert zu bekommen, müssen hierzu jedoch zunächst einmal einen Geldbetrag in die Hand nehmen und ausgeben, um dann den versprochenen Rabatt oder eine besondere Gegenleistung zu erhalten. Statt wie geplant mit einem Paar neuer Schuhe geht der Kunde oder die Kundin am Ende mit zwei weiteren Paaren nach Hause, weil es ja so günstig war, denn so ein gutes Angebot muss man doch annehmen. Ähnliche Aktionen gibt es z. B. für Speisen in Restaurants oder beim Eintritt in Freizeitparks.

Diese Geschäftsidee ist nicht neu und eine fast 200 Jahre alte ähnliche Werbestrategie, bei der ein numismatisches Objekt in der Weihnachtszeit eine besondere Rolle spielte, soll nachfolgend vorgestellt werden.

© Bernd Thier

Vs.: (Abb. Stern) WEIHNACHTS AUSSTELLUNG / IM / DIORAMA (darunter kleines Kreuz mit pflanzlichen Zierelementen / Arabesken)

Rs.: (Abb. Stern) GUT FÜR FÜNF SILBER GROSCHEN / GEBR: / GROPIUS (darunter kleines Kreuz mit pflanzlichen Zierelementen / Arabesken)

Kupfer, sehr schwach versilbert (?), Dm 37,6 mm, Stärke 4,05 mm, Wendeprägung, im Ring geprägt, 34,38 g

Die Art der Beschriftung kennzeichnet dieses Stück als eine Art Wertmarke. Ihr Wert beträgt 5 Silbergroschen (Sgr.), herausgegeben wurde sie von den Gebrüdern Gropius. Zugang bekam man für sie zur Weihnachtsausstellung im Diorama. Daher könnte man meinen, es handle sich um eine ›normale‹ wiederverwendbare Zugangs- oder Eintrittsmarke, die man an der Kasse des Dioramas der Gebrüder Gropius erwarb, das sich in Berlin befand, und dann am Eingang wieder abgab.

Ungewöhnlich sind die enorme Größe, die Dicke und die Qualität der Prägung, die für einfache Wertmarken nicht üblich war. Von der Gesamterscheinung erinnert das Objekt eher an eine Medaille.

In der Literatur werden diese Stücke als Eingangs- oder Eintrittsmarken, von der es nachweislich oder mutmaßlich vier Metallvarianten geben hat oder gegeben haben soll, bereits öfter beschrieben: Neumann (1868, Nr. 31471), Vossberg (1870, Nr. 45), Hasselmann (1987, Nr. 218), Hasselmann (2002, S. 301), Stahl (2012, Nr. 0135), Menzel (2018; Nr. 2694.1–4) und Priese (2015 und 2022, Nr. 1834/1).

Hergestellt und benutzt sollen diese Marken um oder ab 1834 bzw. 1836. Als verwendete Metalle werden Kupfer, Bronze (Kupfer-Zinn-Legierung), Messing (Kupfer-Zink-Legierung mit hohem Zinkanteil) und Tombak (Kupfer-Zink-Legierung mit geringem Zinkanteil) erwähnt. Die Metallvarianten wurden aber auch als Fehlbestimmungen wegdiskutiert (Priese 2022).

Fasst man die verstreut vorliegenden Informationen zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Es soll sich um Eintrittsmarken für die alljährlich stattfindenden Weihnachtsausstellungen im Diorama in Berlin aus der Zeit um oder nach 1834 handeln. Diese dauerten vier Tage, daher die vier verschiedenen Metalle, damit man die Marken jedes Tages erkennen konnte, da sie eigentlich nur am jeweiligen Ausgabetag gültig waren.

Der Hersteller solle die Prägeanstalt Loos in Berlin gewesen sein. Und tatsächlich findet man diese Marken bereits im gedruckten Verkaufskatalog der Berliner Medaillen-Münze von G. Loos aus dem Jahr 1830 (S. 13, in identischer Art auch im Katalog von 1842) in der Vierte(n) Abteilung, Marken aller Art, u. a. Eingangs- und andere Zeichen erwähnt: »Eingangs-Zeichen zu den Weihnachts-Ausstellungen der Herren Gebr. Gropius, in vier verschiedenen Metallen zur nothwendigen Abwechslung geprägt«.

Die Marken sind daher tatsächlich in vier Metallen geprägt worden und nachweislich einige Jahre älter als bisher vermutet.

Der Eintritt in das Diorama kostete normalerweise 10 Sgr. (= 1/3 Taler), nur in den vier Tagen vor Weihnachten gab es 50% Rabatt beim Kauf der Marke (5 Sgr. = 1/6 Taler). Man konnte diese direkt am Diorama oder bei bestimmten örtlichen Vertragsgeschäften in der Stadt erwerben. Dann hatten der Käufer oder die Käuferin die Wahl: Entweder konnten diese die Präsentation im Diorama vergünstig besichtigen (und die Marke abgeben) oder die Weihnachtsausstellung im gleichen Gebäude besuchen und die Marke dem Torkontrolleur nur vorzeigen und zunächst behalten. Da sie – durch die Farbe des Metalls erkennbar – ursprünglich nur einen Tag gültig war, waren die Besucherinnen und Besucher theoretisch gezwungen sie noch am selben Tag wieder ab- oder auszugeben.

Der erste Mehrwert bestand nun darin, dass man die Marke beim Einkauf von Waren bei der Weihnachtsausstellung im Wert von 5 Sgr. einlösen konnte, d. h. der Eintritt war damit kostenlos. Kaufte man dort nichts, konnte man anschließend das Diorama besuchen und so 5 Sgr. beim Eintritt sparen.

Als Alternative konnte man die Marke aber auch als sogenannte Prozentmarke bei einem Mindesteinkauf von 2 Talern in verschiedenen Geschäften in der Stadt im Wert von 5 Sgr. in Zahlung geben, hatte dadurch vorher ebenfalls einen kostenlosen Zugang zur Weihnachtsausstellung erhalten und folglich keinen finanziellen Verlust gemacht. Die Verkäuferinnen und Verkäufer in der Ausstellungshalle im Diorama und der Geschäfte in der Stadt erhielten im Ausstellungsbüro je Marke allerdings nur 4 Sgr. erstattet. Ein Sgr. blieb als Gewinn für die Veranstalter übrig (Hasselmann 2007, S. 300 f. und 1502 f.). Diese hatten aber Kunden gewonnen, die sicherlich größere Beträge – mindestens 2 Taler in den Geschäften in der Stadt – bezahlt hatten, was zu einem deutlich erhöhten Umsatz führte und ebenfalls zu einem Mehrwert beitrug.

Angeblich liefen die Marken auch in der Weihnachtszeit als eine Art Zahlungsmittel im Wert von 4 Sgr. in der Stadt um, da sie ja für diesen Betrag immer wieder im Diorama eingelöst werden konnten. Eigentlich hatten sie aber – wie beschriftet – einen Wert von 5 Sgr. und zu diesem Wert konnten sie direkt oder im darauffolgenden Jahr wieder zum vollen Betrag eingelöst werden, auch zum Eintritt in das Panorama, was wiederum einen Mehrwert bzw. Rabatt von zusätzlich 1 Sgr. ausmachte. Theoretisch hätte man die Marke auch jahrelang immer wieder als dann – fast kostenlose – Eintrittsmarke zur den Weihnachstaustellungen verwenden können, was erneut ein Mehrwert bedeutet hätte.

Anscheinend war die ursprüngliche Idee, dass die Marken je nach Metallfarbe nur einen Tag gültig sein sollten, hinfällig geworden, zumal die optischen Unterschiede bei angelaufenen Stücken nur minimal waren.

Was aber macht nun den Besuch einer Weihnachtsausstellung so besonders, dass man bereit war, dafür Eintritt zu bezahlen und sich dem komplexen Rabatt- und Zahlungssystem anzuvertrauen? Weihnachtsmärkte finden man heute allenthalben, Eintritt kosten sie nicht, und auch Wohltätigkeitsbasare in der Adventszeit sind seit langem bekannt.

In Berlin werden derartige Weihnachtsausstellungen erstmals bereits im Jahre 1784 erwähnt, erste genauere Beschreibungen über das, was man dort vorfinden konnte, liegen aus der Zeit um 1802/1803 vor. Damals gab es noch keine Warenhäuser, in denen man eine Zusammenstellung verschiedener Produkte unterschiedlicher Hersteller und Kaufleute in einem Haus finden konnte. In ausgewählten größeren Veranstaltungssälen präsentierten, wie auf einem Basar, Händler Waren unterschiedlichste Art, u. a. Spielzeug, was besonders in der Weihnachtszeit gerne gekauft wurde. Auch Konditoren boten ihre Kuchen, Torten und Zuckerbäckereien an. Viele waren zu Wohltätigkeitszwecken organisiert worden, zur Unterstützung örtlicher Künstler oder zur Beschaffung von Almosen für Bedürftige. Verkauft wurden u. a. Handarbeiten und kostenlose Spenden, die verschiedene Firmen zur Verfügung gestellt hatten.

Die Gebrüder Gropius veranstalteten seit der Weihnachtszeit 1827 in ihrem frisch eröffneten Diorama derartige Ausstellungen, so dass man vermuten kann, dass die Eintrittsmarken bereits im gleichen Jahr bei der Firma Loos hergestellt worden waren.

Eine kurze Beschreibung der Weihnachtsausstellung 1830 im Diorama in Berlin findet man in der Zeitschrift Der Sammler (8.1.1831, S. 15): »Nicht minder Vergnügen gewährt der in den unteren Localen befindliche Weihnachtsmarkt im Kleinen und die Säle mit den boutiques à prix fixe [Festpreisläden], wo man für billige Preise, von 5 Sgr. an bis (bey den kostbaren Sachen) zu hohen Summen, alle möglichen Luxusartikel, Spielzeuge, Literaturgegenstände u. s. w. vorfindet. Dieser Markt ist stets so zahlreich, und von einem so eleganten Publicum besucht (das minder elegante scheut die fünf Sgr. Entree, für die man jedoch Waare erhält, oder St. Petersburg besieht), daß die vielen Säle öfters kaum die schaulstigen Personen aufzunehmen vermögen, die theils die hübschen Waaren besehen und einkaufen, theils auch – und dies allein ist für das männliche Publicum schon ein mächtiger Magnet – die hübschen Verkäuferinnen mustern.«

Die erwähnte Angabe zu St. Petersburg bezieht sich darauf, dass 1830 die aufwändigen immer wieder wechselnden Panoramaansichten im Diorama zur Weihnachtszeit die Hauptstadt des Russischen Reiches St. Petersburg zeigte.

Einer Werbeanzeige in der Vossischen Zeitung vom 18. Dezember 1847 ist zu entnehmen, dass der Eintritt für die Weihnachtsausstellung im Diorama noch immer 5 Sgr. kostet, »die beim Kauf in Zahlung genommen werden«. Die beschriebenen Marken waren daher zu dieser Zeit offenbar noch immer in Verwendung. Auffällig ist, dass der Markt nun statt vier Tage vom 12.-24. Dezember stattfand, also deutlich länger als in den 1830er Jahren.

Das Diorama der Gebrüder Gropius in Berlin, Umrissradierung, koloriert, von Johann Carl August Richter (1785–1853), um 1830/1831; Bildnachweis: Quelle https://smb.museum-digital.de/object/77413
© Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin / Dietmar Katz [CC BY-NC-SA]

Das Diorama der Gebrüder Carl Wilhelm (1793-1870), Ferdinand (1796-1830) und Georg Gropius (1802-1842) wurde am 29. Oktober 1827 eröffnet. Das mächtige Gebäude war ab 1826 an der Georgstraße 12 / Ecke Stallstraße (heute Universitätsstraße) in der Stadtmitte durch Baukonduktor Richter erbaut worden. An der Gestaltung war aber auch der bekannte Berliner Architekt Karl Friedrich von Schinkel (1781-1841) beteiligt.

Bei einem Diorama (griechisch für »Durchscheinbild«) handelte es sich um eine Großbildanlage, die durch wechselnde Staffage und Beleuchtung belebt wurde. Das Verfahren war durch Louis Daguerre (1787-1851), einem der Erfinder der Fotografie, 1822 in Paris entwickelt worden. Riesige Leinwände wurden hierzu beidseitig mit gleichen aber unterschiedlich gestalteten Motiven, z. B. bei Tag und bei der Dämmerung, bemalt. Durch Kerzen und durch das Öffnen oder Schließen von Fenstern sowie durch die Umlenkung des Tageslichtes mit Hilfe von Spiegeln wurden diese leicht transparenten Wände dann wechselnd beleuchtet. Mit Hilfe von farbigen Glasscheiben ließen sich zusätzliche Effekte erzielen. Die Bilder im Berliner Diorama waren 20 m breit und bis zu 13 m hoch. Das Gebäude war – wegen des notwendigen Tageslichtes – täglich nur von 11-15 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11-14 Uhr geöffnet. Der normale Eintritt betrug immerhin 10 Sgr. und war daher relativ teuer.

Die letzte Weihnachtsausstellung im Diorama fand vom 12. Dezember 1849 bis zum bis 4. Januar 1850 statt, da es am 31. Mai 1850 für immer geschlossen wurde. Von 1868 bis 1873 beherbergte das Gebäude mit einer provisorischen Sammlungs- und Ausstellungshalle das neu gegründete Deutsche Gewerbe Museum. Im Jahr 1876 wurde das monumentale Bauwerk im Zuge der Errichtung der Berliner Stadtbahn abgebrochen.

Die beschriebene Marke wurde daher vermutlich im Herbst 1827 geprägt und zwischen Dezember 1827 und Januar 1850 verwendet. Die bis heute erhaltenen Exemplare konnten vermutlich nicht mehr rechtzeitig eingelöst werden. Einige dürften aber schon damals als kuriose numismatische Objekte in lokale oder überregionale Münze- oder Medaillensammlungen gelangt sein.

(Bernd Thier)

Literatur:

  • W. Haselmann, Berlin Marken und Zeichen (München 1987), hier S. 126-127 Nr. 218
  • W. Hasselmann, Marken und Zeichen Lexikon, Lexikon für die im deutschsprachigen Raum aus Metall geprägten Marken und Zeichen in 4 Bänden (Manuskript München, November 2001), erschienen nur als PDF auf CD-ROM im Verlag für digitale Publikationen Bogon (Berlin 2007), hier S. 300–301 (Diorama-Marke), S. 1502–1503 (Weihnachtsausstellungsmarke)
  • P. Menzel, Deutschsprachige Notmünzen und Geldersatzmarken im In- und Ausland 1840 bis 2002, digitale Publikation auf CD-ROM (Winfried Bogon-Verlag Berlin 2018), hier S. 492-493 Nr. 2694.1–4
  • N. N., Das Diorama der Gebrüder Gropius in Berlin, in: Der Berliner Courier, ein Morgenblatt für Theater, Mode, Eleganz, Stadtleben und Localität, hg. von M. G. Saphier, Nr. 1167, den 18. Dezember 1830, S. 2
  • N. N., Karl Wilhem Gropius 1793–1870, in: Berlin und seine Entwicklung, Städtisches Jahrbuch für Volkswirtschaft und Statistik, 5. Jg., hg. vom statistischen Bureau der Stadt Berlin (Berlin 1871), S. 263–264
  • N. N., Verzeichnis sämmtlicher Denk- und Gelegenheitsmünzen, welche aus der Berliner Medaillen-Münze von G. Loos seit der Grünung dieser Anstalt durch den Hof- Medaillier Daniel Friedrich Loos hervorgegangen sind … (Berlin 1830, gedruckt in der Dietericischen Buchdruckerei), hier S. 13
  • N. N., Verzeichnis sämmtlicher Denk- und Gelegenheitsmünzen, welche aus der Berliner Medaillen-Münze von G. Loos seit der Grünung dieser Anstalt durch den Hof- Medaillier Daniel Friedrich Loos hervorgegangen sind … (Berlin 1842, gedruckt bei Ernst Siegfried Mittler), hier S. 13
  • J. Neumann, Beschreibung der bekanntesten Kupfermünzen. V. Enthält die Beschreibung der Jetone und Marken aus Oesterreich, Russland, Frankreich und Deutschland (Prag 1868), hier S. 345 Nr. 31471
  • K. Priese, Marke einer Weihnachtsausstellung, Bucher Bote, Ausgabe Dezember 2015, S. 9
  • K. Priese, Ausstellungen, Messen, Schauen und Börsen in Berlin 1706 bis heute im Spiegel von Medaillen, Plaketten, Marken, Abzeichen (Berlin [Selbstverlag des Autors, Druck BoD, Books on Demand, Norderstedt] 2022) S. 15 Nr. (1834) / 1
  • S., Das Diorama der Gebrüder Gropius in Berlin Weihnachten 1830, Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt, 23. Jg., Wien 8. Jänner 1831, S. 15
  • J. Schneider, Das Diorama der Gebrüder Gropius, Berlinische Monatsschrift Heft 1, 1998, S. 12
  • W.-H. Stahl, Marken & Zeichen des 14. bis 19. Jahrhunderts. Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main 31 (Frankfurt 2012), hier S. 69 Nr. 0135
  • F. A. Vossberg, Beiträge zur Münzgeschichte der Stadt Berlin, Berliner Blätter für Münz- Siegel- und Wappenkunde 5, 1870, S. 171-201. 301-319, hier S. 185 Nr. 45
  • Internetquelle: https://www.zeitreisen.de/advent/ausstellung.htm (Adventskalender des Zentrums für Berlin-Studien (ZBS). Zur Geschichte der Weihnachtsausstellungen in Berlin)
November 2022

Münze des Monats

© Classical Numismatic Group, LLC

Facing Rome – Die Prägungen des Tigranes IV.

 

Tigranes IV. (2. Regierungszeit), AE, Artaxata, 2 v. – 1/2 n. Chr. (14,18 g / 12 h / 24 mm)

Vs.: ΒΑCΙ[ΛΕYC ΜΕΓΑC NEOC ΤΙΓ]ΡΑΝHC. Drapierte Büste des Tigranes IV. n. r., er trägt eine fünfzackige Tiara, die mit einem sechszackigen Stern dekoriert und mit einem Diadem gebunden ist, die Ohrenklappen sind über der Stirn zusammengebunden und lassen dadurch einen ringförmigen Ohrring erkennen.

Rev.: KAICAP ΘΕΟC ΘΕΟΥ ΥΙΟC CEBACTOC (linksläufig). Kopf des barhäuptigen Augustus n. l.

CNG, Auction 96, 14. Mai 2014, Lot-Nr. 650

Kovacs 2016 Nr. 178; RPC I Nr. 3841 (Tigranes III. oder V.); ACV Nr. 184 (Tigranes V.); CAA Nr. 167 (Tigranes V.)

© Classical Numismatic Group, LLC

 

AR, Denar, 3,51 g, 18 mm, 12 h, Marcus Antonius, Alexandria, 34 v. Chr. (RRC I Nr. 543,1) Av.: ANTONI ARMENIA DEVICTA. Barhäuptiger Kopf des Marcus Antonius n. r., i. F. l. armenische Tiara / Rev.: CLEOPATRAE – REGINAE REGVM FILIORVM REGVM. Drapierte Büste der Kleopatra VII. mit Diadem n. r., i. F. r. prora
© Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
© Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien

Bei der Münze des Monats November handelt es sich dieses Mal um eine Bronzeprägung aus dem antiken Königreich Armenien.  Da keine Darstellungen des Tigranes IV. in anderen Medien erhalten sind und auch die schriftliche Überlieferung zu seiner Regentschaft dürftig ist, sind seine Münzen die einzigen Objekte, von denen wir auf das Selbstbild des Königs schließen können. Insgesamt finden sich in den Texten der antiken Autoren nur wenige Passagen über das Armenien des 1. Jhs. v. Chr., die darüber hinaus in der Regel einem griechisch-römischen Umfeld entstammen. Eine eigene armenische Geschichtsschreibung setzt erst mit Movsēs Xorenac’i ein, wobei sein Werk frühestens in das 5. Jh., meist jedoch in das 8. Jh. n. Chr. datiert wird. So treten die Könige in der schriftlichen Tradition vor allem als Gegner oder Verbündete der Römischen Republik bzw. des Kaiserreiches in Erscheinung, denen jederzeit ein Übertritt zum verfeindeten Partherreich zuzutrauen ist. Vor allem die zweite Hälfte des 1. Jh. v. Chr. ist durch Bemühungen Roms gekennzeichnet, Armenien unter seine Kontrolle zu bringen und dadurch den parthischen Einfluss im Südkaukasus zu schmälern. Welche Bedeutung das Königreich für die römischen Regenten einnahm, zeigt die Bezugnahme auf den Denaren des Marcus Antonius (Abb. 1) und den Aurei des Augustus (Abb. 2).

Abb. 3: AR, Drachme, 3,5 g, 12 h, Artavasdes III., Artaxata, 5–2 v. Chr. Av.: ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΜΕΓΑΛΟΥ ΑΡΤΑVΑZΔΟΥ, i. F. r. Γ (= Jahr 3, d. h. 3 v. Chr.). Kopf des Artavasdes III. mit Diadem und Ohrring n. r. / Rev.: ΘΕΟΥ ΚΑΙΣΑΡΟΣ ΕΥΕΡΓΕΤΟΥ. Kopf des Augustus n. r., lorbeerbekränzt
© British Museum
Abb. 4: AE, 5,1 g, 19 mm, 1 h, Tigranes IV. (1. Regierungszeit), Artaxata, ca. 8/6–5 v. Chr. (Kovacs 2016 Nr. 175) Av.: Büste des Tigranes IV. n. r., trägt fünfzackige Tiara, die mit einem Stern dekoriert und mit einem Diadem gebunden ist / Rev.: ΒΑΣΙΛΕΩΣ / ΤΙΓΡΑΝΟΥ / ΜΕΓΑΛΟΥ. Pferd steht n. l., r. Vorderhuf erhoben
© Leu Numismatik AG
Abb. 5: AE, 4,99 g, Tigranes IV. (2. Regierungszeit), Artaxata, 2 v. Chr. – 1/2 n. Chr. (RPC I Nr. 3842) Av.: ΒΑCΙΛΕΩC ΜΕΓΑC NEOC ΤΙΓΡΑΝHC. Büste des Tigranes IV. mit Ohrring n. r., trägt fünfzackige Tiara, die mit einem Stern dekoriert und mit einem Diadem gebunden ist / Rev.: ΕΡΑΤⲰ BACIΛΕⲰC ΤΙΓΡΑΝΟΥ ΑΔΕΛΦΗ (linksläufig). Büste der Erato n. l.
© Bibliothèque nationale de France

Mit Tigranes IV. (1. Regierungszeit ca. 8/6–5 v. Chr., 2. Regierungszeit 2 v. – 1/2 n. Chr.) befinden wir uns in den letzten Jahrzehnten der sogenannten Artaxiadendynastie. Die Gründung des Königshauses geht auf Artaxias I. (189–160 v. Chr.) zurück und findet ihr Ende mit dem Tod der Königin – und ehemaligen Schwestergemahlin des Tigranes IV. – Erato (12–15 n. Chr.), woraufhin Armenien in das Römische Reich integriert wird. Sein Vater Tigranes III. erhielt als Geisel seine Ausbildung in Rom und wurde 20 v. Chr. von Augustus auf den armenischen Thron gebracht. Trotzdem wird ihm eine pro-parthische Politik nachgesagt, die sich nach seinem Tod 8 oder 6 v. Chr. unter Tigranes IV. und Erato fortsetzt. So wird dieser während seiner ersten Regentschaft nicht von Augustus anerkannt und sucht daher Unterstützung gegen den princeps und die pro-römische Aristokratie Armeniens beim Partherkönig Phraates IV. Augustus lässt ihn daraufhin stürzen und bringt 5 v. Chr. dessen Onkel Artavasdes III. auf den Thron. Nach kurzer Regentschaft rebellieren 2 v. Chr. die lokale Bevölkerung und Teile der armenischen Nobilität, woraufhin nach Cassius Dio (55,10,20–21) Tigranes IV. erneut den Königstitel für sich beansprucht und mittels einer Gesandtschaft an den imperator um politische Anerkennung bittet. Dieser lehnt jedoch ab und entsendet seinen Enkel Gaius, um die Region mit militärischer Hilfe unter römische Kontrolle zu bringen. Das Geschwisterpaar versucht unterdessen mit parthischer Unterstützung ihre Herrschaft zu konsolidieren, was jedoch durch den Tod des Tigranes IV. 1/2 n. Chr. verhindert wird. Näheres über die Umstände das Ableben des Königs finden sich nur bei Cassius Dio (55,10a,5), welcher lediglich den Sturz des Monarchen durch »einfallende Barbaren« beschreibt.

Die vorgestellte Münze entstammt der zweiten Regentschaft des Tigranes IV. und verdeutlicht exemplarisch die Zuwendung zum römischen princeps. Er orientiert sich in der Gestaltung der Münzen an seinem pro-römischen Vorgänger Artavasdes III. (Abb. 3) und übernimmt die kreisförmig umlaufende Legende und darüber hinaus das lunare Sigma, was als Angleichung an das römische Münzbild zu verstehen ist und konträr zum Legendenaufbau seiner früheren Prägungen steht (Abb. 4). Seine Titulatur wird um das Epithet νέος (»der Neue«) ergänzt, worin der Wechsel seiner politischen Ausrichtung zur Geltung kommt. Den Kopf des Augustus kombiniert er auf dem Revers mit der Legende KAICAP ΘΕΟC ΘΕΟΥ ΥΙΟC CEBACTOC, wodurch er nicht nur die lateinische Akklamation Caesar Divi Filius Augustus ins Griechische überträgt, sondern sie auch wie bereits sein Vorgänger um das Epithet θέος ergänzt. Damit bezeichnet er unmissverständlich den princeps als gottgleich.

Ein auffälliges Novum der Prägungen ist das Porträt der Erato (Abb. 5), welches das früheste bekannte Bildnis einer artaxiadischen Königin darstellt. Die drapierte Büste ist nach links gewandt und ihre Frisur ist an die der Livia, der Gattin des Augustus, angelehnt.

Abb. 6: AR, Tetradrachme, 15,5 g, 26 mm, 12 h, Tigranes II., Antiocheia ad Orontem, 80–66 v. Chr. Kovacs 2016 Nr. 71,1 Av.: Drapierte Büste des Tigranes II. n. r., trägt fünfzackige Tiara, die mit einem Stern zwischen zwei Adlern dekoriert und mit einem Diadem gebunden ist / Rev.: ΒΑΣΙΛΕΩΣ / ΤΙΓΡΑΝΟΥ. Tyche sitzt auf Fels n. r., hält in der vorgestreckten r. Hand Palmzweig, zu ihren Füßen schwimmt Flussgott n. r., auf Fels und i. F. r. Monogramm
© Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Abb. 7: AR, Drachme, 3,8 g, 18 mm, 1 h, Pakorus I., Ekbatana, 39 v. Chr. (Sellwood 49/1–3) Av.: Drapierte Büste des Pakorus mit Diadem n. l., i. F. r. geflügelte Nike, die ihn bekränzt / Rev.: ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΒΑΣΙΛΕΩΝ ΑΡΣΑΚ[ΟΥ] ΕΥΕΡΓΕ[ΤΟΥ] ΔΙΚΑΙΟΥ [Ε]ΠΙΦΑΝ[ΟΥΣ]. Bogenschütze sitzt n. r., hält in vorgestreckter r. Hand einen Bogen, darunter A, i. F. l. Mondsichel
© British Museum

Gleichzeitig betont Tigranes ikonographisch seine armenische Identität, um sich von der Bildsprache des von Rom eingesetzten Artavasdes zu distanzieren. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sich lediglich mit einem Diadem darstellen lässt, trägt Tigranes erneut die armenische Tiara mit einem alleinstehenden Stern, deren Ohrenklappen nach oben gebunden sind, um einen ringförmigen Ohrring sichtbar werden zu lassen. Die hochgestellte Tiara mit fünf bis sechs Zacken ist bereits unter Artaxias I. Symbol armenischer Könige und wird in der Regel mit einem sechszackigen Stern und/oder zwei oder mehreren Adlern dekoriert. Vor allem als Kopfbedeckung des Königs Tigranes II. (96/5–56/5 v. Chr.) dürfte sie Münzinteressierten auf dessen antiochenischen Tetradrachmen begegnet sein (Abb. 6). Interessant ist vor allem der Ohrring, welcher ebenfalls ab Mithradates I. (171–138 v. Chr.) auf parthischen Herrscherbildnissen auftritt, ab Artavasdes II. (56–34 v. Chr.) von armenischen Königen getragen wird und als Referenz auf ein Bündnis zum Partherkönig gedeutet werden kann. Unter Tigranes IV. scheint der Ohrring jedoch seinen parthischen Charakter verloren zu haben – immerhin tritt er seit Pakorus (39 v. Chr.) (Abb. 7) nicht mehr auf arsakidischen Prägungen auf – sondern ist nun als Teil der artaxiadischen regalia zu verstehen.

Tigranes IV. spielt in seiner Münzikonographie somit geschickt mit einer Bildsprache, die sich dem Römischen Kaiserreich zuwendet und gleichzeitig seine armenische Identität herausstellt. Darin ist die Gradwanderung zu erkennen, welche die östlichen Könige während der Expansion Roms zu bewältigen hatten. Einerseits ist ein Bündnis mit einer der benachbarten Großmächte ­– Rom oder Parthien – unerlässlich, um außenpolitischen Rückhalt für die eigene Regentschaft zu erhalten, andererseits signalisiert es der eigenen Bevölkerung und Nobilität Schwäche und Uneigenständigkeit, die daraufhin die Königsherrschaft von innen destabilisieren können. Ein ähnliches Phänomen kann zeitgleich in Judäa beobachtet werden.

Münzen wie diese sind dabei Zeugnisse des Konfliktes, der im Falle des Tigranes und seiner Nachfolger nicht aufgelöst werden konnte und in die gewaltvolle Eingliederung Armeniens ins Römische Reich mündete.

(Jessica Schellig)

Abkürzungen:

ACV                       Y. T. Nercessian, Armenian Coins and Their Values, Armenian Numismatic Society. Special Publications 8 (Los Angeles 1995)

CAA                       P. Z. Bedoukian, Coinage of the Artaxiads of Armenia (London 1978)

Kovacs 2016        F. L. Kovacs, Armenian Coinage in the Classical Period, Classical Numismatic Studies 10 (Lancaster – London 2016)

Sellwood             D. Sellwood, An Introduction to the Coinage of Parthia (London 1971)

 

Weiterführende Literatur:

P. Buongiorno, The Roman Senate and Armenia (190 BC – AD 68), in: E. Dąbrowa (Hrsg.), Ancient Armenia in Context, Electrum 28 (Krakow 2021) 89–104

E. Fagan, Narratives in the Landscape. Political Discourses of Authority and Identity in the Armenian Highland, ca. 200 B.C.E. – 200 C.E. (Dissertation University of Chicago, Chicago 2015)

J. Nurpetlian, Ancient Armenian Coins. The Artaxiad Dynasty (189 BC – AD 6), Berytus 51/52, 2008/2009, 117–167

Y. T. Nercessian, Silver Coinage of the Artaxiad Dynasty of Armenia, Armenian Numismatic Society. Special Publication 11 (Los Angeles 2006)

S. Payaslian, Dynasties and the Geopolitics of Empire. The Ervanduni and the Artashesian Dynasties, in: S. Payaslian (Hrsg.), The History of Armenia. From the Origins to the Present (New York 2007) 3–26

Bildnachweise:

Münze des Monats: © Classical Numismatic Group, Auction 96 (14.05.2014) Nr. 650

Abb. 1: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin Objektnummer 18215845. Foto: Dirk Sonnenwald

Abb. 2: Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien, Inv.-Nr. RÖ 4659. Foto: Margit Redl

Abb. 3: British Museum, Reg.-No. 1866,1201.3817. Asset No. 443409001

Abb. 4: Leu Numismatik AG, Web Auction 16, 22. Mai 2021, Lot-Nr. 1197

Abb. 5: Bibliothèque nationale de France, Département des monnaies, médailles et antiques; Inv.-No. FRBNF41760557

Abb. 6: Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objektnummer 18204039. Foto: Dirk Sonnenwald.

Abb. 7: British Museum, Reg.-No. 1891,0603.108. Asset.-No. 1295570001

Oktober 2022

Münze des Monats

Trajan, Denar, Rom, 114-117 n. Chr.
© Stefan Kötz

Entwertet, aber doch etwas wert. Ein »entfunktionalisierter« Denar aus Ostwestfalen

Trajan, Denar, Rom, 114-117 n. Chr. (1,515 g; 8 Uhr; 18,37 mm)
Av.: [IMP] [CAES] [NER] [T]RA[IANO] [OPT]IMO AVG G[ER] [DAC]. Drapierte Büste Trajans n. r.; lorbeerbekränzt
Rv.: [P] [M] [TR] [P] [COS] [VI] [P] [P] [S ] [P] Q R. Drapierte Felicitas n. l. stehend; erhobener Botenstab in der rechten Hand und Füllhorn im linken Arm
Kommentar: Gebrochen; vom Avers gelocht, wobei sich am Austrittsloch eine scharfkantige Falz bilden konnte; rillenförmige Einkerbungen (evtl. Hackspuren) auf dem Revers

Münzkabinett des LWL Museums für Kunst und Kultur, Inv. 35930 MZ

RIC II Trajan Nr. 343  http://numismatics.org/ocre/id/ric.2.tr.343 oder Nr. 344  http://numismatics.org/ocre/id/ric.2.tr.344

»[…] Wer Gold- oder Silbermünzen fälscht, auswäscht, einschmilzt, beschneidet, beschädigt, verschlechtert […]: honestiores werden auf eine Insel verbannt, humiliores entweder in die Minen geschickt oder ans Kreuz geschlagen; Sklaven aber nach der Tat […] mit dem Tode bestraft […].« So führte Julius Paulus im dritten Jahrhundert n. Chr. die zu erwartenden Konsequenzen diverser Münzvergehen für Amtsträger (»Ehrbare«, honestiores) und einfache Bürger (»Niedere«, humiliores) aus. Dass die im römischen Staatsgebiet unter Strafe gestellte Veränderung von römischen Prägungen abseits der Reichsgrenzen dennoch Anwendung erfuhr, soll exemplarisch dieser Denar Kaiser Trajans, die Münze des Monats Oktober, zeigen.

Gefunden wurde der Denar auf einer westlich der ostwestfälischen Gemeinde Borgentreich (Kr. Höxter) gelegenen landwirtschaftlich genutzten Flur. Diese beherbergte eine 1036 erstmalig genannte Ortschaft namens »Sunrike«, welche 1447 von marodierenden böhmischen Truppen auf ihrem Rückweg von der Belagerung Soests zerstört wurde und infolgedessen wüst fiel.

Zwischen 1997 und 2007 war das Wüstungsareal Gegenstand mehrerer Sondenbegehungen, die von ehrenamtlichen Helfern unter Aufsicht der LWL Archäologie für Westfalen (Außenstelle Bielefeld) https://www.lwl-archaeologie.de/de/kontakt/archaologische-denkmalpflege/aussenstelle-bielefeld/ durchgeführt wurden. In diesem Zusammenhang konnten insgesamt 103 Münzen geborgen werden, von denen mit 59 Exemplaren mehr als die Hälfte in die Spanne zwischen Trajan und Valentinian II. (114-393 n. Chr.) datierte. Die restlichen Münzen entfielen hingegen in den mittelalterlichen bzw. neuzeitlichen Zeitraum des 11. bis 18. Jahrhunderts.

Nach Sichtung im Münzkabinett des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster wurde ein Teil der Münzen (zwei römische und alle mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen) an die betreffenden Finder zurückgegeben, die übrigen Stücke, inklusive des betreffenden Denars, wurden einvernehmlich dem LWL überlassen.

Aufgrund des Fehlens eines direkten Befundes können wir nur den zwischen 114-117 n. Chr. anzusetzenden Prägezeitraum des Denars eingrenzen, während die tatsächliche Nutzungsdauer sowie der Zeitraum in dem die Münze in den Boden gelangte, unklar bleiben muss.

Bereits bei der ersten Betrachtung des Denars aus Sunrike fällt auf, dass ein erheblicher Teil des Münzmaterials weggebrochen ist und sich nahe der Bruchkante auf der Rückseite rillenförmige Einkerbungen finden lassen, die, wenn nicht durch eine Egge hervorgerufen, als Hackspuren gedeutet werden können. Womöglich versuchte man zuerst die Münze durch einen Hieb zu teilen, bevor man sie anderweitig, evtl. händisch, brach.

Des Weiteren besteht eine nicht zentrierte Lochung, bei deren Herstellung sich scharfkantiges Münzmaterial auf dem Revers auswölbte, welches auf ein Durchstoßen von der Vorderseite her hinweist.

Das Münzbild auf dem Avers besteht aus einer nach rechts gerichteten und lorbeerbekränzten Büste Trajans, deren Hals- und Torsopartie infolge der Materialentnahme fehlen. Im Gegensatz dazu nimmt die Lochung jedoch lediglich einen unwesentlichen Einfluss auf Aversdarstellung oder -legende. Von letzterer sind hingegen durch den Bruch Anfang und Ende verloren gegangen.

Auf dem Revers ist eine nach links gewandte und bekleidete Felicitas mit erhobenem Botenstab in der rechten Hand und Füllhorn im linken Arm abgebildet. Durch das abgebrochene Fragment fehlen die Kopfpartie und die rechte Körperhälfte samt einem Großteil des Füllhorns sowie die erste Hälfte der Legende. Auch hier zerstört die Lochung weder die Legende noch das Bild.

Generell muss festgehalten werden, dass antikes Münzgeld nicht zwangsläufig die ihm innerhalb des Römischen Reiches zugesprochene Währungsfunktion eines wertdefinierten Tauschobjekts bis zum Ende behalten musste. Genauso gut konnte es dem Umlauf entzogen werden, wobei mithilfe einer oder mehrerer Sekundärveränderungen (beispielsweise in Form einer Lochung oder Materialentnahme) die ursprüngliche Geldfunktion verändert werden konnte.

Sucht man nach Gründen für derartige Prozesse, wird man mit mehreren Erklärungsmodellen konfrontiert.

Die gelochten Münzen betreffend geht die wohl geläufigste Deutung davon aus, dass diese durchstochen wurden, um sie allein oder neben weiteren Schmuckelementen, wie beispielsweise Bernstein- und Glasperlen, an Halsketten zu tragen.

Nach heutiger ästhetischer Einschätzung sollte das nach außen getragene Münzbild in 12 Uhr-Position nach unten hängen. Hierzu würde eine zentrale Befestigung am oberen Rand benötigt. Bei dem hier gezeigten Denar ist dies unmöglich, da die Lochung nicht über, sondern hinter dem Vorderseitenbildnis angebracht wurde und das Aversbild beim Tragen folglich »schief« hängen würde.  Dass dies aber nicht etwa als Einzelfall abgetan werden kann, und eventuell in der Antike auch gar nicht als Makel angesehen wurde, zeigen viele Vergleichsbeispiele ähnlich gelochter Fundmünzen.

Über den Schmuckcharakter hinweg mögen möglicherweise auch ideologischen Beweggründe eine Rolle gespielt haben. Darstellungen auf kaiserzeitlichen Münzen waren selten nur eindimensionale Abbildungen und konnten – neben der von der Prägeautorität intendierten Aussage – auch ganz individuelle (über die Geldfunktion hinausgehende) Bedeutungen für die späteren Besitzer haben. So maß Aleksander Bursche der römischen Kaiserikonographie einen festen Platz in der germanischen Symbolsprache bei. Indem man gelochte, mit Ösen versehene oder eingefasste Münzen bzw. Medaillen aus Edelmetall besaß und mit frontalem Avers trug, erhoffte man sich soziale Anerkennung und brachte den eigenen gesellschaftlichen Status bzw. eine besondere Nähe zum römischen Kaiser zum Ausdruck. Prachtvoll gestaltete Einzelfunde, wie der eines Schmuckanhänger mit darin eingesetzten Aureus aus Hornoldendorf (Kr. Lippe), stützen dabei diese These (Abb. 2).

Abb. 2
© LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif

Eine andere, etwas nüchterne, Interpretationsebene eröffnet die ebenfalls von Aleksander Bursche vorgebrachte Ansprache bestimmter Fundmünzen als »praktische(r) Vorrat an Altmetall«. Als archäologische Basis dieser These diente ihm ein Hortfund aus dem polnischen Frombork (dt. Frauenburg) mit darin befindlichen Denaren, Sesterzen und einem Solidus, der in einer Silberschmiede gefunden wurde. Von den Denaren waren demzufolge mehrere halbiert oder teilweise geschmolzen.

Hiermit ließe sich eventuell der ungewöhnliche Denar aus Sunrike erklären: Die Kombination aus Lochung und Bruch könnte auf eine Aufbewahrung an einer Kette oder Schnur hindeuten, wobei je nach Bedarf Silberfragmente von der Münze zur Weiterverarbeitung oder zum Eintausch abgebrochen wurden. Alternativ könnte man auch von zwei Phasen ausgehen, wonach die Münze erst als Anhänger diente und später als »Edelmetallvorrat« eingesetzt wurde.

(Max Römelt)


 

Literatur

K. Bietenbeck, Ein Dorf »glänzt«. Die Metallsondenfunde der mittelalterlichen Wüstung Sunrike (Lizentiatsarbeit Universität Basel 2007)

A. Bursche, Later Roman Barbarian Contacts in Central Europe. Numismatic Evidence. Spätrömische Münzfunde aus Mitteleuropa. Ein Beitrag zur Geschichte der Beziehungen zwischen Rom und dem Barbaricum im 3. und 4. Jh. n. Chr., Studien zu Fundmünzen der Antike 11 (Berlin 1996)

A. Bursche, Function of Roman coins in Barbaricum of Later Antiquity. An anthropological essay, in: A. Bursche – R. Ciolek – R. Wolters, Roman coins outside the Empire. Ways and Phases, Contexts and Functions. Proceedings of the ESF/SCH Exploratory Workshop, Radziwiłł Palace, Nieborów (Poland). 3-6 September 2005, Collection Moneta 82 (Wetteren 2008) S. 395-408

P. Ilisch, Münzfunde der Jahre 1999 bis 2010 in Westfalen-Lippe, AFWL Beih. 5 (Münster 2012) S. 114 Nr. 360 (Lesefunde westlich von Borgentreich, darunter unsere »Münze des Monats«), online abrufbar unter https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:6:2-84656

S. Kötz, Monetissimo! Aus den Tresoren des Münzkabinetts. 27 Jahrhunderte Münzen, Medaillen & Co., Ausstellungskatalog Münster (Münster 2016) S. 52-57

Die Übersetzung der auf die lex Cornelia testamentaria nummaria (81 v. Chr.) zurückgehende Passage bei Iulius Paulus (Paul. sent. 5,25) nach: M. Peter, Von Betrug bis Ersatzkleingeld. Falschmünzerei in römischer Zeit, in: M. Reuter – R. Schiavone, Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich. Ausstellungskatalog Xanten (Mainz a. Rh. 2011) S. 107-108

September 2022

Münze des Monats

Abb. 1 (links): Ingo Cesaro, aus Bleilettern im Handsatz gesetzt, auf der Handnudel im Buchdruck gedruckt, zweifarbig; Verwertungsgesellschaft; Abb. 2 (rechts): Maren Rombold »25«, Linolschnitt, Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3.
© Ingo Cesaro und Maren Rombold

Corona-Notgeld von Kulturschaffenden

»Seit dieses scheiß Virus Künstler und Kulturschaffende in den Lockdown zwang, existieren Einkünfte nur noch in ihren Träumen. Deshalb legen etliche von ihnen jetzt ihre eigene Währung auf. In der Tradition des Notgelds drucken sie stilvolle Fufziger und andere falsche Scheine«.
(Verwertungsgesellschaft Martin Droschke, Oliver Heß)

 

»In der Not druckt der Künstler Scheine«.
(VIR3, Werkstatt für erlesene Druckgraphik)

 

2021 wurden zwei Initiativen zur Herstellung von künstlerisch gestaltetem ›Notgeld‹ durch Kunstschaffende ins Leben gerufen, tätig u.a. in Grafik, Malerei, Theater, Sprachkunst oder Gesang. In der Zielrichtung sind beide Initiativen identisch, verschieden jedoch in Organisation, Produktionsstätten, Form und Drucktechnik. Und beide beziehen sich explizit auf die für sie existenziellen Folgen der Corona-Pandemie.
Die Coburger »Verwertungsgesellschaft«, ein lokales Kunstlabel, überließ es in ihrem deutschlandweiten Aufruf, potenziell Interessierten »KünstlerNotgeld zum ARTerhalt« zu entwerfen und »in einer handwerklichen Drucktechnik« selbst herzustellen. Entsprechend vielfältig war das Ergebnis (Abb. 1, 3, 5, 7–9, 12–13). Eine Gruppe niederrheinischer Künstler*innen hingegen hatte sich vorab auf eine Drucktechnik und einen zentralen Druckort, die Gocher Druckwerkstatt VIR³, festgelegt (Abb. 2, 4, 6, 10–11, 14). Der vorliegende Beitrag ist der Versuch einer Annäherung an diese Form des Künstlergeldes. Auf vergleichbare künstlerische Aktionen wie das Berliner Knochengeld oder Bearbeitungen echter Banknoten sei hier nicht eingegangen.

Abb. 3 (links): KünstlerNotgeld zum ARTerhalt, Verwertungsgesellschaft, Plakatwerbung in Coburg 2021, Instagram; Abb. 4 (rechts): Künstlernotgeld 2021, bearbeiteter Screenshot vom Webshop Atelier Rombold.
© Martin Droschke, Oliver Heß und Atelier Rombold

Notgeld mit Tradition?
Die Bezeichnung dieses Künstlergeldes als Notgeld entspricht nicht der gängigen Definition und damit auch nicht dem historischen Notgeld aus der Zeit vor 100 Jahren in Deutschland. Zwar herrschte 2021 zweifellos infolge der Corona-Pandemie eine gesamtgesellschaftliche Krise. Diese führte aber nur bei einem Teil der Gesellschaft zu einem dann existenziell bedrohlichen »Mangel an Geldzeichen« (s. Gabler Wirtschaftslexikon), weil die drastischen allgemeinen Schutzbestimmungen zur Eindämmung des Virus die Ausübung bestimmter Berufe für längere Zeit stark einschränkte oder unmöglich machte und staatliche Stützungsmaßnahmen nicht oder kaum wirksam auf sie zugeschnitten waren. Die »Versorgung der Bevölkerung mit staatlichen Zahlungsmitteln« (s. Historisches Lexikon Bayerns) insgesamt aber war zu keiner Zeit eingeschränkt. Insofern bestand auch kein Bedarf an der Einführung von Ersatzgeld (ibid.) bzw. provisorischer Zahlungsmittel (s. Wirtschaftslexikon24); als deren ausgebende Autoritäten in Notzeiten werden ausschließlich öffentliche Institutionen wie Städte, Kreise oder öffentliche Verbände vorausgesetzt.
Die Ideengeber des Coburger »KünstlerNotgelds« zerlegen diese Definition und besetzen die Positionen spielerisch neu (s. ARTerhalt, Selbsthilfeaktion). Das Corona-Virus tritt an die Stelle der Inflation als krisenhafte Ursache von Mangel an Geld; die Künstler*innen und Kulturschaffenden ersetzen die von der Krise akut betroffene Gesamtgesellschaft – zugleich aber auch die zur Emission von Ersatzgeld berechtigten Autoritäten. Die Aufforderung zur Selbstermächtigung wiederum könnte als Konsequenz gelesen werden aus dem in der Kreativbranche erlebten staatlichen Versäumnis einer ausreichenden Versorgung mit Zahlungsmitteln während des Lockdown-bedingten faktischen Berufsverbots.
Das KünstlerNotgeld wird offenbar auch in der Tradition des eigens für Sammler produzierten, künstlerisch gestalteten Notgelds während der Währungskrise in der Weimarer Zeit gesehen, das hohe Wertsteigerungen erfuhr (s. Die gefährlichen Nullen). Einige Künstler*innen nehmen mit ihrem Geld explizit darauf Bezug; dem trägt auch die Aufforderung der »Verwertungsgesellschaft« Rechnung, jeden Schein »auf der Rückseite entsprechend der Auflage« zu signieren und zu nummerieren. Mitunter allerdings scheinen manche Emittent*innen durch Nachdrucke selbst die Idee eines Anlageobjekts mit Wertsteigerung zu unterlaufen.
Das niederrheinische »Künstlernotgeld« knüpft explizit an das Coburger Projekt an und verweist zusammenfassend auf die »bedrohliche Lage der Kulturschaffenden« (s. VIR3, Pressemitteilung).

Vorgaben, Konditionen und Umsetzung des Corona-Notgeldes
Die Verwertungsgesellschaft machte keine strikten Vorgaben (s. ARTerhalt, Teilnahmebedingungen): Individuelle Gestaltung, Wertangaben und Auflagenhöhe konnten frei gewählt, eine Währung sollte nicht genannt werden; angefragt war eine »handwerkliche Drucktechnik«. Weitere Vorgaben waren der einseitige Druck im Format »eines realen Geldscheins« mit rückseitiger Signatur und Nummerierung.
Die Ergebnisse sollten auf der »Online-Wechselstube« der Verwertungsgesellschaft präsentiert werden mit den Angaben zu Urheber*in, Kontaktdaten, Technik, Ausführung, Auflage und Wert. Angesprochen werden sollten Leute, die die Scheine »1:1 in echte Euros eintauschen« möchten. Verkäufe sollten direkt mit den Teilnehmenden selbst abgewickelt werden, der Verkaufspreis vollständig den Urhebern zugutekommen. Stichtag für die Einreichung der Arbeiten war der Tag der Druckkunst am 15.03.2021.

Abb. 5: Gabriella Popp, experimentelle Kaltnadelradierung, Verwertungsgesellschaft.
© Gabriella Popp

Das Ergebnis zeigt sich wesentlich vielseitiger als die Vorgaben: Es finden sich mitunter Phantasiewährungen und Scheine im Format von Münzen (Abb. 5). Für die Herstellung nutzen die beteiligten Künstler*innen Linoldruck, Kaltnadelradierung, Siebdruck, Hochdruck und andere klassische Drucktechniken, dazu aber auch Fineprints, Digitaldrucke und (ungedruckte) Collagen (etwa »Wachs in Filz / Schrift in Wachs gedru[e]ckt, Tusche«). Sehr oft gibt es Mischtechniken (u.a. »Linodruck, digitalisiert, handkoloriert und genäht«; »Stempeldruck, Zeichnung, digitale Fotomontage«; »Linol- und Wachsdruck, Aquarellstift/Fineliner«; »Kartoffeldruck auf Lochkamerafoto«).

Einen anderen Weg beschreitet man am Niederrhein in Zusammenarbeit der Druckwerkstatt VIR³ in Goch mit dem Künstler Martin Lersch: Im Format einheitlich, ist jeder »Schein [...] individuell gestaltet und mit der Hand aus Linol geschnitzt« und »auf der Heidelberger Tiegelpresse professionell gedruckt«; die gedruckten Auflagen sind höher. Auch diese Scheine werden rückseitig nummeriert und signiert. Der Verkauf erfolgt lokal an verschiedenen Stellen und im Internet über den Webshop einer beteiligten Künstlerin (VIR3 2021). Der Hinweis auf das Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3 soll vermutlich Fälschungen vorbeugen.

Themen

Die Vielfalt an Motiven, künstlerischen Zitaten, Anspielungen und politischen Botschaften sei im Folgenden nur exemplarisch veranschaulicht.

1. Thema ›Geld‹ in verschiedenen Facetten

Abb. 6 (links): Martin Lersch »13«, Linolschnitt, Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3; Abb. 7 (rechts): Oliver Tissot (Wortakrobat und Lachverständiger), [R]aubdruck nach Druck durch mehrtägiges Tragen und eindrückliches Sitzen auf den Scheinen, die in meinem in der Gesäßtasche verstauten Portemonnaie deponiert waren; photogeshoptes Fake-Simile, einseitig bedruckt; Verwertungsgesellschaft.
© Martin Lesch und Oliver Tissot
Abb. 8 (links): Michael Jochum, Fotografie, Digitaldruck; Verwertungsgesellschaft; Abb. 9 (rechts): Günter Derleth, Kartoffeldruck auf Lochkamerafoto, Verwertungsgesellschaft.
© Michael Jochum und Günter Derleth

2. Botschaften und politische Kommentare

Abb. 10 (links): Klaus Franken »1001«, Linolschnitt, Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3; Abb. 11 (rechts): Janna Nielen »15«, Linolschnitt, Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3.
© Klaus Franken und Janna Nielen
Abb. 12 (links): Oliver Heß (Verwertungsgesellschaft), Linoldruck, zweifarbig von einer Platte, Verwertungsgesellschaft; Abb. 13 (rechts): Claudia Alt, Risografie und Holzschnittdruck; Verwertungsgesellschaft.
© Oliver Heß und Claudia Alt

3. Querbezug zum Coburger Notgeld

Abb. 14: Elisabeth Schink »5« Nr. 1, Linolschnitt, Wasserzeichen der Druckwerkstatt VIR3.
© Elisabeth Schink

(Georg D. Schaaf)

Quellen
a) Notgeld, Definition und Tradition
Historisches Lexikon Bayerns: Notgeld. http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Notgeld
Gabler Wirtschaftslexikon: Notgeld. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/notgeld-40186/version-263576
Wirtschaftslexikon24: Notgeld. http://www.wirtschaftslexikon24.com/e/notgeld/notgeld.htm, zuletzt aktualisiert am 13.05.2017
Die gefährlichen Nullen: Uli Röhm, Die gefährlichen Nullen, in: Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010. https://www.sueddeutsche.de/geld/notgeld-die-gefaehrlichen-nullen-1.1003787
b) Coburger Corona-Notgeld
ARTerhalt, Instagram. https://www.instagram.com/kuenstlernotgeld/?hl=de
ARTerhalt, Selbsthilfeaktion. http://www.kuenstlernotgeld.de/Arterhalt.html, zuletzt aktualisiert am 05.02.2022
ARTerhalt, Teilnahmebedingungen. https://www.nuernberg.de/imperia/md/zentral/dokumente/pressemitteilungen/2021/210128_2bmkukuq_kuenstlernotgeld-ausschreibung.pdf
c) Gocher Corona-Notgeld
VIR3, Pressemitteilung. https://vir3252195355.wordpress.com/2021/07/18/kunstlernotgeld-2021, zuletzt aktualisiert am 21.07.2021
Atelier Rombold. Webshop. https://www.marenrombold.de/kleiner-online-shop/
(Alle angegebenen Websites wurden zuletzt am 31.08.2022 geprüft)

August 2022

Münze des Monats

© Robert Dylka

Unter dem Vulkan. Die treue Pflicht der Elternliebenden

Katane (Sizilien), ca. 2./1. Jahrhundert v. Chr. (2,34g / 12 Uhr / 15mm)

Vs. Einer der katanischen Brüder (Amphinomos?) geht n. r. und trägt seinen Vater auf den Schultern.

Rs. KATA-[ΝΑΙΩΝ]. Der andere der katanischen Brüder (Anapias?) geht n. l. und trägt seine Mutter auf den Schultern.

Münzsammlung des Archäologischen Museums der WWU, Inv. M 3876

 

Das erste, was dem Betrachter dieser Münze ins Auge fällt, dürfte wohl der schlechte Erhaltungszustand sein. Doch aus Respekt vor der hohen moralischen Aussage des Münzbildes – um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen – wollen wir darüber hinwegsehen. Zum Trost sei bemerkt, dass es kaum bessere Stücke gibt.

Die Münze ist im Rahmen einer größeren Schenkung hellenistischer Prägungen durch den Bochumer Arzt Dr. Horst Rosenberg (1926-2015) im Jahre 2008 in den Bestand des Archäologischen Museums der Universität Münster gelangt.

Als Prägeort ist auf der Rückseite Katane, das heutige Catania, angegeben, eine Stadt an der Ostküste Siziliens am Fuße des Ätna, des größten und immer noch aktiven Vulkans Europas. Der Prägezeitraum lässt sich nur ungefähr auf das 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr. eingrenzen.

Das Münzbild illustriert eine in der Antike allseits bekannte Geschichte zweier Brüder, der sog. pii fratres, die uns von fast zwei Dutzend Autoren vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. überliefert ist. Lykurgos betont in seiner Rede gegen Leokrates (or. contra Leocratem 95) einerseits den legendenhaften Charakter, andererseits den Wert der Erzählung gerade für die Jugend. In der Zusammenschau sämtlicher Autoren (s. die Auflistung am Ende) ergibt sich das folgende Bild:

Bei einem Ausbruch des Ätna in unbestimmter Zeit, nur Claudius Aelianus (var. hist., frg. 2 Hense IV 626) gibt das Jahr 456 v. Chr. an, schob sich ein alles vernichtender Lavastrom auch auf Katane zu. Ringsum brannten die Felder und Wälder, rotglühend war der Horizont. Die Lava wälzte sich weiter talwärts, kam für viele schneller als es der erste Augenschein vermuten ließ. In Panik rafften die Bewohner ihre Habseligkeiten zusammen, sammelten ihre Gerätschaften, Waffen und andere Kostbarkeiten. Wieder andere nutzten die Gelegenheit und plünderten. So ging viel wertvolle Zeit verloren und durch ihre Lasten waren sie obendrein nicht flink genug, der tödlichen Glut zu entkommen. Sie verbrannten alle, ihre Habseligkeiten war ihnen unnütze Bürde.

Zwei junge Männer, in den meisten Quellen mit Amphinomos und Anapias benannt, bemerkten indes, dass ihre Eltern, langsam und alt, auf der Schwelle ihres Hauses niedergesunken waren. Schnell entschlossen griffen sie sich Vater und Mutter, um sie vor dem sicheren Tod zu schützen. Aber auch sie kamen unter ihrer ehrwürdigen Last nur schleppend voran, die Flammenströme würden auch sie bald erreichen, doch sie setzten ihre Eltern nicht ab. So waren wohl die Götter beeindruckt von so viel wahrer Elternliebe. Es teilte sich der schon gefährlich nahe Glutstrom hinter ihnen und umfloss sie rechts und links und wich dann auch vor ihnen aus. Einzig sie allein kamen mit dem Leben davon, blieben unversehrt.

In Katane wurden sie über Jahrhunderte wegen ihrer Eusebeia (lat. pietas) verehrt, am vermeintlichen Ort des Geschehens wurde ein Heiligtum errichtet, geschmückt mit Statuen aus Stein (Konon narr. 43), später wohl aus Bronze (Claudianus carm. min. 17). Die Stadt gab im 2./1. Jahrhundert v. Chr. eine Reihe von Kleinbronzen aus, Romolo Calciati unterscheidet vier Emissionen, die zumindest auf Sizilien selbsterklärend waren. Gut 100 Jahre später (um 40 v. Chr.) griff Sextus Pompeius das Thema noch einmal auf, da er mit der „Moral von der Geschicht“ seine Pläne der Weiterverfolgung der Ziele seines Vaters mit der unbedingten Liebe zum Vater untermauern konnte (RRC 520 Nr. 511,3, Abb. 1):

Abb. 1: Denar des Sextus Pompeius Magnus Pius mit seinem Vater Gnaeus Pompeius Magnus auf der Vs. und Neptun flankiert von den katanischen Brüdern auf der Rs., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Objektnummer 18207996
© Dirk Sonnenwald

Die Vorderseite zeigt den Kopf des Cn. Pompeius (106-48 v. Chr.), die Rückseite verbindet den Anspruch des Sextus als Beherrscher der Meere in Gestalt des Neptun mit seiner Verpflichtung gegenüber dem Vater (pietas), dargestellt durch die flankierenden katanischen Brüder.

Ein Beweis für die große Bekanntheit dieser anrührenden Erzählung in der gesamten antiken Welt ist die Tatsache, dass sowohl griechische als auch römische Autoren aus allen Teilen der Mittelmeerwelt sich der Geschichte bedienten, oft nur in Andeutungen, wie bei Martial (7,24) und Silius Italicus (14,196 f.), was offensichtlich verstanden wurde.

Die Anthologia Palatina (4.-6. Jahrhundert n. Chr.) überliefert uns im 3. Buch Epigramme, die sich auf Säulenbilder (sog. Stylopinakia) aus Kyzikos beziehen. Diese befanden sich am Tempel der Apollonis, der Mutter der Pergamenischen Könige Attalos II. und Eumenes II. Die beiden Königskinder wählten dafür Motive, die ihre Elternliebe illustrierten, zumindest ihre Liebe zur Mutter, darunter auch die Erzählung von den katanischen Brüdern. Erhalten hat sich bei diesem Motiv nicht das Epigramm, wohl aber die vorangeschickte Bildbeschreibung: „Auf der siebzehnten [Säule] sind Anapias und Amphinomos dargestellt, die bei einem Vulkanausbruch auf Sizilien nichts anderes als ihre Eltern rettend durchs Feuer forttrugen (Cyz. Epigr. 17, übers. H. Beckby). Aus der lokalen Erzählung wurde also mit der Zeit und im gesamten antiken Raum ein Allgemeinplatz, wie auch eine griechische Inschrift für einen Brunnen auf Euböa belegt, die sich dem hohen Ansehen der beiden Brüder bedient (IG XII 9,13, add. P. VII).

Zum Schluss sei noch die republikanische Prägung des Münzmeisters M. Herennius erwähnt (Abb. 2),

Abb. 2: Denar des M. Herennius mit Pietas auf der Vs. (die Beischrift PIETAS links i.F. ist wegen der dezentrierten Prägung außerhalb des Schrötlings) und einem der katanischen Brüder (oder Aeneas?) auf der Rs., Slg. M. Fehlauer
© Robert Dylka

der im Jahre 108/107 v. Chr. Denare prägen ließ, die auf der Vorderseite den Kopf der Pietas zeigen und auf der Rückseite einen nackten (jugendlichen) Mann, der einen offensichtlich älteren (bekleideten) auf seinen Schultern trägt (RRC I 317 Nr. 308,1). Hier könnte es sich auch um Aeneas handeln, der seinen Vater Anchises aus dem brennenden Troja trägt.

Schöner als auf unserem Münzbild kann man gelebte Eusebeia (lat. pietas) kaum darstellen. Durch eine innere Pflicht, die nicht reklamiert werden muss, bringt der Mensch seinen Eltern (den nächsten Verwandten, dem Herrscher und seinen Mitmenschen) den gebührenden Respekt und ein Bewusstsein der Verantwortung entgegen. Indem er sich so verhält, wie es die Tradition in den sozialen Beziehungen vorschreibt, ehrt er ganz von selbst auch die Götter.

(Michael Fehlauer)

Quellen

Lykurgos, Oratio contra Leocratem 95 f. – Pseudo-Aristoteles, De mundo 400a 33-400b 6. – Pseudo-Aristoteles, De mirabilibus auscultationibus 154. – Diodorus Siculus, Bibliotheca historica 20,101,3. – Konon, Narrationes 43. – Strabon, Geographica 6,2,3 oder 6,269. – Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 5,4 ext. 4. – L. Annaeus Seneca, De beneficiis 3,37,2. – Appendix Vergiliana: Aetna 604-646. – Martial, Epigrammata 7,24. – Silius Italicus, Punica 14,196 f. – Hyginus, Fabulae 254 a. – Apuleius, De mundo 34. – Pausanias, Descriptio Graeciae 10,28,4. – Claudius Aelianus, Varia historia Frg. 2 aus Stobaeus, Florilegium 4,25,38. – Flavius Philostratos, Vita Apollonii 5,17. – Gaius Iulius Solinus, Collectanea rerum memorabilium 5,15. – Decimus Magnus Ausonius, Ordo urbium nobilium 16/17. – Claudius Claudianus, Carmina minora 17. – Anthologia Palatina III 17.

Literatur

  • LIMC I,1 (1981) 717 f.; I,2 571 s. v. Amphinomos et Anapias (C. Arnold-Biucchi)
  • R. Calciati, Corpus nummorum Siculorum. La monetazione di bronzo III (Mailand 1987) 97-100
  • E. Ciaceri, Culti e miti nella storia dell’antica Sicilia (Catania 1911) bes. 50-54
  • A. Holm, Geschichte Siciliens im Alterthum I-III (Leipzig 1870-1898) bes. I (1870) S. 25 f. und S. 339 (Komm.)
  • C. Perassi, I Pii Fratres e il Pius Aeneas. Problemi circa l’iconografia di monete della Sicilia e dell’età repubblicana romana, Aevum 68, 1994, 59-87
  • R. Stupperich, Zu den Stylopinakia am Tempel der Apollonis in Kyzikos, in: E. Schwertheim (Hrsg.), Mysische Studien, AMS 1 (Bonn 1990) 101-109
Juli 2022

Münze des Monats

© K. Martin

Akrobatische Absteiger

  1. Kelenderis (Kilikien): Stater, ca. 440-400 v. Chr. (10,66g / 4 Uhr / 21mm)
    Vs. Jugendlicher nackter Reiter lässt sich seitlich von seinem n. r. springenden Pferd herabgleiten, die l. Hand am Zügel, in der r. Hand hält er eine Peitsche.
    Rs. [Κ]ΕΛEN. Ziegenbock kniet n. r., den Kopf zurückgewandt n. l. auf einer gepunkteten Abschnittslinie, darüber im Feld ein Monogramm aus A in O.
    Münzsammlung des Archäologischen Museums der WWU, Inv. 6391
  2. Motya (Sizilien): Didrachme, ca. 425-415/410 v. Chr. (8,13g / 9 Uhr / 22,9mm)
    Vs. Jugendlicher nackter Reiter lässt sich seitlich von seinem n. l. springenden Pferd herabgleiten, die l. Hand am Zügel, in der r. Hand hält er eine Peitsche.
    Rs. Weiblicher Kopf einer Nymphe n. r., die Haare hochgesteckt, gerahmt von vier Delfinen.
    Münzsammlung des Archäologischen Museums der WWWU, Inv. M 6242
     

Vom 16. Juni bis 18. September wird im Pferdemuseum Hippomaxx in Münster die Ausstellung »Das Pferd in der Antike. Von Troja bis Olympia« gezeigt. Gezeigt werden auch viele Münzen, die für alle Themenfelder der Ausstellung, von Pferdezucht und Dressur hin zu Mythen, Sport und Transport anschauliches Bildmaterial liefern. Die meisten Stücke stammen aus der Sammlung des Archäologischen Museums der WWU; darunter sind zwei griechische Silbermünzen klassischer Zeit aus Kelenderis in Kilikien (Abb. 1) und Motya, einer kleinen Insel westlich vor Sizilien (Abb. 2), die als Neuerwerbungen erst kürzlich in die Sammlung gelangt sind. Sie zeigen dasselbe ungewöhnliche Motiv: einen Reiter, der sich seitlich von seinem Pferd herabgleiten lässt.

Da man in der Antike ohne Sattel und Steigbügel ritt, gestaltete sich das Aufsteigen auf’s Pferd und das Absteigen vom Pferd anders als heute, fraglos komplizierter, und erforderte gesonderte Hilfsmittel (Tritthilfen o. ä.) bzw. überhaupt andere Techniken. So überliefert der griechische Autor Xenophon verschiedene Möglichkeiten des Aufsitzens: unter Zuhilfenahme des Bügels an einer Lanze (Xen. hipp. 7,1) oder auf die sogenannte persische Art, bei der sich der Reiter einer zweiten Person als Aufstieghilfe bediente (Xen. hipp. 6,12). Inwieweit der Reiter hierbei eine ›gute Figur‹ machte, sei dahingestellt. Was das Absteigen anlangt, so scheint das seitliche Herabgleiten eine elegant-sportliche Methode zu sein, die aber sicher nicht für jeden und jede Situation praktikabel war. Auch stellt sich die Frage, was ein solch technisches Detail auf einer Münze zu suchen hätte. Wurde hier tatsächlich ein für die Reiter-Repräsentation nebensächliches (oder gar unvorteilhaftes?) Moment abgebildet?

Eher nicht. Da das Pferd in Bewegung ist und nicht stillsteht, ist vermutlich kein alltäglicher Vorgang gemeint, sondern man mag eher an eine sportlich akrobatische Vorführung denken – ähnlich dem Voltigieren heute. Wettkämpfe, bei denen junge Männer zwischen galoppierenden Pferden hin- und herwechselten, von Pferden oder Pferdewagen auf- und abstiegen, sind uns aus der Antike bekannt. In seiner Beschreibung der Olympischen Spiele berichtet Pausanias 5,9,1-2 u. a. über Sportarten, die nur kurzzeitig Teil des Olympischen Programms waren. Dazu gehört die sogenannte Kalpe, ein auf Stuten gerittenes Rennen in acht Runden (als Disziplin in Olympia von 496 bis 444 v. Chr.):

… Die Kalpe geschah mit Stuten, und gegen Schluss des Rennens sprangen sie (= die Reiter) ab und liefen mit den Pferden, indem sie sie am Zügel hielten, wie es jetzt noch die sogenannten Anabaten machen … (Paus. 5,9,2)

Mit anabátes (griech. für ›der Aufsteigende‹) verweist Pausanias auf den sogenannten Apobaten-Agon (apobátes = griech. für ›der Absteigende‹), der sich bis in die römische Kaiserzeit hielt und bei dem der ›Beifahrer‹ während des Rennens vom Wagen ab- und wieder aufstieg. Im Fall des Olympischen Stutenrennens im 5. Jahrhundert v. Chr. waren es Reiter, die sich vor dem eigentlichen Ziel vom Pferd herabgleiten ließen, und ganz offenbar war diese Aktion offizieller Bestandteil dieser speziellen Reit-Disziplin.

So ein Moment zeigen die Münsteraner Münzen, die beide in klassischer Zeit geprägt wurden, allerdings in weit voneinander entfernten Regionen der antiken Welt: in Sizilien im Westen und Kilikien ganz im Osten des Mittelmeerraumes. Einige weitere Städte wie das kilikische Holmoi, das kalabrische Tarent in Unteritalien oder Himera auf Sizilien hatten es ebenfalls in ihrem Typenrepertoire. Und zwar ebenfalls in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. (also nach der Abschaffung der oben genannten Kalpe als Olympische Disziplin), nur in Tarent lief das Motiv weiter und wurde bis in frühhellenistische Zeit immer wieder gelegentlich aufgenommen (und hier sogar auf die andere Münzseite und auf den dortigen Delfinreiter und sein Herabgleiten übertragen).

Warum einige wenige Städte dieses besondere Motiv für ihre Münzen wählten, ist nicht klar. Trugen sie selbst Spiele aus, bei denen Wettkämpfe mit akrobatischen Einlagen auf dem Programm standen? Oder waren ihre Bürger an solchen Wettkämpfen (andernorts) siegreich gewesen? Auffällig ist die kurze und überall gleiche Zeitspanne, in der das Motiv an den verschiedenen Orten thematisiert wurde.

Motya (Abb. 2) zeichnet sich dadurch aus, dass die Stadt Münzmotive anderer Städte (womöglich unreflektiert) für sich übernahm. Wir können hier von einer Kopie der Münzen der sizilischen Stadt Himera ausgehen. Speziell in Kelenderis (Abb. 1) haben wir dagegen sicher eine bewusste Entscheidung, denn der Stadtname ließ sich mit verschiedenen Begriffen aus dem Pferdekontext in Verbindung bringen, wie kéles (griech. für ›Rennpferd‹) oder keletízein (griech. für ›auf [Renn-]Pferden als Kunstreiter reiten‹), so dass die Bürger mit dem Namen ihrer Stadt ›spielen‹ konnten und je nach Nominal verschiedene Pferdemotive nutzten.

(Katharina Martin)

Literatur

S. Ebers – A. Lichtenberger – H.-Helge Nieswandt (Hrsg.), Das Pferd in der Antike. Von Troja bis Olympia (Darmstadt 2022) 35 f. sowie 102 Kat. 54 und 55.

Juni 2022

Münze des Monats

© Stefan Kötz

Abtei Werden/Ruhr, Reichstaler 1636

Westfälisches Landesmuseum / LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münzkabinett, Inv.-Nr. 21870Mz

Silber, Gew. 28,662 g, Dm. 46,6-47,5 mm

Die Abtei Werden gehört zu den frühesten benediktinischen Gründungen in Nordwestdeutschland. Durch den Aufstieg ehemaliger Amtleute über die Ministerialität bis hin zu kleinen Landesherren wurde aus der einst reichen Großgrundherrschaft eine Fürstabtei mit vergleichsweise geringem Einkommen.

Das Münzrecht der Abtei ist unklar. Verwiesen wurde auf ein Privileg aus dem Jahr 974, durch welches von Kaiser Otto II. auf Fürbitte seiner Frau Theophanu dem Abt das Münzrecht in Werden und in Lüdinghausen übertragen worden sein soll (MGH DO II Nr. 88). Dieses ist jedoch zweifelhaft und gilt als Fälschung bzw. Verfälschung. Es muss aber ein historischer Kern darin stecken, da Werdener Münzen auf Duisburger Schlag von etwa 1080 überliefert sind und aus der gleichen Zeit auch Prägungen aus Lüdinghausen auf münsterischen Schlag. In letzterem Ort hatten die Mönche einen großen Amthof, der Mittelpunkt ihrer Besitzungen im südlichen Münsterland war. Möglicherweise hat die Abtei um diese Zeit eine vorhandene Münzrechtsverleihung eigenmächtig in einer selbstgefertigten Neufassung um Lüdinghausen erweitert.

Durch die Reichsmünzordnung 1566 und die anschließende Bildung von Probationstagen beim Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, der gewissermaßen die Oberaufsicht über die Münzprägung der münzberechtigten Reichsstände ausübte, war die Münzprägung der Abtei abhängig von der Zustimmung anderer Staaten. Zwar wurden die Münzberechtigung und auch das vorgelegte Privileg von 974 nicht in Zweifel gezogen, wohl aber die Unterhaltung einer eigenen Münzstätte. Die große Zahl von Münzwerkstätten wurde als Quelle mancher monetären Krisen drastisch reduziert und diejenigen Mitgliedsstaaten, denen keine ›Kreismünzstätte‹ zugebilligt wurde, sollten fremde Münzstätten nutzen. So ließ Abt Heinrich Duden (1573-1601) außerhalb der Fürstabtei prägen. Hierbei ließ sich kein Gewinn erwirtschaften, so dass es ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Prestiges und der demonstrativen Wahrnehmung eines Rechts von Interesse war. Am Ende des 16. und im frühen 17. Jh. gelang es allerdings vielen weltlichen und geistlichen Territorien mit diplomatischen Anstrengungen dennoch in den Kreis der zugelassenen Prägestätten aufgenommen zu werden. Die Abtei Werden ging aber einen anderen Weg und erreichte 1614 vom Nachbarland Herzogtum Jülich-Berg, in dem nach Aussterben der Herzogsfamilie 1609 die Markgrafen von Brandenburg und der Kurfürst von Pfalz-Neuburg gemeinsam als ›Possedierende Fürsten‹ regierten, die Überlassung von deren Münzstätte in Mülheim, unmittelbar vor den Toren der Reichsstadt Köln. Der Standort war wichtig, weil sich von dort sowohl in Köln Silber beschaffen ließ als auch angesichts der sehr hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt am Rhein in deren Märkten die fertigen Münzen absetzen ließen. Die Münzprägung in Mülheim führte jedoch zu einem Crash, weil der sie organisierende Münzunternehmer Wintgens (oder Wijntgens) zur Erreichung besserer Gewinne mit seiner Familie die Geschäfte in mehreren Städten abwickelte und die Münzen kontinuierlich im Feingehalt verschlechterte. 1617 schließlich wurde der Münzmeister in Düsseldorf verhaftet und der Abt mit Vorwürfen konfrontiert. Dass er von den Aktivitäten nichts hätte mitbekommen können, ist kaum vorstellbar, gilt aber ebenso für die Verwaltung des Herzogtums Jülich-Berg.

Nach dem Fiasko 1617 machte die Abtei lange Zeit keinen Gebrauch von ihrem Münzrecht. Seit 1614 war Hugo Preutaeus Abt. Eröffnet worden war die Werdener Münzstätte in Mülheim noch unter seinem Vorgänger Konrad Kloedt. In der Phase 1614 bis 1617 waren laut Angaben der Münzgesellen bei den Untersuchungen gegen den Münzmeister auf Befehl des Abts im Oktober 1616 und im Frühjahr 1617 viele derartige vierkantige Abschläge hergestellt habe. Der Brauch solche Spezialabschläge mit den Stempeln kursfähiger Münzen herzustellen war um 1580 aufgekommen. Sie wogen mehr als die normalen Münzen und enthielten mehr Edelmetall, waren aber auch nicht für den Münzumlauf gedacht. Sie wurden vielmehr Personen geschenkweise ›verehrt‹, die man für wichtig hielt. Sie könnten dann entweder als Schaustück aufbewahrt oder mit einer Öse an einer der Spitzen als Schmuck getragen werden.

Hugo Preutaeus stammte wahrscheinlich aus einer Ratsfamilie in Essen. Die meisten frühneuzeitlichen Äbte in Werden waren Mitglieder reicherer Bürgerfamilien und nicht aus dem Adel. Wahrscheinlich war er 1602 als Novize in das Kloster eingetreten. Um 1607 wurde er zum Priester geweiht. 1610 war er Pastor der Clemenskirche in Werden. 1614 erfolgte die Abtswahl. Er machte also relativ schnell Karriere. Aber die Zeit war überaus schwierig. In der Stadt Werden konnte der Abt die dauerhafte Durchsetzung des evangelischen Glaubens nicht verhindern. Der 1618 beginnende Dreißigjährige Krieg erreichte auch die Gegend an der Ruhr. 1629 wurde Werden von niederländischen Soldaten besetzt, eine Plünderung nur durch Geldzahlung verhindert. Die Besatzer unterstützten die örtlichen Reformierten, die auch enge Beziehungen zur brandenburgischen Regierung in Emmerich hatten. Der Abt ließ die Schätze der Abtei wie auch deren Archiv in das Benediktinerkloster St. Pantaleon in Köln bringen, wo sie vergleichsweise sicher waren. Auch die meisten Konventsmitglieder flüchteten, teils nach Köln, teils nach Düsseldorf, wo der Abt ein Haus anmietete und sich häufig aufhielt. 1632 wurde Werden von schwedischem Militär überfallen und ausgeplündert. 1633 wurden die Niederländer als Besatzer von den Hessen abgelöst, die ebenfalls die Reformierten gegen die Katholiken und Lutheraner unterstützten. 1636 jedoch konnten kaiserliche Truppen sich in Besitz von Werden setzen. Unter Datum des 1.12.1636 wurde ein kaiserliches Mandat ausgestellt, das die brandenburgischen Gelüste auf Werden bremste. Die abteiliche Landeshoheit wurde wiedererrichtet.

In dieser Situation entstand eine große silberne Münze. Sie entsprach in ihrem Gewicht den Reichstalern der Reichsmünzordnung, zielte aber kaum darauf, in den Geldumlauf zu gelangen. Dass ein Exemplar davon sich heute im auf die kaiserlich-habsburgische Sammlung zurückgehenden Münzkabinett in Wien befindet, dürfte kein Zufall sein. Der Brauch, wichtigen Entscheidungsträgern, repräsentative Münzgeschenke zu machen, war von Abt Hugo ja schon 1616/1617 bedient worden. Andere Staaten ließen in den 30er-Jahren unter Aufbringung aller Silberreserven Taler prägen, obwohl die Kosten dafür den Nennwert überstiegen. Der kriegsnotwendige Aufbau von Militäreinheiten machte dies notwendig. Das dürfte aber in dem Kleinstaat Werden kaum der Grund gewesen sein. Mit rund 47 mm Durchmesser war die neue Prägung im Durchmesser größer als die im Umlauf befindlichen Taler. Auch war der gestalterische Aufwand höher als bei Kursmünzen. Der äußere Rand der Prägestempel war beidseitig dekorativ mit Riffeln eingefasst. Die Hauptseite zeigt das Konterfei des Fürstabts in Seitenansicht nach rechts. Unten ist das Landeswappen der Fürstabtei, zwei überkreuzte Krummstäbe, die auf ein Kreuz aufgelegt waren, zu sehen. Zwischen dem äußeren Zierrand und einem inneren Kerbkreis ist mit gleichmäßig verteilten Buchstaben, die mit Punzen in das Eisen des Stempels eingesenkt wurden, zu lesen: ֎HVGO D(ei) G(ratia) WERDINENSI – VM ET HELMONST(edensium) ABBAS (»Hugo, von Gottes Gnaden, Abt der Werdener und Helmstedter«). Die Abtei Helmstedt im Harzvorland war eine Gründung von Werden gewesen und der Werden Abt auch das Oberhaupt des dortigen Konvents. Verfassungsrechtlich waren beide Abteien in Personalunion verbunden, aber eigenständige Einheiten. Abt zweier Abteien zu sein, erhöhte aber das Ansehen. Faktisch war Helmstedt schon am Ende des 15. Jhs. mit Ausnahme der Gebäude an die Herzöge von Braunschweig verpfändet. Die Rückseite zeigt den doppelköpfigen Reichsadler mit aufgelegtem Reichsapfel und darüber befindlicher Krone. Die Umschrift FERDINANDVS II D(ei) G(ratia) ROM(anorum) IMP(erator) SEMPER AVGVSTVS. Die Darstellung des Reichsadlers und die Nennung des Kaisers war 1636 bei landesfürstlichen Münzen nicht mehr üblich und wurde nur von Reichsstädten wie Frankfurt und Nürnberg praktiziert. Wenn sie hier praktiziert wurden, dann war der kaiserliche Hof der Adressat. Außerdem wurde damit der Status einer Reichsabtei zum Ausdruck gebracht.

Alle bekannten Exemplare stammen aus demselben Stempelpaar. Die Prägemenge dürfte dementsprechend nicht sehr groß gewesen sein. Entgegen den Vorschriften der Reichsmünzordnung ist auf dem Taler kein Zeichen eines Verantwortung tragenden Münzmeisters angegeben. Dennoch lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Urheber benennen. Wie schon erwähnt, hielt sich Hugo Preutaeus einen Großteil der Zeit in Düsseldorf auf. In Frage kommt der 1636 in Düsseldorf vom Herzogtum Jülich-Berg neu angestellte Münzmeister Simon Huber, der von Haus aus Goldschmied war. Goldschmiedeobjekte sind allerdings von ihm nicht erhalten. Bis 1665 bekleidete er das Amt. Er wird auch als »Conterfaitter« bezeichnet, stellte also offensichtlich Bildnisse her und schnitt Münzstempel, was aber vom Westfälisch-Niederländischen Kreis nicht gestattet wurde, da das Monopol beim Kreiseisenschneider liegen sollte. Würden Münzmeister sich ihre Stempel selber schneiden, hätte der Kreis keine Kontrolle mehr, was in den Münzstätten im Kreis entstand.

(Peter Ilisch)

Literatur

  • H. Spaeth, Das Münzwesen der Reichsabtei Werden unter Abt Hugo Preutaeus. Beiträge zur Geschichte von Stift und Stadt Essen 70, 1955, S. 119-132
  • W. Stüwer, Die Reichsabtei Werden a. d. Ruhr, Germania Sacra N.F. 12. Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln, Das Erzbistum Köln 3 (Berlin – New York 1980)
Mai 2022

Münze des Monats

Abb. 1: Mehrfach gelochte Luthermedaille
© B. Thier

Mit Martin Luther geht es rund – oder: Wie man eine Medaille zum Schnurren bringt

VS: Dr. Martin Luther. Darstellung Martin Luthers im Predigttalar auf einem Zierstrich stehend, der einen Fußboden andeutet; neben ihm ein Altar mit Altartuch und der Abbildung der Lutherrose, auf dem ein aufgeschlagenes Buch mit der Aufschrift Bi-bel steht, das Luther mit der linken Hand stützt. In der Rechten hält er einen Kerzenleuchter mit einer langen brennenden Kerze. Zu seinen Füßen steht ein Schwan mit einem Ölzweig im Schnabel. Unter dem Zierstrich steht: Suchet in der Schrift / Joh. 5:39

RS: Text in sieben Zeilen unter zwei Eichenzweigen, die mit einer Rosette verbunden sind: Die / Dankbare Jugend / feiert / Luthers Andenken / den 31. Oktober / und 1. Novemb. / 1817.

Die Beschreibung der vorliegenden, schlecht erhaltenen Medaille erfolgte nach vorzüglich erhaltenen Exemplaren.

Blei-/Zinnlegierung, gegossen, Dm 44,4 mm, 16,78 g, entfernter Henkel, dreifach gelocht, Dm der Lochungen 3,8–4,1 mm (Slg. B. Thier)

Literatur: Brozatus 2015, Nr. 1275

Sammler und Museen suchen und freuen sich meist über ein besonders gut erhaltenes Exemplar einer Münze oder Medaille. Nicht unerheblich sind hierbei der antiquarische und somit der finanzielle Aspekt möglichst perfekt erhaltener Originale. Numismatisch kann aber auch gerade eine schlechte Erhaltung, die auf eine besondere Verwendung zurückgeht, interessante Hinweise zu einem kulturgeschichtlichen Aspekt liefern. Hier soll eine dreifach gelochte und stark korrodierte Medaille auf das 300-jährige Jubiläum des Beginns der Reformation aus dem Jahr 1817 mit der Darstellung Martin Luthers vorgestellt werden, die offenbar im Laufe der Zeit ein ›schweres Schicksal erleiden‹ musste.

Erworben wurde die Medaille im Februar 2021 auf der Internetplattform Ebay. Da es sich aufgrund der deutlichen Korrosion (Bleioxyd) und anhaftender Eisenoxydablagerungen eindeutig um einen Bodenfund handelt, wurde vor dem Kauf die Herkunft geklärt. Der Verkäufer versichert glaubhaft, dass es sich nicht um einen modernen Sondengängerfund handelt, dessen Verkauf aus rechtlichen und ethischen Gründen nicht erlaubt wäre. Die mitgeteilte Provenienz dieser demnach als Altfund anzusprechenden Medaille lieferte im Nachhinein wichtige Hinweise auf eine mögliche regionale Herkunft. Die Art der doppelten Lochung ließ den Verkäufer in seinem Angebot an die grobe Umarbeitung der Medaille zu einem Knopf denken. Als solches Kuriosum wurde das Stück erworben.

Die Erhaltung erschwerte zunächst die Entzifferung der Inschriften und die Interpretation der allegorischen Bildsprache der Darstellung auf der Vorderseite dieser wohl eher seltenen Medaille, die in vielen bedeutenden Sammlungen von Münzen und Medaillen auf die Reformation fehlt. Die Beschreibung erfolgte nach dem Exemplar der Kunstsammlungen der Veste Coburg, Inv.-Nr. Med. 436 #bitte hinterlegen mit https://bavarikon.de/object/bav:KVC-LUT-0000000000075444# (Durchmesser: 43,5 mm, Gewicht: 19,98 g, mit angegossener Öse) und dem von Klaus-Peter Brozatus beschriebenen Exemplar der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

Auf der Vorderseite ist der Name des Reformators Dr. Martin Luther (1483–1546) angegeben. Dieser steht, gekleidet in einen Talar, neben einem Altar, auf dem ein aufgeschlagenes Buch mit der Aufschrift Bibel steht, was auf Luthers Leistung der Bibelübersetzung anspielt. Das Altartuch ziert die Lutherrose, sein von ihm selbst entworfenes Wappen. In der rechten Hand hält Luther einen Kerzenleuchter mit einer brennenden Kerze. Diese Darstellung spielt ebenfalls auf seine Übersetzung der Bibel an, denn er habe dadurch den Scheffel vom Licht des wahren Gotteswortes genommen, was sich wiederum auf eine Aussage bei Matthäus 5,15 bezieht: »Auch zündet man nicht ein Licht an und setzte es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen, die im Haus sind.« Der Leuchter mit der brennenden Kerze versinnbildlicht daher zum einen das Wort Gottes im Text der Bibel, steht aber zum anderen auch als Metapher für die Reformation im Allgemeinen, den Prozess der Erleuchtung und der Vertreibung der ›päpstlichen Dunkelheit‹.

Zu Luther Füßen steht ein Schwan, der vielfach als allegorisches Symbol seiner Person dargestellt wird und eine Anspielung auf seinen ›Vorgänger‹ ist, den böhmischen christlichen Theologen, Prediger und Reformator Jan Hus (um 1370–1415). Ihm wird als Zitat eine Prophezeiung zugeschrieben, die er auf dem schon brennenden Scheiterhaufen bei seiner Hinrichtung als Ketzer ausgerufen haben soll: »Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.« Der Name Hus dient hierbei als Wortspiel, denn auf Tschechisch bedeutet Husa Gans. Mit dem Schwan wurde daher Luther assoziiert und der Vogel so zu seinem Symboltier, das auf Gemälden, in der Grafik, im Kunsthandwerk und eben auch auf Medaillen vor allem im 17. bis 19. Jahrhundert vielfach abgebildet wird. Ungewöhnlich ist die Darstellung mit einem Ölzweig im Schnabel, der als Friedenszweig aus der Hand Gottes zu interpretieren ist, in Anspielung auf die Friedenstaube mit dem Ölzweig aus dem Alten Testament im Zusammenhang mit der Arche Noah und dem Ende der Sintflut.

Das 300-jährige Jubiläum der Reformation fiel 1817 in eine schwere Zeit. 1813 war Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen worden und dadurch die Herrschaft der Franzosen über weite Teile des damaligen Deutschlands beendet. Der Jubel über die Errettung aus der französischen Fremdherrschaft paarte sich mit der Freude über die Glaubensfreiheit. 1815 kam es durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien zu einer weltweiten Klimaverschlechterung aufgrund der Verdunklung der Sonne durch Aschewolken, die 1816 und 1817 zu Missernten in Europa führte. Auch in den deutschen Landen kam es zum Anstieg der Lebensmittelpreise und zu Hungersnöten.

Die Verehrung Martin Luthers für seine historischen Veränderungen und Errungenschaften führten zu einer Art ›Personenkult‹, welche viele Erinnerungsstücke, Grafiken und auch Medaillen mit seinem Bildnis hervorbrachte. Die vorliegende Medaille stammt aus einer Serie anonymer Zinnmedaillen aus dem Jahr 1817, die wohl in sächsischen bzw. erzgebirgischen Zinngießereien hergestellt, d.h. gegossen und nicht geprägt wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts war diesen Werkstätten nach und nach die Existenzgrundlange abhandengekommen, da die wohlhabenden Bürger nun oft statt Zinngeschirr edleres Geschirr aus Steingut und Porzellan kauften. Der Absatz für Zinngefäße und Teller bracht fast vollständig ein. Manche Betriebe stellten aus dieser Not heraus Medaillen oft in kleinen Auflagen für den lokalen Markt her.

Das komplexe Motiv auf der Vorderseite geht auf eine bereits 100 Jahre ältere Medaille von Christian Wermuth (1661–1739) von 1717 zurück (Slg. Whiting Nr. 322; Schnell 1983, Nr. 171), dem herzoglich-sächsischen bzw. königlich-preußischen Hofmedailleur in Gotha, einen der produktivsten Medailleure des 18. Jahrhunderts. Er hatte 1717 zahlreiche Medaillen auf das Reformationsjubiläum und 1730 auf das Konfessionsfest gestaltet, die wiederum Vorbilder für viele Medaillen des 18. und 19. Jahrhunderts wurden. Aber auch Wermuth hatte sich möglicherweise zu dieser Bildsprache inspirieren lassen. Der Medaillier Willem van de Wys aus Amsterdam (NL) hatte ebenfalls 1717 eine deutlich detaillierter – bildlich in Teilen jedoch identische Medaille – mit anderer Aussage gefertigt (Slg. Whiting Nr. 150/151; Schnell 1983, Nr. 130; Brozatus 2015, Nr. 842). Dort erscheint über Luther eine Hand aus den Wolken, die ihn mit einem Lorbeerkranz dekoriert. Außerdem steht er auf Schriften, Urkunden und Ablassbriefen mit Siegeln und tritt auf die päpstliche Tiara, was eine deutliche Kritik an der römisch-katholischen Kirche darstellt. Der unbekannte wohl sächsische Zinngießer dürfte zumindest die Medaille von Wermuth im Original oder durch eine Abbildung gekannt haben.

Unter der Szene der Vorderseite ist der Beginn des Verses Johannes 5,39 zu lesen: »Suchet in der Schrift« (denn ihr meinet, ihr habet das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeuget). Auch dieses Zitat bezieht sich auf die Bibel und ihre Bedeutung – in der Übersetzung Luthers – für die Reformation, was wiederum die Wirkmächtigkeit der Heiligen Schrift und ihrer Worte hervorheben soll.

Die fast schmucklose Rückseite gibt an, dass die dankbare Jugend Luthers Andenken am 31. Oktober und 1. November 1817 feiert. Der 31. Oktober war bereits für die Säkularfeiern zum 100. und 200. Jubiläum des ›Geburtstags‹ der Reformation begangen worden und wird es bis heute jährlich am Reformationstag. Erinnert wird hierbei an den sogenannten Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517. Der ebenfalls erwähnte 1. November war der eigentliche Feiertag des Jubiläums, der 1817 auf einen Samstag fiel und somit möglicherweise und ausnahmsweise ein freier Tag für die Schüler war.

Zahlreiche Medaillen wurden 1817 zum Reformationsjubiläum der »Schuljugend«, d.h. den meist männlichen Schülern, ›verehrt‹, also von Städten, vertreten durch die Stadträte, oder kirchlichen bzw. schulischen Einrichtungen geschenkt, oft mit der Nennung der jeweiligen Stadt. Eine sehr ähnliche Medaille mit fast identischer Rückseite (Slg. Whiting Nr. 560) wurde vermutlich in derselben Werkstatt gefertigt: »Mansfelds / Dankbare Jugend / feiert / Luthers Andenken / den 31. Oktober / 1817.« Die Zinngießerei, in der die vorliegende Medaille gefertigt wurde, dürfte daher im Raum Mansfeld / Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt zu suchen sein. Dies ergibt sich auch aus der Provenienz der Medaille: Sie stammt aus dem Nachlass eines heimatverbundenen Vorfahren des Verkäufers. Dieser hieß Otto Reuschert und war Anfang des 20. Jahrhunderts Konrektor der Knaben-Mittelschule in Merseburg und Martin Luther sehr verbunden. So sammelte er u. a. Bücher über die Reformation und Medaillen auf den Reformator. Wie er in den Besitz der stark verunstalteten Luthermedaille kam, ist unbekannt, vielleicht wurde sie von einem Schüler irgendwo gefunden und dem Lehrer geschenkt. Möglicherweise wurde sie daher 1817 in Merseburg oder zumindest im dortigen Raum, an den Schulen ausgegeben.

Was aber passierte mit der Medaille, nachdem sie offenbar am 31. Oktober 1817 in Mitteldeutschland an einen Schüler einer unbekannten Schule in einer unbekannten Stadt verteilt wurden? Ursprünglich war sie mit einer angelöteten Öse versehen, konnte und sollte demnach sichtbar als eine Art Abzeichen zur Erinnerung an das Jubiläum getragen werden, vielleicht auch bei einem Umzug durch die Stadt. Die Öse ist später abgebrochen, daher wurde die Medaille nachträglich oben grob gelocht und konnte wiederum an einem Band getragen werden, bis auch diese Lochung ausriss. Später wurden mittig zwei große Löcher eingebohrt, was den Verkäufer der Medaille an die Umarbeitung zu einem Knopf denken ließ. Mit einem Durchmesser von etwa 4,5 cm und einem Gewicht von ca. 17 g war sie jedoch zu groß und zu schwer für eine solche Verwendung. Offenbar noch später entstand ein Riss von der oberen Lochung zu den beiden mittleren Löchern.

Abb. 2: Textilgewichte, Blei, gegossen, Dm 26,6 bis 32,7 mm, Gewicht 13,6; 14,3; 19,9 und 27,9 g, um 1900 (Slg. B. Thier)
© B. Thier

Bereits vor dem Kauf hatte der Verfasser spontan an die Nutzung als Textilgewicht gedacht, die es in gegossener Form aus Blei seit dem 19. Jahrhundert in runder, oft auch zweifach gelochter Ausführung in jener Größe und jenem Gewicht gab (Abb. 2).

Sie wurden in Kleider oder anderen Gewändern sowie in Übergardinen als Gewichte eingenäht, damit die Stoffe besser ›fielen‹. Aber auch diese Interpretation überzeugt nicht.

Die umgearbeitete Medaille gleicht in der Form, dem Material und mit den beiden großen Lochungen nämlich auch noch einem ungewöhnlichen Kinderspielzeug, einem sogenannten Schwirrer (Abb. 3).

Abb. 3: ›Schwirrer‹, Blei, gefertigt aus einem Stück Dachblei, Dm ca. 32–35 mm Gewicht 11,5 g, 17./19. Jh. (Slg. B. Thier).
© B. Thier

Solche primitiv gestalteten, auch ›Schnurrer‹, ›Schwirrholz‹, ›Brummer‹ oder ›Brummknopf‹ genannten einfachen Klanginstrumente konnten auf vielfältige Weise und aus unterschiedlichen Materialien gefertigt werden. Sie treten in archäologischen Zusammenhängen bereits seit der Antike auf. Bis ins Mittelalter hinein wurden hierfür oft kleine Knochen von Schafen oder anderen Säugetieren verwendet, meist Mittelfußknochen. Stäter nahm man runde Scheiben aus Holz, Pappe oder auch aus Blei und seit dem 19. Jahrhundert auch gerne große Knöpfe mit zwei oder vier Löchern.

Ein ›Schnurrer‹ besteht aus einem festen Mittelteil, durch den eine Schnur gezogen wird, die mit beiden Händen festgehalten wird. Dann wirbelt man das Mittelstück, also die Scheibe, mehrfach herum und zieht dabei die Schnur auseinander (Abb. 4). Hierbei beginnt der ›Schnurrer‹ sich extrem schnell um die eigene Achse zu drehen und die Schnur wird dadurch in umgekehrter Richtung aufgewickelt. Dies kann man dann beliebig oft wiederholen, das Ein- und Ausdrehen erzeugt durch die enorme Rotation des ›Schnurrers‹ ein schnurrendes bis brummendes Geräusch. Je nach Geschwindigkeit und Oberflächenbeschaffenheit des ›Schnurrers‹, der im technischen Sinne ein Torsionspendel (Oszillator) darstellt, bei dem das regelmäßig wechselnde Auseinanderziehen und Nachlassen der Schur eine Rückkopplung bedingt, die somit eine gleichmäßige Oszillation ermöglicht.

Abb. 4: Verwendung der Medaille als ›Schwirrer‹
© B. Thier

Im Fall der vorliegenden Medaille führte der Schaden an der oberen ausgerissenen Lochung zu einer besonderen Luftbrechung, die den Ton des sonst perfekt glatten Randes zusätzlich deutlich verstärkte, als wenn der Rand perfekt glatt gewesen wäre. Daher werden Schnurrer oft mit Zacken an der Kante versehen, um eine größere Lautstärke zu erzeugen. Bei der nun zu einem Spielzeug umfunktionierten Medaille ging es im wahrsten Sinne des Wortes ›rund‹, auch mit dem dargestellten Martin Luther. Dies war sicherlich nicht im Sinn der ehemaligen Auftraggeber der Erinnerungsmedaille, aber Kinder waren schon immer kreativ, wenn es darum ging, Dinge umzuwandeln und für ihre spielerischen Zwecke zu nutzen.

Die vorliegende Medaille, so schlecht erhalten und unscheinbar sie auch heute 200 Jahre nach ihrer Entstehung erscheinen mag, hat demnach eine sehr wechselvolle Geschichte zu erzählen. Sie war ursprünglich ein Erinnerungsobjekt, wurde als Schmuckstück getragen, als Kinderspielzeug verwendet, ging irgendwann verloren oder wurde entsorgt, wurde wiedergefunden, gelangte in eine Sammlung von Lutherdevotionalien und steht heute der numismatischen und kulturgeschichtlichen Forschung zur Verfügung. Sie ist somit ein interessantes Objekt vergessener Alltagskultur sowie der Lutherrezeption.

Dieses Beispiel lehrt aber auch, dass manchmal die unscheinbaren und eigentlich sammelunwürdigen sogenannten Belegstücke spannendere Geschichte(n) erzählen können als perfekt erhaltenen Münzen oder Medaillen.

(Bernd Thier)

Literatur

  • K. P. Brozatus, Reformatio in Nummis, Annotierter Bestandskatalog der reformationsgeschichtlichen Münz- und Medaillensammlung der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt I,2 (Osnabrück 2015) hier S. 912–913, 919 Nr. 1275
  • G. Dethlefs, Luther und das Licht. Zur Ikonographie der Reformation auf Münzen und Medaillen, in: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte 68, 2018, S. 349–378
  • I. Frese – J. Datow, Martin Luther und seien Zeit auf Münzen und Medaillen (Schwetzingen 1983)
  • M. Schlüter, Münzen und Medaille zur Reformation 16. bis 20. Jahrhundert. Aus dem Besitz des Kestner-Museums Hannover (Hannover 1983)
  • Sammlung Prof. Robert B. Whiting, Martin Luther und die Reformation auf Münzen und Medaillen, Auktion Spink & Son Numismatics Ltd., Zürich / C. E. Bullowa Coinhunter, Philadelphia, 19.-20. April 1983 (Waldkirch 1983)
  • H. Schnell, Martin Luther und die Reformation auf Münzen und Medaillen (München 1983)
  • E. Doerk (Hrsg.), Reformation in Nummis. Luther und die Reformation auf Münzen und Medaillen, Katalog zur Sonderausstellung auf der Wartburg (Regensburg 2014)

Internetquellen:

(Die zitierten Websites wurden zuletzt am 27.04.2022 abgerufen)

April 2022

Münze des Monats

Abb. 1: Halb gebogenes Eberzahnpaar
© Sammlung Köhler-Osbahr/Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg

Eine runde Sache – Eberzahngeld aus Vanuatu

Vanuatu ist ein östlich von Australien gelegener Inselstaat, der aus mehr als 80 Inseln und Inselgruppen besteht. Dieser Staat gilt als einer der ärmsten der Erde – zugleich aber auch als einer der glücklichsten der Welt. Dass das zusammenpasst, hängt, jedenfalls nach Meinung einiger, mit Eberzähnen zusammen! Aber beginnen wir von vorne:

Vor allem auf den nördlichen und mittleren Inseln dieses Archipels gilt der Besitz von Schweinen traditionell als Zeichen von Wohlstand (Abb. 2).

Abb. 2: Junges Schwein
© CC BY 2.0

Doch nicht jedes Schwein ist gleich wertvoll: Sein Wert wird von der Größe und der Biegung seiner unteren Eckzähne bestimmt – je größer und runder ein solcher Zahn ist, desto besser (Abb. 3).

Abb. 3: Unterkiefer eines Schweins
© CC BY-SA 2.0

Um dies zu erreichen, müssen zunächst die gegenüberliegenden Zähne im Oberkiefer des männlichen Ferkels herausgebrochen werden, so dass die unteren Hauer ungehindert wachsen können. Allerdings wachsen die Zähne dabei teilweise in das Fleisch des Tieres – ein sehr schmerzhafter Prozess! Bis die Zähne einfach gerundet sind, vergehen sieben Jahre. Im Idealfall wachsen die Zähne noch ein zweites und drittes Mal im Kreis, so dass ein entsprechend dicker, mehrspiraliger Zahnreif entsteht, der die Tiere teilweise derart behindert, dass sie gefüttert und mit der Flasche ernährt werden müssen. Diese Zahnringe erfordern also viel Zeit und Arbeit. Doch wozu der Aufwand?

Die spiralbezahnten Eber spielten traditionellerweise vor allem im sozialen Gefüge sowie im Kontakt mit der Sphäre der Ahnen eine wichtige Rolle. Insbesondere in den nördlichen Regionen Vanuatus wurde die Gesellschaft durch Rangsysteme, teilweise auch durch Geheimbünde, strukturiert, die meist den Männern vorbehalten waren. Durch das Opfern oder Verschenken von Schweinen konnte man sich einen Rang ›erkaufen‹. Für den Aufstieg in diesem Gefüge war neben den Schweinen jedoch auch das traditionelle Wissen der Ranghöheren und damit ihre Unterstützung nötig. Das Wissen, um dessen Aneignung es hier ging, war das Wissen um die Welt der Ahnen. Nur wer einen der höheren Ränge innehatte, besaß die Fähigkeit, mit den Ahnen in Kontakt zu treten. Die Ansammlung von Kapital allein reichte also nicht aus, sondern man benötigte überdies die Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen, um in das für den Aufstieg nötige Wissen eingeweiht zu werden. Während der Zeremonien wurden die Schweine zum Teil geopfert, zum Teil aber auch unter den anderen Anwesenden verteilt.

Die Dauer, die es braucht, ein Schwein mit gebogenen Zähnen aufzuziehen, sorgte dafür, dass Rangerhöhungen nur in relativ großen zeitlichen Abständen stattfinden konnten. Die Anzahl der nötigen Schweine stieg mit der Höhe des Rangs, den zu bekleiden man trachtete. Entsprechend war es nötig, den eigenen Schweinebestand durch Kaufen oder Leihen zu vergrößern. Das Verleihen von Schweinen wiederum war gewinnbringend, da der Entleiher zu einem späteren Zeitpunkt Zinsen in Form von Schweinen mit größeren Zähnen zurückzuzahlen hatte. Tatsächlich waren die meisten Männer sowohl Schuldner als auch Gläubiger und also auch durch diese komplexen Beziehungen miteinander verbunden. Die Kreditverhältnisse wurden teilweise bei bestimmten Feierlichkeiten, teilweise aber auch erst vom Totenbett aus in Ordnung gebracht, so dass sich lebenslange Netzwerke und Abhängigkeiten bildeten.

Des Weiteren wurden Schweine bei Zeremonien im Rahmen von Geburt, Eheschließung, Tod und Konfliktbeilegung geopfert. Wurde ein Tabu gebrochen, musste der Missetäter dies ebenfalls mit einem Schwein sühnen, da ihn gemäß traditioneller Vorstellung andernfalls in der jenseitigen Welt böse Geister erwarteten. Andere Zeremonien, bei denen Schweine geopfert wurden, dienten der Erhaltung der Fruchtbarkeit. Auch im Rahmen der Aufzucht eines Schweins fanden Feierlichkeiten statt, in deren Verlauf Schweine geopfert wurden, so dass allein für ein Paar der runden Eberzähne ein großer ritueller und sakraler Aufwand geleistet werden musste. Einige dieser Zeremonien fanden an megalithischen Strukturen statt, deren Alter und ursprünglicher Zweck unbekannt sind, die aber bis heute als sakrale Stätten genutzt werden.

Von besonderer Bedeutung waren die Schweine mit den runden Zähnen im Todesfall. Starb ein Mann, so mussten die Totenzeremonien vollzogen werden, in deren Verlauf ebenfalls Schweine geopfert wurden. Die dahinterstehende Vorstellung ist die, dass die Seele des Verstorbenen zusammen mit den Seelen der geopferten Tiere auf dem Weg in die jenseitige Welt auf einen krabbenähnlichen Wächtergeist trifft, der im Idealfall die Seelen der Schweine verschlingt und den Verstorbenen passieren lässt. Sind die Zeremonien jedoch nicht ordnungsgemäß ausgeführt worden, verschlingt der Wächtergeist statt der Tierseelen die Seele des Menschen. Um dies zu verhindern, brachten viele noch zu Lebzeiten ihre eigenen Totenopfer dar, um die korrekte Ausführung selber überwachen zu können.

Unklar ist, wieso es gerade die runde Form ist, welche den Zähnen ihre Bedeutung verleiht. Es gibt Spekulationen, dass das Wachstum der Hauer an das Wachstum des Mondes erinnern soll. Betrachtet man ein Schwein von allen Seiten, so stünden die Zähne der linken Seite für den abnehmenden und die der rechten Seite für den zunehmenden Mond. Das dunkle Schwein selbst repräsentiere den Neumond. Dieser Interpretation folgend stünde dahinter möglicherweise ein Konzept von der Kontinuität des Lebens. Doch ob diese Interpretation korrekt ist oder vielleicht eher der Phantasie der Forscher des beginnenden 20. Jahrhunderts entspringt, ist heute nicht mehr zu klären.

Die Zahnreifen, die ja den eigentlichen Wert des Schweins darstellten, wurden auch als Schmuck, etwa als Halskette oder Nasenring, getragen und zeigten so den Reichtum des Trägers an (Abb. 4).

Abb. 4: Ein Mann mit Eberzahn-Schmuck beobachtet einen sportlichen Wettkampf
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Ihr Einsatz als Zahlungsmittel war vor allem der sakralen und sozialen Sphäre vorbehalten. Nur größere Anschaffungen wurden mit Eberzähnen bezahlt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war ein runder Zahn zehn Schlachtschweine oder 20.000 Kokosnüsse wert. Für kleinere Transaktionen wurden daher auch andere Geldformen genutzt, etwa Hundezähne, Muscheln, Federn und insbesondere Flechtmatten, denen ebenfalls ein zeremonieller Wert zukam. Der Wert, der den einzelnen Währungsformen zugeschrieben wurde, variierte teilweise von Insel zu Insel.

Noch heute wird das runde Eberzahngeld als Brautpreis oder Sühnegeld, sowie im Rahmen des Rangsystems verwendet. Gleichzeitig hat sich dieses Währungssystem in den letzten Jahrzehnten aber auch gewandelt und an das moderne Vanuatu angepasst. Ein Jahr nachdem Vanuatu unabhängig geworden war, wurde 1981 mit dem Vatu eine eigene staatliche und konvertierbare Währung mit Münzgeld und Banknoten eingeführt (Abb. 5).

Abb. 5: Banknote im Wert von 1000 Vatu
© CC0 1.0

Doch der Inselstaat war so auch vom Weltmarkt abhängig und für größere Projekte auf ausländische Geldgeber angewiesen.

Dieses Problems nahm sich Chief Viraleo Boborenvanua an. Er ist der nicht ganz unumstrittene Anführer einer Bewegung, die sich für die Modernisierung und den Erhalt der Traditionen einsetzt. Er gründete 1983 im kleinen Ort Lavatmanggemu auf der Insel Pentecost die Tangbunia Bank, benannt nach den Körben, in denen traditionellerweise Wertsachen aufbewahrt wurden. Hier können Eberzähne, aber auch Matten eingelagert werden. Diese können auf andere Konten umgebucht, anderen gegen Zins als Kredit zur Verfügung gestellt, oder natürlich bei Bedarf auch wieder abgehoben werden.

Als Rechnungseinheit hat Chief Viraleo mit dem Livatu eine eigene Werteinheit erfunden, wobei ein Livatu einem einmal gerundeten Eberzahn bzw. 18.000 Vatu entspricht. In Euro umgerechnet sind das zwischen 130 und 140 Euro. Das traditionelle Geld wird an die offizielle Währung gekoppelt, ohne diese zum Funktionieren tatsächlich zu benötigen. Mittlerweile hat die Bank bereits 14 Filialen auf der ganzen Insel eröffnet und seit 2014 gibt sie eigene Geldscheine heraus. Auch wenn Chief Viraleo seine Bankgründung mit dem Verweis auf die Verfassung und das Gewohnheitsrecht rechtfertigt, wird seine Währung von der Landeszentralbank nicht anerkannt. Andere wiederum kritisieren ihn dafür, dass er Traditionen verfälsche, doch Chief Viraleo selbst vertritt die Position, dass man in einer sich ändernden Welt auch seine Traditionen ändern müsse, um sie zu erhalten.

Abb. 6: Flagge von Vanuatu
© CC-0
Abb. 7: Logo »Tusker«
© Mit freundlicher Genehmigung von »Tusker«

Und bei aller Kritik: Das System funktioniert – jedenfalls auf lokaler Ebene. Da viele Menschen weitgehend in Subsistenzwirtschaft leben, gibt es nur wenige Waren oder Dienstleistungen, für welche die offizielle Währung eingesetzt werden muss: Zwar werden sowohl Salz, Seife, Kerosin für die Lampen als auch Medizin und Arztkosten mit dem Vatu bezahlt, da diese Dinge im Kontakt mit ›Außenstehenden‹ erworben werden. Doch die meisten anderen Transaktionen sind ohne Probleme mit der traditionellen Währung abzuwickeln. Dies gilt auch für die Schulgebühr, die in Eberzähnen entrichtet werden kann und so vielen Familien den Zugang zu Bildung erleichtert.

Vanuatu gilt zwar, wie bereits erwähnt, als eines der ärmsten Länder der Welt, doch Selwyn Garu, der Generalsekretär des National Council of Chiefs von Vanuatu, betont, dass diese Einschätzung im Rahmen des westlichen Kapitalsystems gilt, nicht aber der Wahrnehmung der überwiegend im traditionellen Geldsystem lebenden Menschen entspricht. Hungern muss auf Vanuatu beispielsweise trotz der vermeintlichen Armut niemand. Gleichzeitig empfinden viele Einwohner der Inseln ihr Leben als im Einklang mit der Natur und der Gesellschaft – sicherlich mit ein Grund dafür, dass die Menschen hier als besonders glücklich gelten.

Der Stolz auf die eigenen Traditionen zeigt sich sowohl in der Symbolik der Nationalflagge (Abb. 6), als auch in der des lokalen Biers »Tusker« (Abb. 7), auf dem die runden Eberzähne abgebildet sind.

(Andrea Gropp)

Literatur

  • G. Aumann, Primitives Geld – vormünzliche Zahlungsmittel, Erläuterungen zu den Schausammlungen des Naturwissenschaftlichen Museums Coburg, Heft 19 (Coburg [o. J.]) S. 21–24
  • J. Campbell, The Masks of God: Primitive Mythology (London 1991) S. 444–449
  • P. Einzig, Primitive Money: In its Ethnological, Historical and Economic Aspects (London 1948) [Reprint: 1951] S. 58–63; 68 f.
  • L. Garae, Release of Paper Notes Specimen of Vanuatu Indigenous Currencies. Vanuatu Daily Post online, 13.09.2014
  • L. Garae, Chief Vireleo explains Tuvatu Currency. Vanuatu Daily Post online, 03.10.2014
  • Y. Gönster, Wertvoll. Über nichtmünzliche Zahlungsmittel aus aller Welt, Begleitheft der gleichnamigen Ausstellung des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums Velbert (Velbert 2017) S. 16 f.
  • A. Gray, Piggy banking (2009). Auf: http://www.andrewgray.com/pacific/piggybank.htm
  • A. Harding, Paying in pig tusks in Vanuatu (2007). Auf: http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6266274.stm
  • M. Hauser, Aus der Geschichte der vormünzlichen Zahlungsmittel, Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung der Volksbank Offenburg 2(Offenburg 2000) S. 27
  • H. Kimpel, Traditionelle Zahlungsmittel (Wuppertal 1994) S. 113
  • J. Layard, The Stone Men of Malekula: Vao. (1943). Auf: https://archive.org/details/in.ernet.dli.2015.57117
  • R. M. Nanua, Chief’s Appeal Dismissed. Vanuatu Daily Post online, 26.07.2019
  • M. Pfefferkorn, Frühformen des Geldes, Begleitheft der gleichnamigen Ausstellung der Dresdner Bank (1990) S. 10
  • S. Prechtl, Vanuatu und seine Schweine. Gesellschaftliche Veränderungen in Vanuatu anhand des suque [Diplomarbeit Universität Wien] (Wien 2012). Auf: https://core.ac.uk/download/pdf/16427743.pdf
  • H. H. Schleich (Hrsg.), Muscheln, Salz und Kokosnüsse. Geld der Naturvölker – Vormünzliche Geldformen, Begleitheft zur gleichnamigen Ausstellung im Fuhlrott-Museum Wuppertal (Wuppertal 2000) S. 39–41
  • J. P. Taylor, The Other Side: Ways of Being and Place in Vanuatu (Hawaii 2008) S. 210
  • R. Willie, Tuvatu is not recognized as legal tender. Vanuatu Daily Post online, 28.09.2014
  • SBS Dateline: Vanuatu’s Piggy Bank. Auf: https://www.youtube.com/watch?v=IvvNQeor6Ps (eingestellt am 04.04.2012)
  • http://happyplanetindex.org

Abbildungsnachweise:

(Alle zitierten Websites und Bilder wurden zuletzt am 30.03.2022 abgerufen)

März 2022

Münze des Monats

© Robert Dylka

Suchmeldung: Ein Tremissis des Honorius aus der Sammlung Apostolo Zeno

Im November 2018 ist unter ungeklärten Umständen eine Goldmünze, ein Tremissis des Kaisers Honorius (393–423 n. Chr.), aus der Sammlung des Archäologischen Museums der Universität Münster gestohlen worden. Der Diebstahl wurde am 19.11.2018 bei der Staatsanwaltschaft Münster angezeigt, ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet (Aktenzeichen: 62 UJs 367/19). Am 30.1.2019 wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte.

Im Folgenden soll die Münze bekannt gemacht werden. Sollte das Exemplar in den Handel gelangen, bitten wir um Mitteilung an das Archäologische Museum der Universität Münster oder an die Staatsanwaltschaft Münster.

Die Münze ist unter der Inventarnummer M 2653 im Archäologischen Museum der Universität Münster inventarisiert. Es handelt sich um einen Tremissis des Kaisers Honorius aus der Münzstätte Ravenna:

Honorius (393–423 n. Chr.)

Tremissis, Ravenna, AV, 1,49 gr., 13 mm, 12 h

Av.: D N HONORI-VS P F AVG. Drapierte Panzerbüste des Honorius mit Perlendiadem n. r.

Rev.: VICTORIA – AVGVSTORVM. Victoria n. r., Kranz in der erhobenen Rechten und Kreuzglobus in der vorgestreckten Linken. Im Feld l. und r. R – V, im Abschnitt COM

RIC X Nr. 1289 (fehlerhafte Rückseitenbeschreibung); Cohen VIII 2(1892, ND 1930) 185 Nr. 47; Depeyrot 1996, 189 Nr. 10/1

Der Münztyp wird von Philip Grierson und Melinda Mays einer Prägung zwischen 402 und 408 n. Chr. zugewiesen (Grierson – Mays 1992, 200. 202 Nr. 737). Der Münztyp ist nicht selten und wird im RIC mit einer Häufigkeit von »R2« angegeben. Einen besonderen Wert hat das Münsteraner Stück aber wegen seiner Herkunft: Das Exemplar stammt aus der Sammlung Apostolo Zeno, die einen wichtigen Grundstock der Münsteraner numismatischen Sammlung bildet. Der venezianische Gelehrte Apostolo Zeno (1668–1750) hatte eine umfangreiche Münzsammlung zusammengetragen, die er 1747 an das Kloster St. Florian nahe Linz verkaufte. Das Kloster wiederum veräußerte die Sammlung, von der große Teile 1955–1957 im Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert wurden (Dorotheum Wien, Sonder-Münzenauktion. Sammlung Apostolo Zeno 1668–1750 I–III (Wien 1955–1957)). Im Auktionskatalog ist der Tremissis unter der Nummer 2394 gelistet und er wurde 1956 aufgerufen. Peter Berghaus ersteigerte für die Universität Münster und für das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster nennenswerte Anteile der Sammlung Apostolo Zeno. Insgesamt 773 überwiegend römische Münzen gelangten auf diese Weise in das Archäologische Museum der Universität Münster. Mit der Sammlungsgeschichte dieser historisch wertvollen Kollektion hat sich Roberto Tomassoni in seiner 2021 in Venedig und Münster abgeschlossenen Dissertation ausführlich befasst (Tomassoni 2021. In seiner noch unpublizierten Dissertation ist der Tremissis S. 395 als Nr. 630 verzeichnet).

Das Münsteraner Exemplar wurde 2012 publiziert (Tenchova 2012, 151 Nr. 13). Der Erhaltungszustand ist gut. Das Stück wurde auf einem etwas zu kleinen Schrötling geprägt, so dass die Randbegrenzung nur teilweise erhalten ist. Auf der Vorderseite deutet eine flaue Prägung am Kinn, am Hinterkopf und im Bereich des ersten Teils der Legende auf einen häufig benutzen Stempel. Markant ist auch der horizontal geführte Schnitt, der an der Wange, dem Ohrläppchen und im Nacken Spuren hinterlassen hat. An der Nase ist ein deutlicher Riss parallel zum Nasenrücken zu erkennen und am Auge eine Fehlstelle. Am Hals sind senkrechte parallel geführte Kratzspuren sichtbar. Die Rückseite ist gut geprägt, abgegriffene Bereiche sind der Kopf der Victoria, der Kreuzglobus und das Gewand.

Es steht zu hoffen, dass durch diese Suchmeldung das Exemplar aufgefunden, identifiziert und in die Münsteraner Sammlung restituiert werden kann, damit dieser bedeutende Teil der Sammlung Apostolo Zeno wieder in seiner Gesamtheit Forschung und Lehre zugeführt werden kann.

A. Lichtenberger, Suchmeldung: Ein Tremissis des Honorius aus der Sammlung Apostolo Zeno, OZeAN. Online Zeitschrift Zur Antiken Numismatik 4, 2022, 33–35

Literatur:

Cohen

H. Cohen, Description historique des monnaies frappées sous l’Empire romain communément appelées médailles impériales I–VIII 2(Paris 1880–1892)

Depeyrot 1996

G. Depeyrot, Les monnaies d’or de Constantin II à Zénon (337–491), Collection Moneta 5 (Wetteren 1996). http://www.worldcat.org/oclc/1249897259

Grierson – Mays 1992

P. Grierson – M. Mays, Catalogue of Late Roman Coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection. From Arcadius and Honorius to the Accession of Anastasius (Washington 1992). http://www.worldcat.org/oclc/1277339762

Tenchova 2012

A. Tenchova, Katalogeintrag »13. Honorius (393–423)«, in: M. Grünbart (Hrsg.), Gold und Blei. Byzantinische Kostbarkeiten aus dem Münsterland (Wien 2012) 151. https://d-nb.info/1022760211

Tomassoni 2021

R. Tomassoni, La collezione numismatica di Apostolo Zeno (Dissertation Venedig und Münster 2021). https://fina.oeaw.ac.at/wiki/index.php/Tomassoni_2021

Februar 2022

Münze des Monats

© Larissa Ornat

Eine kurze Geschichte des sowjetischen Rubels - Münzen als Mittel der Propaganda

Avers: Сто лет со дня рождения В.И. Ленина (deutsch: Hundert Jahre seit der Geburt von V.I.Lenin), СССР, Один рубль (deutsch: Ein Rubel). Staatswappen bestehend aus Hammer und Sichel auf der Weltkugel, umrandet von Ähren und 15 Bändern, die die Sowjetstaaten repräsentieren.

Revers: Nach rechts gedrehtes Reliefprofil V.I. Lenins vor einem matten Hintergrund und Perlenkranz. Unten das Jubiläumsdatum: 1870 - 1970.

Material: Kupfer und Nickel

Durchmesser: ø 31mm

Gewicht: 12,8g

Dicke: 2,4mm

Münzstätte: Leningrad (heute Sankt Petersburg)

Auflage: 100.Mio Stück

Der 22. April 1970 markiert das Jubiläum zu Wladimir Iljitsch Lenins 100. Geburtstag. Zu den Festlichkeiten fanden, nicht nur in Russland, sondern in allen Ländern der Union der Sowjetrepubliken, ausschweifende Paraden, Konzerte, Ausstellungen und militärische Schaudarstellungen statt. Die Rede des damaligen Generalsekretärs Leonid Breschnew endete mit Majakowskis Zitat des Lenin-Zyklus: „Lenin lebte, Lenin lebt, und Lenin wird weiterleben“. Die Ikonisierung des russischen Revolutionärs fand so in vielerlei Formen und über Jahrzehnte hinweg seinen Ausdruck und machte ihn auch abseits seiner Einbalsamierung, in der Politik und den Köpfen der Menschen unsterblich. Diese Rubel-Gedenkmünze ist nur eins der Beispiele, in welchen der Revolutionär zu diesem besonderen Festtag verewigt wurde. Sowjetische Münzen und Banknoten stellen dabei einen guten Indikator, nicht nur über die Geldpolitik, sondern zugleich auch über den Propagandaapparat dar. So auch der hier vorgestellte Rubel, der unter Leonid Breschnew eine verstärkte Hinwendung zum Personenkult Lenins erfuhr, der in den Jahrzehnten zuvor in dieser monetären Form nicht üblich war. Wie sich die Einbindung des Rubels in die Agitationspolitik über die Jahrzehnte und Staatsoberhäupter veränderte, soll im Folgenden kurz beleuchtet werden:

Die Jahre des Kriegskommunismus unter Lenin waren aufgrund der übernommenen finanziellen Probleme des Zarenreichs, nicht nur von mehreren konkurrierenden Währungen, jedoch vielmehr von einer umfassenden Hyperinflation geprägt. Die massive Entwertung des nun vornehmlich auf Papiergeld basierenden Rubels, bewältigte die Bevölkerung mit Hilfe einer florierenden Tauschwirtschaft. Unter anderem bot sich dies an, da die Löhne der Arbeiter und Arbeiterinnen durch Lebensmittelrationen und kostenlose Dienstleistungen gedeckt wurden. Die Hyperinflation war jedoch in Anbetracht des voranschreitenden Bürgerkrieges nur ein sekundäres Problem der Bolschewiken, da auf lange Sicht das Geld, wie auch der Kapitalismus, obsolet werden und „absterben“ würden. So stellten bereits kurz nach der Revolution die Bolschewiken die Banken unter die Aufsicht der Zentralbank und schufen, Anfang des Jahres 1920, diese als Institution gänzlich ab. Ziel war es die Einflussnahme der Großkapitalbesitzer zu unterbinden und damit ein Zentrum der sowjetischen Wirtschaft zu etablieren. Die Geldherausgabe war von nun an allein in der Hand des Staates und unterlag somit ebenfalls der Agitations-Propaganda, für welche zeitgleich 1920 eine eigene Abteilung durch das Zentralkomitee errichtet wurde. Die sogenannte Sowsnak-Währung (russisch: Совзнак) sei somit nur eine Übergangslösung gewesen, wodurch sie, neben dem minderwertigeren Papierdruck, auch in der Gestaltung verhältnismäßig simpel gehalten wurde. Zentraler Bestandteil der Ikonographie war das Symbol des mit Ähren verzierten Hammers und Sichel, begleitet mit einem Zitat des Manifests der kommunistischen Partei: „Arbeiter aller Länder, vereinigt euch!“. Das internationale Selbstverständnis der Bolschewiken wird durch den mehrsprachigen Aufdruck dieses Zitats zusätzlich betont. Obgleich die spätere Sowjetunion ein multiethnischer und multinationaler Zusammenschluss war, zeigt sich in den Folgejahren die Oberhand der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFS) auch in der fortwährend dominanten Nutzung der russischen Sprache, Kultur und Geschichte.

Unterm Strich trat das Land 1921 nach dem Bürgerkrieg mit einer industriellen und landwirtschaftlichen Produktion von 13% des Vorkriegsniveaus hervor. Hoffnungsvoller Lichtblick war der politische Kurswechsel durch die Einführung der Neuen Ökonomischen Politik (NÖP) unter Lenin. Um die Versorgung der Bevölkerung längerfristig zu verbessern, wurde sich erneut auf die Geldwirtschaft und die Stabilisierung des Rubels zurückbesonnen. So gab im November 1921 das Volkskommissariat für Finanzen eine neue Währung bekannt: den Goldrubel, dessen Nominalwert zugleich in Gold eingelöst werden konnte. In diesem Zuge wurde der Kleinhandel erneut legalisiert, die Zwangsrequirierung des Getreides durch feste Steuern ersetzt und die monetäre Auszahlung der Löhne wurde veranlasst. Die Jahre des Kriegskommunismus waren offiziell beendet. Obgleich die zu dieser Zeit geprägten Münzen in Größe, Gewicht und Edelmetallwert denen aus zaristischen Zeiten glichen, wurde für ihre bildliche Darstellung auf den sozialistischen Realismus gesetzt. Aus der Zeit der Neuen Ökonomischen Politik erhaltene Gold- und auch Silbermünzen des Rubels, Halbrubels und der Kopeken stechen daher vor allem durch ihre Ikonographie heraus. So sind Arbeiterschaft und Bauernschaft, neben dem Staatswappen, eins der zentralen Motive dieser Periode. Porträtiert wird damit nicht nur die Entwicklung, des bis dato feudalen, Russlands zu einem Industriestaat, sondern auch die Formung eines neuen Menschentypus nach sowjetischem Vorbild. Die Zeit der NÖP sollte bis auf Weiteres, ähnlich wie es die Ikonographie des sowjetischen Geldes abbildete, hoffnungsvolles Sinnbild sein für einen Aufbruch in eine nicht kapitalistische Moderne.

Nach Stalins Machtübernahme 1928/29 wurden systematisch neue Kursmünzen aus minderwertigeren Metallen in Umlauf gebracht, die später typisch für die Währung der sowjetischen Staaten werden sollten. Die hochwertigeren Edelmetallmünzen der NÖP wurden hingegen bis 1931 aus dem Verkehr genommen und ihres Metallwertes wegen eingeschmolzen. Obgleich die Periode des Stalinismus synonym für mediale Kontrolle und Zensur stünden, habe der Stalinismus selbst, wie es Paul Van Wie treffender Weise formulierte, „verpasst“ Münzen und Banknoten in diesen zu integrieren. Die Münzen dieser Zeit waren anfänglich zwar noch an die ursprünglichen Motive des sozialistischen Realismus angelehnt - ein Arbeiter mit einem Schild, der das Nominal der Münze preisgibt – zeigten sie sich jedoch in späteren Prägungen hingegen nur noch mit Nominal, Jahr und Staatswappen, welches sich bis zum Zerfall der Sowjetunion als Hauptmotiv durchsetzen sollte. Was bestehen blieb war, dass auch Jahre nach seinem Tod Lenin tagtäglich durch die Hände von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern der Sowjetunion kursierte. Denn seit 1938 war er integraler Bestandteil sowjetischer Banknoten. Zierten diese in den 1920er Jahren auch noch Bergmänner, Soldaten und Piloten, sind seit der 1947er Serie hauptsächlich Staatswappen und Lenin-Porträt abgebildet. Die Zentralisierung aller Propagandamaterialien führte längerfristig zu einer Vereinheitlichung der Themen, sowie auch ihrer künstlerischen Darstellung. Unter Stalin erfuhr die sowjetische Währung so nicht nur eine veränderte Geldpolitik und -reformen, sondern einhergehend eine deutliche, fast pragmatische, Simplifizierung der Motive des Rubels, die auch unter Chruschtschow dominant bleiben sollte.

Erst in der Amtszeit von Leonid Breschnew lässt sich, unter anderem zu den Jubiläen des 50. Jahrestages der Russischen Revolution, sowie dem 100. Geburtstag von Lenin, der Einsatz von Münzen zum Gedenken und zur Herrschaftsrepräsentation erkennen. Sie zeigten beispielsweise Lenin in seiner Rednerpose zum 1.Mai 1919 oder wie auf der hier ausgewählten Münze in schlichten Seitenporträt, wie es auch seit der Banknotenserie des Jahres 1961 üblich wurde. Das Ausmaß der Gedenkfeiern und Ikonisierung des Revolutionärs stießen bei großen Teilen der Bevölkerung jedoch übel auf, weshalb in rauen Mengen Lenin-Witze heimlich ausgetauscht worden sind:

„Zu der Zeit der Hundertjahrfeier zu Lenins Geburtstag begann man in der Sowjetunion Ehebetten prinzipiell für drei Personen herzustellen.

Wissen Sie, weshalb?

Weil Lenin allgegenwärtig ist.“ (Kalina 1980, S.100)

Lenin-Witze wurden bereits zu seinen Lebzeiten erfunden, kumulierten sich jedoch als Produkt des übermäßigen Leninkultes zu seinem 100. Geburtstag im Jahre 1970 an. Die Partei und Lenins Personenkult waren über die Jahre so eng miteinanderverschmolzen, dass jede Diffamierung Lenins zu einer Kritik an dem Regime und der Partei selbst wurde und somit bereits prinzipiell antikommunistisch und konterrevolutionär sei. Eine Überzeugung die sich in der Gestaltung der Währung und der Dominanz Lenins als repräsentatives Motiv, wiederfinden lässt. Gemäß dem Motto:

„Wenn wir Lenin sagen, meinen wir die Partei, und wenn wir die Partei sagen, meinen wir Lenin.“

Unter Breschnew ist des Weiteren erstmalig die Prägung sowjetischer Gedenkmünzen einzuordnen. Waren diese anfänglich von politischen Motiven, z.B. zum 20. Jahrestag des Sieges über das faschistische Deutschland, bestimmt; wurden ab 1977 vornehmlich auch unpolitischere Themen geprägt wie die Olympischen Spielen in Moskau 1980, die in erster Linie Stadien und diverse Sportarten zeigten. Im Gegensatz zu den Kursmünzen waren diese Prägungen hingegen in Silber, Gold oder Platin erhältlich. Die Gedenkmünzen erfreuten sich bei den Touristen als Souvenir oder Sammlerstück großer Beliebtheit, wobei ihr Verkauf einen zusätzlichen Zugang zu Hartwährungen darstellte. Diese Tendenz setzte sich auch unter Gorbatschow mit den Prägeserien nach 1983 weiter fort. Auf diesen wurden Figuren der russischen und sogar nicht-russischen Geschichte wie z.B. der moldawische Poet Mihai Eminescu oder der türkische Dichter Alisher Navoi abgebildet. Zu den regelmäßigsten Motiven gehörten jedoch weiterhin: Der Sieg des „Großen Vaterländischen Krieges“, Die Oktoberrevolution und Lenins Geburtstag. So wurde beispielsweise im Jahre 1985 eine erneute Gedenkmünze des Rubels zum 115. Geburtstag von Lenin geprägt. Auch diese besticht wie ihre Vorgänger durch eine simple Gestaltung Lenins im Seitenprofil, Staatswappen und Nominal, jedoch diesmal mit Geburts- und Sterbejahr „1870-1924“. Schlussendlich verschwand Lenin in den letzten Tagen der Sowjetunion stetig und später endgültig von den russischen Münzprägungen und Banknoten, wie auch kurz darauf die Sowjetunion und die RSFS selbst.

Larissa Ornat

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Numismatischen Herbstschule 2021.

Literatur:

  • Altrichter, Helmut (2013): Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. 4.Auflage. C.H. Beck, München.
  • Davies, Christie (2008): Humour and Protest Jokes under Communism. In: International Review of Social History, Vol. 52. Cambridge University Press, Cambridge. S.291-305.
  • Hildermeier, Manfred (2016): Die Sowjetunion 1917-1991. 3. Auflage. Oldenbourg, Berlin.
  • Kalina, Jan L. (1980): Nichts zu lachen. Der politische Witz im Ostblock. Herbig, München.
  • Pisch, Anita (2016): The personality cult of Stalin in Soviet Posters 1929-1953, Archetypes, inventions and fabrications. ANU Press, Canberra.
  • Van Wie, Paul D. (1999): The Coinage of Modern Europe. University Press of America, Oxford.
Januar 2022

Münze des Monats

© Fitzwilliam Museum, Cambridge (Foto: Amy Jugg)

Kaiser und Papst – ein starkes Duo

Ostfränkisch-deutsches Reich, Kaiser Otto I. der Große (936/962–973) mit Papst Johannes XII. (955–963), Pfennig (962/963?), Rom

Silber, geprägt; Gew. 1,51 g, Dm. 18 mm

Fitzwilliam Museum, Cambridge, Inv.-Nr. CM.PG.8805-2006

Gut anderthalb Jahrhunderte nach der Erneuerung des abendländischen Kaisertums durch Karl I. den Großen (768–814) am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde dieses noch einmal erneuert. Am 2. Februar 962 ließ sich der ostfränkisch-deutsche König Otto I. der Große (936–973) mit seiner Frau Adelheid († 999) in St. Peter zu Rom von Papst Johannes XII. (955–963) zum Kaiser erheben. Mehr noch als der Franke Karl begründete der Sachse Otto damit eine Tradition, sollte dieses Kaisertum von nun an doch bis 1806 mit dem (römisch-)deutschen Königtum untrennbar verbunden bleiben.

Das westliche Kaisertum war mit dem Zerfall des karolingischen Reiches im späteren 9. Jahrhundert nurmehr zu einer Zutat des italienischen Königtums geworden; 924 erlosch es. Otto I., aus dem Geschlecht der Liudolfinger, das seit Heinrich I. (919–936) den ostfränkischen König stellte, hatte bereits mit der Königswahl und -krönung 936 in Aachen die fränkisch-karolingische Tradition aktiviert. Und ganz wie Karl der Große besaß er nach der inneren Stabilisierung des Reiches und dessen Verteidigung gegen Ungarn und Slawen – 955 in den Schlachten auf dem Lechfeld und an der Recknitz – eine vorherrschende, quasi-kaiserliche Machtstellung in Mitteleuropa. Seit 951 war er zudem König der Langobarden: An Otto führte wie damals bei Karl hinsichtlich der Kaiserkrönung also kein Weg vorbei. Das 962 dadurch ebenfalls erneuerte „Zweikaiserproblem“ konnte 972 durch die Heirat von Ottos Sohn und Nachfolger Otto II. mit Theophanu († 991), der Nichte des basileus in Byzanz, gelöst werden.

Im Münzbild hat das neue Kaisertum des 10. Jahrhunderts allerdings längst nicht so imposante Spuren hinterlassen wie das der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert. Zwar brachte Otto I. im Gegensatz zu Karl dem Großen auf den normalen Münzen seine Rangerhöhung meist zum Ausdruck, regelrechte Sonderprägungen wie die antikisierenden Bildnispfennige Karls gibt es von Otto aber nicht: Die wenigen Münzen, die sein Bild tragen, sind keine eigentlichen Bildnismünzen, sondern nurmehr Chiffren. Kaiserpropaganda machte, die Idee seines Kaisertums transportierte Otto über die Münzen nicht.

Gleichwohl gibt es Münzen Ottos I., die für ein ganz wesentliches Element des westlichen Kaisertums stehen: Gemeinschaftsprägungen mit dem Papst, „seinem“ Papst Johannes XII. Einer von mehreren Typen zeigt auf der Vorderseite einen barhäuptigen, schnurrbärtigen Kopf von vorn, dazu die Umschrift „+ OTTO IMPERATO[r]“, „Kaiser Otto“, auf der Rückseite das Monogramm „P-A-P-A“, „Papst“, dazu die Umschrift „+ DOM[inus] IO[h]AN[n]ES“, „Herr Johannes“. So unscheinbar, schematisch und auch künstlerisch anspruchslos diese Münze ist, so zentral ist ihre propagandistische Aussagekraft: Kaisertum und Papsttum sind aufs Engste miteinander verbunden, wie die zwei Seiten einer Münze.

Schon Karl der Große war vom Papst gekrönt worden, und ohne die Franken hätte das Papsttum, geistlich Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, weltlich keine Chance gehabt. Die sogenannte Pippinische Schenkung von 756, mit der Karls Vater, Pippin III. der Jüngere (751–768), von den Langobarden zurückeroberte Gebiete an den Papst übertrug, markiert die Entstehung des Kirchenstaats. Ausgehend von Rom, wurde der Papst im 8. und 9. Jahrhundert unter fränkischem Schutz so zum wichtigsten Machtfaktor in Mittelitalien. 960 dann rief der Papst den Ostfranken Otto I. gegen den italienischen König Berengar II. (950–961) zu Hilfe. Als Gegenleistung für die Kaiserkrönung garantierte Otto dem Papst all dessen Besitz; der Kirchenstaat existierte bis 1870, Rechtsnachfolger ist der Vatikan.

Gemeinschaftsmünzen von Kaiser und Papst gab es bereits von Karl dem Großen und „seinem“ Papst Leo III. (795–816). Davor, seit Beginn der päpstlichen Münzprägung Anfang des zweiten Drittels des 8. Jahrhunderts, hatte es sich um solche mit den Kaisern in Byzanz gehandelt. 781 aber erkannte Papst Hadrian I. (772–795) die byzantinische Oberhoheit in Rom nicht mehr an: Er und Papst Leo III. prägten autonom, Ausdruck auch der Souveränität des Kirchenstaats. Gemeinschaftsemissionen von Kaiser und Papst, Silberpfennige im fränkischen System, liegen dann von fast allen Päpsten des 9. und 10. Jahrhunderts vor, eigenständige päpstliche Münzen jedoch nur, wenn es gerade keinen Kaiser gab.

Die Regierungszeit Ottos I. hat das Werden Europas im früheren Mittelalter in vielerlei Hinsicht nachhaltig beeinflusst. In langem Kampf setzte er seinen Herrschaftsanspruch und die Unteilbarkeit des Reiches durch; er schuf so gleichsam erst das ostfränkisch-deutsche Reich, das für den Kontinent im nächsten Jahrtausend bestimmend werden sollte. Der Verteidigung des Reiches nach außen entsprach dessen Erweiterung nach Osten durch Kolonisierung und Missionierung der Slawen. Nachwirkung war im weiteren 10. Jahrhundert auch und gerade die Münzprägung: Ausweitung des Münzstättennetzes bis zur Elbe, Beginn einer eigenen Münzprägung in den Reichen im Norden und Osten Europas. Ottos geschichtliche Leistung aber war die Erneuerung des Kaisertums; im 12. Jahrhundert wurde er deshalb – im Gegensatz zu Karl dem Großen also erst posthum – „der Große“ genannt.

Die beiden nachfolgenden Ottos, Otto II. (973–983), schon Weihnachten 967 von Papst Johannes XIII. (965–972) zum Mitkaiser gemacht, und Otto III. (983–1002), rückten Italien noch stärker ins Zentrum ihrer Aktivitäten. Otto III., wie sein Vater und Großvater in Aachen zum König gekrönt, entwickelte für sein Kaisertum eine neue – so nie realisierte – ideologische Grundlegung: renovatio imperii Romanorum, „Wiederherstellung des Reiches der Römer“. Rom, „Hauptstadt der Welt“, caput mundi, sollte Sitz des Papstes wie des Kaisers sein, Kaiser und Papst sollten in allen Belangen des Reiches wie der Christenheit, des imperium Christianum, einträchtig zusammenarbeiten. Der Kaiser beanspruchte freilich eine klare Vorrangstellung: Er setzte auch Päpste ein und ab – am 21. Mai 996 krönte Otto „sein“ Gregor V. (996–999) zum Kaiser. Gemeinschaftsmünzen gibt es mit Otto III. allerdings nicht, ja nach Benedikt VII. (974–983) bis Bonifaz VIII. (1294–1303) gibt es gar keine päpstlichen Münzen mehr.

Der westliche Kaiser nannte sich ab dem frühen 11. Jahrhundert Romanorum imperator augustus, „erhabener Kaiser der Römer“. Das Reich aus Deutschland, das erstmals im 11. Jahrhundert so hieß, Italien und seit 1033 auch Burgund wurde jetzt das römisch-deutsche Reich, seit der Mitte des 13. Jahrhunderts das „Heilige Römische Reich“ (Sacrum Romanum Imperium), ab der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert mit dem Zusatz Nationis Germaniae („Deutscher Nation“). Die Krönung durch den Papst blieb dabei lange konstitutiv; erst im Spätmittelalter lockerte sich die Bindung, zuletzt wurde 1530 mit Karl V. (1519–1556) ein römischdeutscher König von einem Papst mit diesem längst selbstverständlich gewordenen Titel versehen.

                                                                                                                                                                                  Stefan Kötz

Literatur

  • Grierson, Philip / Blackburn, Mark: Medieval European Coinage, Bd. 1: The Early Middle Ages (5th–10th Centuries), Cambridge 1986, S. 259–266, Nr. 1078
  • Serafini, Camillo: Le Monete e le Bolle Plumbee Pontificie del Medagliere Vaticano, Bd. 1, Mailand 1910, S. 1–23, Nachtrag Bd. 4, Mailand 1928, S. 1–13
  • Stumpf, Gert: Nachfolger Petri. Römische Päpste im Spiegel von Münzen, Medaillen und Siegeln, München 2003, S. 15ff.
  • Hehl, Ernst-Dieter: Kaisertum, Rom und Papstbezug im Zeitalter Ottos I., in: Schneidmüller, Bernd / Weinfurter, Stefan (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge, Mainz 2001, S. 213–235
  • Kötz, Stefan: Otto der Große und die Wiederbelebung des abendländischen Kaisertums. Kaiser und Papst – ein starkes Duo, in: Haymann, Florian / Kötz, Stefan / Müseler, Wilhelm (Hrsg.): Runde Geschichte. Europa in 99 Münz-Episoden, Oppenheim am Rhein 2020, S. 138–141 [Wiederabdruck]