Lehrveranstaltungen (WS 2017/18)

Das illustrierte Vorlesungsverzeichnis zum Download.

Vorlesung: Die Verhandlung der griechisch-römischen Mythen im Mittelalter und in der Renaissance (ca. 500–1500)

Englischer Titel: Lecture: The Reception of Greek-Roman Myths in the Late Middle Ages and the Modern Early Period

Dozenten: Prof. Dr. Karl Enenkel

V-Nr.: 080512

Prüfungsleistung: je nach Absprache und Studienordnung

Inhalt und Ziel: n der Lehrveranstaltung wird anhand ausgewählter Beispiele gezeigt, auf welche Weise die griechisch-römische Mythologie im lateinischen Schrifttum des Mittelalters und der frühen Neuzeit verhandelt wurde. Während die Gültigkeit der christlichen Religion im lateinischen Europa keineswegs in Frage gestellt wurde, lebten die heidnischen Götter in der Literatur, bildenden Kunst sowie im gelehrten, theoretischen und enzyklopädischen Schrifttum munter weiter, ja sie stellten eine grundlegende, Identität stiftende Figuration des kulturellen und geistigen Lebens dar. Im 16. Jahrhundert wurde die Mythographie durch antiquarisch-protoarchäologische Studien auf eine neue wissenschaftliche Grundlage gestellt. Neben Beispielen aus der neulateinischen Poesie, Enzyklopädik und Emblematik sollen ganz besonders die wichtigsten mythologischen bzw. mythographischen Traktate vorgestellt und analysiert werden: u.a. Fulgentius‘ Mitologiae, die vatikanischen Mythographen, Albricus’ Allegoriae poeticae, Boccaccios Genealogiae deorum gentilium (14. Jh.), Georgius Pictorius’ Theologia Mythologica (1532 und 1558), Julien d’Havrés De cognominibus deorum gentilium (1541), Lilio Gregorio Giraldis De deis gentium historia (1548) und Vincenzo Cartaris Imagines (1556; 1588). Textbeispiele werden in der VL gestellt.

Literatur: Jean Seznec, The Survival of the Pagan Gods, Princeton 1972; Edgar Wind, Heidnische Mysterien in der Renaissance, Frankfurt a. M. 1981; Karl Enenkel, “The Development of 16th Century Mythography: Georgius Pictorius’s Theologica Mythologica, Apotheosis deorum and Julien De Havrech’s De cognominibus deorum gentilium”, in: Carl van de Velde (ed.), Classical Mythology in the Netherlands in the Age of Renaissance and Baroque, Löwen 2009, 211-253; Karl Enenkel, “The Making of 16th Century Mythography: Giraldi's Syntagma de Musis (1507, 1511 and 1539), De deis gentium historia (ca. 1500-1548) and Julien de Havrech's De cognominibus deorum gentilium (1541)”, in: Humanistica Lovaniensia 51 (2002), 9-53.

Bei Veranstaltungen unter 20 Teilnehmern wird grundsätzlich eine kontinuierliche Anwesenheit vorausgesetzt.


Ort: BO 304
Zeit: Mi, 10-12
Beginn: 11.10.2017
Sprechstunde: nach Vereinbarung und nach den Veranstaltungen


Forschungskolloquium: Diskussion über neue mittel- und neulateinische Forschungsprojekte

Englischer Titel: Colloquium: Discussion about New Medieval Latin and
Neo-Latin Research Projects

Dozent: Prof. Dr. Karl Enenkel

V-Nr.: 080513

Die Termine und Themen werden per Rundmail bekannt gegeben. Bei
Interesse melden Sie sich bitte unter mlat@uni-muenster.de.


Ort: Bogenstr. 15/16, Raum BO 304

Zeit: Mi 12-14, 14-täglich

Beginn: n. V.

Sprechstunde: vor und nach den Veranstaltungen


Seminar/Lektüreübung: Die Vita Karoli Magni Einharts und die antike Biographie


Englischer Titel: Seminar/Tutorial: The Vita Karoli Magni of Einhart and the antique Biography

Dozent: Prof. Dr. Karl Enenkel

V-Nr.: 080511


Prüfungsleistung: Klausur

Inhalt und Ziel: Mit seiner Vita Karoli Magni hat Einhard eine der bekanntesten mittelalterlichen Biographien verfasst, während sein Darstellungsgegenstand, Karl der Grosse, die Gründergestalt schlechthin des Römischen Reiches Deutscher Nation ist. Mit seiner Biographie folgte Einhard dem römischen Kaiserbiographen Sueton nach, reihte somit Karl ehrenvoll unter die römischen Kaiser von Caesar und Augustus bis Domitian ein. In der Lehrveranstaltung wird diese ikonische Biographie gelesen und übersetzt und im Hinblick auf die literarische Tradition von Suetons De vita Caesarum und die Selektion historischer Fakten kommentiert. Der lateinische Text wird gestellt.

Literatur: J. Fried, Karl der Grosse. Gewalt und Glaube, München 2013

Bei Veranstaltungen unter 20 Teilnehmern wird grundsätzlich eine kontinuierliche Anwesenheit vorausgesetzt.

Ort: Bogenstr. 15/16, Raum BO 304

Zeit: Mi, 14-16

Beginn: 11.10.2017

Sprechstunde: nach Vereinbarung und nach den Veranstaltungen


Seminar/Übung: Lateinische Paläographie 1100–1500


Englischer Titel: Seminar/Tutorial: Latin Paleography 1100–1500

Dozent: Prof. Dr. Karl Enenkel

V-Nr.: 080514

Prüfungsleistung: Klausur

Inhalt und Ziel:Die Paläographie gehört zum unentbehrlichen Grundlagenwissen für u.a. Historiker, Philologen, Philosophen und Theologen. Sie verschafft Zugang zu dem umfangreichen Text-, Quellen- und Archivmaterial, das noch nicht durch moderne Texteditionen erschlossen wurde. Ziel der Lehrveranstaltung ist, die Teilnehmer durch eine intensive Beschäftigung mit ausgewählten Textbeispielen mit den Eigenheiten der verschiedenen „gotischen“ Schriftarten, mit dem System und den aktuellen Formen der Abkürzungen, mit charakteristischen Überlieferungsproblemen sowie mit sonstigen grundlegenden Begriffen der paläographischen Wissenschaft vertraut zu machen. Die Veranstaltung findet in Form eines Blockseminars statt. Kopien der ausgewählten Textvorlagen werden in der Veranstaltung gestellt.

Literatur (in Auswahl): B. Bischoff, Paläographie des römischen Altertums und des abendländischen Mittelalters, Berlin 1986 (Grundlagen der Germanistik, 24), 2 Aufl.; A. Derolez, The Paleography of Gothic Manuscript Books, from the Twelfth to the early Sixteenth Century, Cambridge, 2003 (Cambridge Studies in Paleography and Codicology, 9); Ernst Crous/ Joachim Kirchner, Die gotischen Schriftarten, Braunschweig 1970.

Bei Veranstaltungen unter 20 Teilnehmern wird grundsätzlich eine kontinuierliche Anwesenheit vorausgesetzt.

Ort: Bogenstr. 15/16, Raum BO 304
Zeit: Mi 16-18 Uhr
Beginn: 11.10.2017
Sprechstunde: nach Vereinbarung und nach den Veranstaltungen


Seminar/Übung: Vagantendichtung

Englischer Titel: Seminar/Tutorial: Goliardic Poetry

Dozent: Hannes Amberger, M.A.

V-Nr.: 080515

Prüfungsleistung: Klausur

Inhalt und Ziel: Die Carmina Burana haben sie bekannt gemacht: die in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene Vagantenlyrik. Es handelt sich um ein außerordentlich vielgestaltiges Corpus: Derbe Trinklieder stehen neben bukolischer Liebesdichtung, Herrscherpanegyrik neben bitterer Zeitkritik und Versen auf Prostituierte. In den Mund gelegt wird all das der stilisierten Figur des clericus vagans, eines wandernden klerikalen Intellektuellen ohne Obdach und feste Anstellung, wie ihn das entstehende Universitätswesen jener Tage legionsweise auf die Landstraßen spülte, eines ‚prekären Bohémien‘, der von der Hand in den Mund lebt, dabei aber täglich sein gebratenes Hühnchen essen muss und ohne Wein nicht dichten kann, ausgezeichnet durch eine eigentümliche Mischung aus gelehrtem Hochmut, ausgelassener Lebensfreude und trostlos-schwarzem Zynismus.

Konzentrieren wollen wir uns auf Texte des Hugo Primas von Orléans († ca. 1160) und seines Zeitgenossen, des in Ecos Baudolino verewigten Archipoeta. Texte werden gestellt – soweit vorhanden, mit Übersetzung.

Literatur (in Auswahl): Vagantendichtung, hrsg. und übers. v. Karl Langosch, Frankfurt (Main) 1963; Carmina Burana (Auswahl), hrsg. und übers. v. Günter Bernt, Stuttgart (Reclam) 2012; Joseph Szövérffy, Secular Latin Lyrics and Minor Poetic Forms of the Middle Ages, Bd. II / III, Concord (New Hampshire) 1993 / 94.

Ort: Bogenstr. 15/16, Raum BO 304
Zeit: Di 14-16 Uhr
Beginn: 10.10.2017
Sprechstunde: nach Vereinbarung und nach den Veranstaltungen