„Der Wandel wird kommen“

Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

In der Wissenschaft sind Frauen vielfach noch unterrepräsentiert. Das gilt insbesondere für die zukunftweisenden MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Hierauf weist der „Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ am 11. Februar hin, der 2015 von der UNESCO ins Leben gerufen wurde. Ineke Weich, Doktorandin am MEET Batterieforschungszentrum der Universität Münster, und Lisa Marie Schnieder, Doktorandin am Helmholtz-Institut Münster des Forschungszentrums Jülich, berichten, warum sie sich für eine Karriere in der Forschung entschieden haben und was sie sich für Frauen in der Wissenschaft wünschen.

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere in der Forschung entschieden?

Lisa Marie Schnieder: Ich war schon in meiner Kindheit fasziniert davon, die Welt verstehen zu wollen: von der Ebene von ganz kleinen Atomen bis hin zu riesigen Galaxien. In der Schule waren es die interdisziplinären Naturwissenschaften Mathematik, Physik und Chemie, die mich begeistert haben. So hatte ich schon früh den Wunsch, offene Fragen zu erforschen, die Welt besser zu verstehen und mit meinem Wissen ein wenig zu optimieren.

Ineke Weich: Chemie und Mathematik gehörten auch bei mir schon der Schule zu den Fächern, die mir am meisten Spaß gemacht haben. Am Ende haben mich die Möglichkeiten innerhalb des Chemiestudiums mehr überzeugt als die im Fach Mathematik. Schon im Bachelorstudium habe ich dann für mich gemerkt, dass ich auch promovieren möchte, um später gute Berufsaussichten zu haben. Das war genau die richtige Entscheidung.

Warum?

Ineke Weich: Weil ich in der Promotion viele Freiheiten habe, wann ich woran arbeiten möchte. Selbstständig zu forschen und mir meine Zeit frei einteilen zu können, eröffnet mir viele Möglichkeiten – ist aber gleichzeitig mit einer hohen Eigenverantwortung verbunden.     

© Helmholtz-Institut Münster/Ellermann

Welche Ratschläge geben Sie Schüler*innen und Studierenden, die sich für ein Studium bzw. eine anschließende Karriere in der Chemie entscheiden?

Lisa Marie Schnieder: Glaubt an Euch und lasst Euch nicht verunsichern. Wie qualifiziert Du bist, hängt nicht von Deinem Geschlecht ab. Wenn Du Interesse an Chemie hast, findest Du mit Sicherheit das passende Thema für Dich. Denn Chemie gibt es überall in unserem Leben. Das macht sie so spannend und vielseitig. Oft ergeben sich dadurch ganz neue Pfade, die man zu Anfang gar nicht im Blick hatte.

Ineke Weich: Genau, man muss dranbleiben. Wenn man es schaffen will, schafft man es auch. Es ist ganz normal, auch mal darüber nachzudenken, dass Studium abbrechen zu wollen. Wenn man sich aus diesen Situationen herauskämpft, Durchhaltevermögen beweist und weiterarbeitet, dann klappt es auch. Gerade in der Wissenschaft gehören Fehler außerdem dazu. Auch sie können ein Ergebnis der Arbeit sein.

In den MINT-Fächern arbeiten noch zu wenige hoch qualifizierte Frauen in der Forschung. Wie nehmen Sie die Situation wahr? Und wie kann man sie verbessern?

Ineke Weich: Während meiner Praktika in der Industrie oder bei Auslandsaufenthalten habe ich festgestellt, dass es zwar viele Laborantinnen gibt, aber wenige weibliche Führungskräfte. Ich bin aber optimistisch, dass der Wandel kommen wird. Denn früher hatte das Thema noch nicht die Awareness, die es heute hat. Und die wird sich auszahlen – auch auf der Führungsebene. Schon heute spielt Gleichberechtigung eine deutlich wichtigere Rolle bei Neueinstellungen als noch vor einigen Jahren.

Lisa Marie Schnieder: Ich finde auch, dass sich schon viel getan hat. Wichtig ist aus meiner Sicht, das Interesse für MINT-Fächer schon in jungen Jahren zu fördern. Sei es in der Schule durch spezielle Programme oder in der Familie. Denn auch das soziale Umfeld spielt eine entscheidende Rolle dabei, stereotype Männer- und Frauenbilder aufzubrechen.

Ineke, Sie vertreten die Studierenden im MEET Vorstand. Gibt es Themen, die speziell die weiblichen Mitarbeitenden betreffen, die Sie dort einbringen?

Ineke Weich: Ja, zum Beispiel das Thema kostenfreier Hygieneartikel für Frauen. In vielen Waschräumen der Universität Münster sind sie bereits Gang und Gäbe. Das würde ich gerne auch im MEET erreichen.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für die Zukunft mit Blick auf Frauen und Mädchen in der Wissenschaft?

Lisa Marie Schnieder: Dass Gleichberechtigung gelebt wird und jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler Anerkennung für seine Forschung bekommt. Das Geschlecht sollte dabei keine Rolle spielen.

Ineke Weich: Mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft. Und mehr Professorinnen, gerade auch schon während des Bachelorstudiums. Ich hatte in der Zeit keine weibliche Professorin, was ich sehr schade fand.