

Am Montag, den 12. Oktober 2026, halten Dr. Zoran Erić, Prof. Mischa Kuball und Prof. Dr. Dorothee Richter einen Gastvortrag zum Thema „‚if walls could tell‘ – Methoden von Teilhabe und Partizipation“. Der Vortrag findet von 16.15 bis 18.30 Uhr im Philosophikum (Domplatz 23, 48143 Münster), Raum 201, statt.
In ihrem Vortrag stellen sie das Projekt „if walls could tell“ vor. Im Rahmen des Projekts wurden weiße Wände im öffentlichen Raum verschiedener Städte aufgestellt, die den Bürger:innen die Möglichkeit gaben, dort ihre Spuren zu hinterlassen und ihre Anliegen öffentlich zu machen. Dabei beziehen sich die Initiator:innen auch auf den Roman „Manhattan Transfer“ des US-amerikanischen Schriftstellers John Dos Passos von 1925; einen Roman, der so neu, innovativ und überraschend war wie die Stadt New York selbst. Der Leser nimmt Nebensächlichkeiten wahr, die von ihm selbst zu einer neuen Geschichte summiert werden können, weil sie vom Autor lediglich angedeutet werden. Pressetexte spielen bei Dos Passos ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Autor verwendet ausschließlich authentisches Nachrichtenmaterial und schafft so eine Verschmelzung von „tatsächlicher“ Realität und Romanrealität. Ähnlich „unbedeutsam“ wie Pressetexte erscheint das Leben der einzelnen Figuren. Sie tauchen auf, sind für kurze Dauer von Wichtigkeit und tauchen dann wieder ab in die Vergessenheit.
In der Idee von if walls could tell wird der transitorische, fast dystopische Ortswechsel, mit all seinen Einschreibungen auf die Spur des ‚Abdrucks‘ auf den Wänden konzentriert; so wirkt der soziopolitische Ausdruck wie ein Zeichen, eingeritzt, aktuell; nach einem Platzieren der Museumswände auf einem zentralen Platz – positioniert, um die Spuren aufzuzeichnen – kommen die Wände wieder ins Museum zurück, zur Spurensicherung oder eben auch zum Weitereinschreiben in einem anderen Kontext. Es geht also in diesem Projekt auch um die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Museum, von polis und kulturellen Akteur:innen.
Zum Projekt if walls could tell ist 2026 eine Sonderausgabe der Open-Access-Zeitschrift OnCurating.org erschienen. Einblicke in dieses Open-Access-Projekt wird die Herausgeberin Prof. Dr. Dorothee Richter geben.
Die Referent:innen:
Prof. Mischa Kuball ist Konzeptkünstler und arbeitet seit 1977 im öffentlichen und institutionellen Raum. Er ist seit 2007 Professor für Kunst im öffentlichen Raum an der Kunsthochschule für Medien, Köln, und war von 2006 bis 2008 Professor für Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung/ZKM Karlsruhe. Seit 2015 ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Düsseldorf. Seit August 2026 ist er Gastprofessor für ‚public art / design curating‘ an der Bergischen Universität Wuppertal.
Dr. Zoran Erić ist freier Kurator und Research Fellow am Institut für Philosophie und Sozialtheorie der Universität Belgrad. Zu seinen Forschungsgebieten zählen Kunsttheorie, Museologie, Humangeographie, Stadtsoziologie und politische Ökologie. Er hat zahlreiche Projekte in verschiedenen Ländern kuratiert. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Nationalen Museums für zeitgenössische Kunst (MNAC) in Bukarest und des Beirats des Instituto Valenciano de Arte Moderno (IVAM) in Valencia.
Prof. Dr. Dorothee Richter ist Professorin für zeitgenössisches Kuratieren an der University of Reading (Großbritannien), wo sie zudem den Promotionsstudiengang „Practice in Curating“ leitet. Richter verfügt über umfangreiche Erfahrung als Kuratorin: Sie initiierte das „Curating Degree Zero Archive“ und war Kuratorin am Künstlerhaus Bremen, wo sie verschiedene Symposien zu feministischen Themen in der zeitgenössischen Kunst kuratierte. Richter ist leitende Redakteurin und Chefredakteurin von OnCurating.org und hat kürzlich die OnCurating Academy Berlin gegründet.