Vorwort


Dieses Kompendium geht zurück auf die Arbeit im Rahmen eines Seminars zum Mind-Bender-Film, das im Wintersemester 2016/17 am Germanistischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster durchgeführt worden ist. In Auseinandersetzung mit diesem auch aktuell in der Forschung noch kontrovers diskutierten Gegenstandsbereich, erschien es den TeilnehmerInnen wichtig, sich Klarheit über einige wichtige, jedenfalls seitens der Forschung fortwährend in Anschlag gebrachte Begriffe zu verschaffen. Die akribische Sichtung einschlägiger Ansätze, die Entwick-lung sauberer Definitionsversuche sowie konstruktive Vorschläge zur Bereitstellung von Arbeitskategorien waren daher eine zentrale Voraussetzung zur konzentrierten Beschäftigung und sachkundigen Diskussion. Als ebenso notwendig erwies sich die Differenzierung diverser Forschungspositionen, deren unterschiedliche methodologische Fundierung und heuristische Ausrichtung naturgemäß zu divergierenden Ver-handlungen des Gegenstandes auffordern und verschiedene Ergebnisse hervorbringen. Dabei ging es nicht um Vollständigkeit des verschafften Überblicks, sondern um die Sensibilisierung für unterschiedliche Stoßrichtungen. Auffällig – und in der Forschung bis dato nicht befriedigend zueinander in Beziehung gesetzt – sind auch unterschiedlich gelagerte Problemfelder, die mit dem Gegenstand einhergehen und deren Relationierung für die Erfassung mal nutzbringend, mal hinderlich ist – deren Zusammenspiel aber erst dann produktiv erfasst werden kann, wenn sie theoretisch sondiert werden. So etwa ist allein die Bezeichnung ‚Mind-Bender‘ – auf die sich das Seminar als Oberbegriff des verhandelten Phänomenkomplexes verständigte und die daher titelgebend für dieses Kompendium ist – ambivalent und irreführend und im eigentlichen Sinne wenig befriedigend, zugleich aber äußerst illustrativ hinsichtlich der Problemlage, mit der man es zu tun bekommt: Betrifft ‚mind-bending‘ den Effekt bei RezipientInnen oder besondere Darstellungsmechanismen des Films, die dem Mind-Bender zugerechnet werden? Oder hebt der Begriff nicht gar auf die von Filmen rekurrent thematisierten psychopathologischen Figuren ab, deren Konstitution morbide erscheint, wobei Filme diese Morbidität zusätzlich auf die Darstellungsebene projizieren?

Es sollte klar sein, dass die vorliegende Textsammlung nicht dazu dient, Ant-worten zu liefern auf die vielen Fragen, die im wissenschaftlichen Diskurs noch im-mer ungeklärt sind, noch, dass sie einen allumfassenden Überblick über Begriffe, Forschung und Problemfelder zu geben imstande ist. Vielmehr dienen sollte sie als In-strument der Annäherung an einen Bereich, der mit Blick auf Filmsysteme – vornehmlich der 1990er und 2000er Jahre − kulturübergreifend äußerst dominant gewe-sen ist. Diesem Anspruch nach orientieren sich die versammelten Artikel in ihrem Aufbau grob nach dem Schema: (a) Definitionsansätze, (b) Forschung, (c) Illustration am Beispiel.

Der Herausgeber dankt allen SeminarteilnehmerInnen für ihre Diskussionsfreudigkeit wie auch für die Bereitschaft, sich am Kompendium zu beteiligen. Besonderer Dank gilt Jasper Stephan, der redaktionelle Hilfestellung leistete.

Die versammelten Studienbeiträge sind der Startschuss für eine Online-Publikationsreihe, die zukünftig am hiesigen Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt ‚Literatur und Medien‘ (Prof. Dr. Andreas Blödorn) erscheinen wird.