
Austausch beim Fakultätentag in Fulda
Eine Delegation aus Münster hat auch in diesem Jahr die Mitgliederversammlung des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (KThF) in Fulda besucht. Vertreter:innen der Fakultäten und Institute kamen hier vom 22. bis 24. Januar 2026 mit weiteren Institutionen zusammen, um über die gegenwärtige Situation der Theologie und der Wissenschaft ins Gespräch zu kommen.
Im Vorfeld tagte die Bundeskonferenz des akademischen Mittelbaus in der Katholischen Theologie (BAM). Als neue Ko-Sprecherin wurde Barbara Engelmann (Tübingen) gewählt, als neues Mitglied des Beirats des Fakultätentags Stephan Tautz (Würzburg). Die BAM drängte auf eine Solidarisierung im Blick auf die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) zur Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Um die Debatte über Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven wachzuhalten, stellte die BAM ein Papier zu sieben Mythen gegen und sieben Argumenten für unbefristete Mittelbaustellen vor.

Zudem regte sie eine Professionalisierung der Personalführung von Professor:innen an, die auch bei Berufungsverfahren berücksichtigt werden sollte. Johannes Frenz, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Redaktion der Theologischen Revue, vertrat den akademischen Mittelbau unserer Fakultät. Prof. Dr. Johannes Schnocks, Mitglied im Beirat des KThF, vertrat die Hochschullehrer:innen unserer Fakultät bei der Versammlung. Zum neuen Vorsitzenden wurde Matthias Remenyi (Würzburg) gewählt; er folgt damit Dirk Ansorge nach.
Theologie und Künstliche Intelligenz
Der Studienteil des Fakultätentags widmete sich dem Thema Theologie und Künstliche Intelligenz. Frederike van Oorschot (Heidelberg/Zürich) eröffnete ihn mit ihrem Vortrag „Imagination von Gott, Mensch und Technik. Eine dogmatische Erkundung Künstlicher Intelligenz“ und analysierte, wie KI in theologischen Debatten geframt wird.
Ergänzend dazu gestalteten Ludger Hiepel und Dr. Guido Hunze – beide aus unserer Fakultät - gemeinsam mit Lukas Brand (TU Kaiserslautern-Landau) die zweite Einheit des Studienteils. In ihrem Vortrag zu generativer Künstlicher Intelligenz in theologischer Forschung und Lehre führten sie grundlegend in Funktionsweisen, Potenziale und Grenzen aktueller KI-Systeme ein.
Deutlich wurde dabei, dass KI nicht als intelligentes Gegenüber, sondern als leistungsfähiges Werkzeug zu verstehen ist, dessen Nutzung spezifische fachliche, didaktische und ethische Kompetenzen erfordert. Im Fokus standen sowohl konkrete Einsatzmöglichkeiten in der theologischen Lehre – etwa zur Unterstützung kompetenzorientierter Lernformate – als auch Beispiele aus der Forschung, in denen KI zur Analyse großer Textkorpora oder zur Erschließung historischer Quellen beitragen kann.
Einen besonderen Akzent setzte der Vortrag auf die Frage nach der Haltung der Nutzenden und der damit verbundenen Verantwortung im Umgang mit KI, insbesondere im wissenschaftlichen und bildungsbezogenen Kontext. Auf einer Folie formulierten Hiepel und Hunze dazu pointiert:
„Es geht um meine Haltung – nämlich darum, dass ich als Subjekt Verantwortung für das übernehme, was ich generiere. Egal ob es allein aus meinem Kopf kommt oder ob ich etwas davon in Büchern oder im Internet gelesen habe oder ob ich es mit Hilfe von KI generiert habe. Andere Menschen vertrauen auf das, was ich sage und schreibe, poste. Davon können Schicksale und sogar das Leben abhängen.“
Studie zu Abbruchgründen von Qualifikationsarbeiten
Außerdem berichtete Friederike Eichhorn-Remmel für das Theologische Studienjahr in Jerusalem über die Öffnung für Lehramtsstudiengänge sowie Praktika. Zudem stellte Miriam Henke (zap, Bochum) Ergebnisse der „Qualitativen Studie zu Abbruchgründen und langen Liegezeiten von Qualifikationsarbeiten in der katholischen Theologie“ vor. Vor dem Hintergrund der Datenlage hob sie hervor, dass die Qualität der Betreuung, die Bedingungen des Wissenschaftssystems sowie Erkrankungen und Care-Arbeit multifaktoriell zu Abbrüchen oder langen Liegezeiten beitragen können. Auch wenn die Studie aufgrund offener Fragen als Auftakt verstanden wurde, kam dabei insbesondere die Rolle der Betreuer:innen in den Blick.
Für die Katholischen Hochschulgemeinden berichtete Leon Lindstedt, Student im Master Christentum in Kultur und Gesellschaft in Münster und seit Januar Referent für Diversität an der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) Münster.
