


Gruß zum Wintersemester 2026/2027
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
liebe Homepage-Leserschaft,
zum neuen Semester grüße ich Sie herzlich mit Gedanken aus meiner Predigt zum Semesteranfang (18.10.2026) in der Universitätskirche – Predigttext war Mk 2,23-28:
„… ‚Es ist nicht erlaubt‘ – liebe Universitätsgemeinde: vom Getreidefeld in Galiläa, wo diese Worte fallen und umgangen werden, blicken wir zur Universität Münster im Oktober 2026. Auch in ihren Straßen und Gebäuden hängen Ordnungen um Ordnungen. Rauchverbote sowie Schutz- und Sicherheitsregelungen, wie die Räume auszustatten seien und sich die Menschen darin zu verhalten hätten, sind allerorten zu finden. Auch hier werden es schier mehr und mehr. Wie passt Jesu scheinbarer Freibrief zum Ährenraufen, den er seinen Jüngern ausstellte, da in unsere Zeit, in unsere Stadt, an unsere Universität? Zwar sollte diese ein Hort unbegrenzter Freiheit im Denken, ein Ort unbedingter Selbstverwirklichung von Forschung sein. Doch: Was haben wir daraus gemacht, was machen wir daraus? Dazu fünf Blitzlichtgedanken am Schluss meiner Predigt: Dass wir Schutz- und Sicherheitskonzepte benötigen – für Räume wie Menschen –, liegt erstens daran, dass wir zu oft nicht sorgsam genug mit dem Leib und Leben des und der Anderen umgehen. Sexuelle Übergriffe etwa in Wort oder post und Tat verspielen die Freiheit, mit der Gott seine Schöpfungswerke – so auch den Menschen – ausgestattet hatte. So gesehen sind Schutzkonzepte, Ordnungen, Gesetze zweitens nicht um ihrer selbst willen gemacht, sondern um des Menschen willen: um den Einen vor der Anderen oder die Eine vor dem Anderen zu schützen – wie auch am Ende alle vor sich selbst. Schutzvorschriften, Ordnungen, Gesetze sind also differenziert zu bewerten und helfen uns im Zweifel im Miteinander, sofern sie nicht um ihrer selbst willen gemacht sind und neue Formen von Macht und Herrschaft etablieren.
Zugleich aber gilt drittens: Je mehr wir als Menschen – auch als an der Universität Tätige – in der uns eigenen, selbstverschuldeten Unmündigkeit, nämlich in der Verstrickung von Sünde und Schuld, bleiben, anstatt von der Liebe des Schöpfergottes, die in Jesus wirksam wurde, eingenommen zu sein, je schwerer wird es sein und bleiben, nach dem Licht der Freiheit, dem sapere aude, mutig und froh zu streben. Und das wäre doch so grundlegend für das, wir im akademischen Setting – in Forschung und Lehre – tun! Denn ein vom Evangelium Gottes beflügeltes Streben nach dem Licht der Freiheit, wie es im Getreidefeld in Galiläa einst aufblitzte, könnte uns viertens auch aus dem Wirrwarr des politischen Alltags, der Unklarheit unserer Gedanken und Zielvorstellungen, der Selbstbezogenheit unseres Tuns in einen hellen Tag hinein führen, an dem zugleich deutlicher werden kann, wer im Großen wie im Kleinen jeden Tags Henne und Ei sind und worauf die Freiheit unserer wissenschaftlichen Arbeit und Existenz bezogen ist: auf den Dienst für einander, der – wie Paulus sagen würde – ganz in der Liebe Christi gründet. So sind fünftens die ährenraufenden Jünger (wie auch ihr Vorbild David) womöglich ein Beispiel dafür, was eine christlich verantwortete akademische Existenz erlaubt und ermöglicht: keinen Bruch von Recht und Gesetz, wohl aber ein Leben mit einem Lehrer an der Seite, der selbst diente und aller Gewalt wehrte. In der Freiheit, die er für seine Jünger in Anspruch nahm, unterminierte er nicht den Willen Gottes, sondern führte diesen aus. Das Doppelgebot der Liebe – zusammen mit der Feindesliebe – bleibt dabei der Maßstab, und zwar nicht als bloße Parole von ‚Love‘, wie es zuletzt in Berlin zu hören war, während sich zeitgleich jüdische Männer und Frauen bedroht fühlen. Das Copyright der Liebe, die verbindet, Freiheit schafft und die Schwächsten schützt, liegt nicht in Parolen, sondern bei der Person Jesu. Die Liebe ist dabei nicht nur eine emotionale, sondern auch eine intellektuelle Kraft, wie Paulus – an Jesus anknüpfend – erläutern wird.
Das Doppelgebot der Liebe – zusammen mit der Feindesliebe – bleibt im Kleinen wie im Großen der anspruchsvollste und teuerste Maßstab, glasklar im Übrigen, wie Jesus von Nazareth selbst lehrte und lebte. Dieser Maßstab bemisst auch die ‚bessere Gerechtigkeit‘, die von Jesu Jüngerschaft in der Bergpredigt gefordert ist – die Grenzen sexuellen Begehrens und Übergriffs sind dabei übrigens unzweideutig mitbedacht. Einfacher und billiger, als Jesus lehrte und lebte, wird die christliche Freiheit nicht zu haben und nicht zu bewahren sein. In all ihrer Freiheit, die Jesus ihnen gewährte, waren die ährenraufenden Jünger – das ergibt ein vertiefter Blick auf die Szene, die Markus uns erzählt – einer Liebesethik verpflichtet, die dringlich, konkret, unzweideutig und umfassend war. Billiger ist das: ‚es ist erlaubt‘ auch für Christinnen und Christen in unserer Zeit nicht zu haben. Die Liebe Christi verpflichtet, und: sie kostet. Doch es lohnt sich, dieses Investment auch in die Universität zu tragen.“
Ich wünsche Ihnen ein anregendes, frohes und erfolgreiches neues Semester in Münster.
Ihre Eve-Marie Becker
Prof. Dr. Eve-Marie Becker (Dekanin)
Orientierungstage im Wintersemester 2026/27
Zum Beginn des Wintersemesters 2026/27 veranstaltet die Fachschaft der Evangelisch-Theologischen Fakultät vom 12. bis zum 14. Oktober 2026 die Orientierungstage. Sie richten sich an alle Studierenden, die ihr Studium an unserer Fakultät neu beginnen oder neu an die Fakultät kommen – sowohl an Erstsemester als auch an Studienortwechsler*innen. Eingeladen sind Studierende der Studiengänge Evangelische Theologie mit dem Berufsziel Pfarramt, Evangelische Religionslehre (Lehramt) und Spiritual Care.
Die Orientierungstage bieten die Möglichkeit, die Fakultät, wichtige Ansprechpersonen und die Fachschaft kennenzulernen sowie erste Kontakte zu anderen Studierenden zu knüpfen. Außerdem gibt es hilfreiche Informationen und Tipps zum Studienbeginn und zur Studienorganisation.
Wichtiger Hinweis zu den Sprachkursen:
Die Sprachkurse Hebräisch und Griechisch I beginnen bereits am 12. Oktober 2026. Sie finden unabhängig von den Orientierungstagen statt:
- Griechisch I: 12. Oktober, 8:30 Uhr, Raum ETh 203
- Hebräisch: 12. Oktober, 8:00 Uhr c.t., Raum ETH 106b
Bitte beachten Sie dies bei Ihrer Planung für den ersten Tag.
Programm der Orientierungstage
Das vollständige Programm der Orientierungstage finden Sie hier:

Einladung zum Reformationsfestvortrag
Die Evangelisch-Theologische Fakultät lädt herzlich zum diesjährigen Reformationsfestvortrag
mit Prof. Dr. Irene Dingel (Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz) ein.
Der Vortrag trägt den Titel „Gewissen, Verantwortung und Reichspolitik. Die Reichstage zu Worms 1521 und Speyer 1526/1529“.
Der Reformationsfestvortrag findet am 28. Oktober 2026 um 18 Uhr c.t. im Hörsaal H2 (Schlossplatz 46, 48143 Münster) statt.

Einladung zur Antrittsvorlesung von PD Dr. Christoph Hammann
Die Evangelisch-Theologische Fakultät lädt herzlich zur Antrittsvorlesung von PD Dr. Christoph Hammann unter dem Titel „Theophilus und der Jünger, den er liebte. Freundschaft und Liebe als Formen lukanischer und johanneischer Werkpolitik“ ein.
Die Antrittsvorlesung findet am 11. November 2026 um 16 Uhr c.t. im Hörsaal F2 im Fürstenberghaus (Domplatz 20-22, 48143 Münster) statt. Bitte melden Sie sich bis zum 21.10.2026 persönlich bei Frau Forstmann an.
Einladung zur Studienabschlussfeier
Die Evangelisch-Theologische Fakultät lädt für den Sonntag, 25. Oktober 2026, 10.30 Uhr zum Universitätsgottesdienst mit anschließender Studienabschlussfeier in die Evangelische Universitätskirche, Schlaunstr. 3, ein.
Absolventinnen und Absolventen können sich über das Anmeldeformular im Studien- und Prüfungsbüro bis zum 12. Oktober 2026 zu der Feier anmelden.
E-Mail: stb.deimann@uni-muenster.de
Die Evangelisch-Theologische Fakultät auf dem NRW-Tag: Ein Rückblick
Der diesjährige NRW-Tag bot eine hervorragende Plattform, um die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit der theologischen Forschung und Lehre in Münster zu präsentieren. Die Evangelisch-Theologische Fakultät war dabei gemeinsam mit der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Islamisch-Theologischen Fakultät sowie dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ auf der Meile „Dialog und Vielfalt“ vertreten.
Ein zentraler Bestandteil des gemeinsamen Auftritts war die Vorstellung der Vision für den neuen Campus der Theologien und der Religionswissenschaft. In einer Podiumsdiskussion mit dem Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Arnulf von Scheliha, dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Oliver Dyma, dem Dekan der Islamisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, sowie dem Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, Prof. Dr. Wolfram Drews, wurden die Potenziale aufgezeigt, die die gemeinsame Forschung und Lehre ab 2027 für den interreligiösen Dialog und die Stadtgesellschaft bietet.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät steuerte zudem eine Reihe von Fachvorträgen bei, welche die Breite des aktuellen Forschungsspektrums abbildeten:
Digitalisierung: Prof. Dr. Hans-Peter Großhans erläuterte die europäische Forschungsinfrastruktur RESILIENCE und den Übergang von der analogen zur digitalen Theologieforschung.
Kulturgeschichte: Dr. Jan Graefe beleuchtete die Anfänge der deutschen Bibel anhand von Exponaten aus dem Bibelmuseum.
Alltagskultur: Gereon Terhorst analysierte aktuelle Kinofilme aus theologischer Perspektive und zeigte auf, welche tieferen Dimensionen hinter dem Unterhaltungsprogramm stehen.
Spiritualität: Prof. Dr. Traugott Roser verband die theoretische Auseinandersetzung mit „milder Religiosität“ mit den praktischen Erfahrungen des Pilgerns auf den Jakobswegen.
Ergänzend zum Bühnenprogramm bildete die gemeinsame Pagode einen zentralen Anlaufpunkt für den Austausch. Durch interaktive Formate wie Quizfragen und Zauberwürfel wurde ein niederschwelliger Zugang zu komplexen Themen geschaffen, was zu zahlreichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie politischen Vertretern führte. Die durchweg positiven Rückmeldungen bestätigen den Erfolg dieses gemeinsamen Auftritts, der Forschung, Studium und Transfer in einem kohärenten Profil sichtbar gemacht hat.

