Wissenschaftstheorie im Dialog: Ein interdisziplinärer Austausch
Lernen Sie den Arbeitskreis Wissenschaftstheorie kennen!
Der Arbeitskreis am Zentrum für Wissenschaftstheorie (ZfW): Aus interdiszipliniärer Perspektive Wissenschaft reflektieren und diskutieren
Alle Promovierenden und Post-Docs haben eine Vorstellung davon, was Wissenschaft ist und wie Forschung funktioniert. Meistens speist sich dieses Bild aus der eigenen Forschungspraxis. Doch diese unterscheidet sich von Disziplin zu Disziplin zum Teil gravierend, so dass auch unter Forscher*innen letztlich kein Konsens darüber herrscht, was Wissenschaft eigentlich ausmacht.
Im Arbeitskreis Wissenschaftstheorie an der Universität Münster wird aus interdisziplinärer Perspektive darüber reflektiert und diskutiert, was Wissenschaft ist und auch, was und wie sie sein sollte. „Letztlich kann jedes Thema der Wissenschaftstheorie diskutiert werden,“ sagt Dr. Markus Seidel, Organisator des Arbeitskreises. "Das Thema oder die Themen werden unter allen Teilnehmenden am Anfang des Semesters abgestimmt."
Studierende, Promovierende, Post-Docs, Professor*innen und Emeriti sind eingeladen am ersten Termin des Semesters, den 22. Oktober 2026 von 12 bis 14 Uhr, aus ihrem Blickwinkel grundlegende und aktuelle Fragen der Wissenschaftstheorie zu besprechen.
Warum ist Wissenschaftstheorie überhaupt wichtig und interessant?
Wissenschaft und damit auch Wissenschaftler*innen spielen eine bedeutende Rolle in politischen und öffentlichen Diskursen. „Man denke dabei nur an die Rolle von Virologen, wie Christian Drosten, während der Corona-Pandemie oder auch an den stetigen politischen Rückgriff auf wirtschaftswissenschaftliche Expertise,“ so Markus Seidel.
Wissenschaftler*innen genießen einerseits ein hohes Vertrauen, sind andererseits aber auch außerwissenschaftlichen Angriffen ausgesetzt. So schafft Wissenschaftstheorie „das Rüstzeug, solchen Angriffen zu widerstehen und gleichzeitig auch die Grenzen von Wissenschaft korrekt einschätzen zu können.“ Zum zweiten kann Wissenschaftstheorie für individuelle Forscher*innen in der Praxis wichtig werden.
Oft stößt man in der Forschungspraxis auf wissenschaftstheoretische Fragen, wie…
Ist diese Erklärung gut? Aber was zeichnet denn eigentlich eine gute Erklärung aus?
Bestätigt dieses Ergebnis die Hypothese? Aber wann genau kann man denn eigentlich von Bestätigung sprechen?
Stimmt meine Vermutung über das Kausalverhältnis wirklich? Aber was genau ist denn eigentlich Kausalität?
Diese Beispielfragen zeigen die besondere Bedeutung der interdisziplinären Diskussion und Vernetzung im Arbeitskreis Wissenschaftstheorie. Denn was eine gute Erklärung, eine Bestätigung und auch ein Ursache-Wirkungsverhältnis ist, unterscheidet sich vielfach von Disziplin zu Disziplin. „Der interdisziplinäre Austausch im Arbeitskreis führt zur fruchtbaren Irritation,“ stellt apl. Prof. Dr. Jens Lemanski, Mitglied des Arbeitskreises und Geschäftsführer des Zentrums für Wissenschaftstheorie (ZfW), fest.
Und so wird das eigene Bild davon, was Wissenschaft ist, zugleich umfassender und klarer.
Der Blick über den eigenen Tellerrand kann auf diese Weise erkenntnisfördernd sein. Daneben erleichtert der Arbeitskreis das während der Promotions- und Post-Doc-Phase enorm wichtige wissenschaftliche Vernetzen über die eigene disziplinäre ‚Bubble‘ hinaus. Leonie Lippen, Masterstudentin und Mitglied im Arbeitskreis, schätzt das offene Gesprächsklima, "in dem man sich sehr wohlfühlen kann." Auch die diverse Zusammensetzung unter den Teilnehmer*innen hebt sie hervor: "Man kann mit ganz unterschiedlichen Menschen gemeinsam über ein Thema diskutieren."
Der Arbeitskreis Wissenschaftstheorie trifft sich in der Vorlesungszeit immer donnerstags von 12-14 Uhr – im Wintersemester 26/27 startet er am 22.10.26 in Raum 426 im Philosophikum (Domplatz 23). Wer teilnehmen möchte, kann einfach vorbeikommen.