Der Deutsche Historische Städteatlas

Der "Deutsche Historische Städteatlas" wird seit 2006 am IStG herausgegeben. Er stellt der Forschung für ausgewählte deutsche Städte eine einheitliche Sammlung von kartographischen und bildlichen Quellen zur Verfügung. Anhand dieser lassen sich Wachstums- sowie Schrumpfungsprozesse aufzeigen, und die Funktionen der einzelnen Bestandteile des Stadtkörpers werden erkennbar. Jeder Städteatlas enthält historische Stadtpläne, topographische Umlandkarten, Stadtansichten, Fotografien sowie thematische Karten und einen interpretierenden Text. Interaktive Online-Module ergänzen seit dem Atlasprojekt zu Braunschweig die Printpublikationen.

Was ist ein Städteatlas? (PDF-Download)

Ein Städteatlas für Dortmund
Als fünfter Band der Reihe entstand 2013 bis 2017 ein Städteatlas für die Ruhrgebietsmetropole Dortmund. Die Ergebnisse mehrerer Teilprojekte fließen zusammen, um Material und neue Erkenntnisse zur Stadtentwicklung von den Ursprüngen als Königspfalz bis heute zu bieten. Die vergessene Blüte der alten Reichsstadt bildet ebenso einen Schwerpunkt wie die Umwälzungen, die Schwerindustrie und Strukturwandel für die Kernstadt und die eingemeindeten Dörfer bedeuteten.

Einladung zur Atlaspräsentation am 14. Februar in Dortmund

Feierliche Präsentation des Deutschen Historischen Städteatlas 5: DORTMUND

Atlaspraesentation Dortmund 2017
v.l.n.r.: Landesrätin Judith Pirscher (LWL), Prof. Dr. Werner Freitag (IStG), Prof. Dr. Thomas Schilp (Dortmund), Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv Dortmund), Dr. Thomas Tippach (WWU), Dr. Daniel Stracke (IStG), Dr. Angelika Lampen (IStG), Benjamin Hamann (Kartographie d. IStG/Weluga)
© IStG

Nach einer Projektlaufzeit von insgesamt dreieinhalb Jahren ist aktuell mit dem fünften Band über die Stadt Dortmund die bislang umfangreichste Publikation der Reihe Deutscher Historischer Städteatlas erschienen. Der Atlas wurde am Dienstagabend, dem 14. Februar 2017, in der gut besuchten Dortmunder St. Reinoldi-Kirche feierlich der Öffentlichkeit präsentiert.

Prof. Dr. Werner Freitag, der wissenschaftliche Vorstand des IStG, sprach die Gruß- und Dankesworten  an alle beteiligten Institutionen und Kollegen. Anschließend führten die Autoren des Bandes in das Werk ein. Dr. Daniel Stracke (IStG) stellte das Gesamtwerk vor, das als Teil eines traditionsreichen europäischen Projektes fundierte Einblicke in die Geschichte der Stadt Dortmund auf Basis historischer Karten, Bilder und schriftlicher Quellen bietet. Prof. Dr. Thomas Schilp (Dortmund) beleuchtete anhand archäologischer Befunde die frühe „polyzentrische Stadtentstehung“ ebenso wie Fragen nach der Lage der ehemaligen Königspfalz oder Aspekte frühneuzeitlicher Sakraltopographie. Der Fokus auf die Moderne mit Industrialisierung bzw. Deindustrialisierung, NS-Topographie sowie den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges war Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv Dortmund) vorbehalten. Diese und zahlreiche weitere historischen Entwicklungen können in dem jüngst erschienenen Atlas bis in die Gegenwart nachvollzogen werden, um die Stadt und ihr Umland neu zu entdecken.

Das Forschungsvorhaben „Europäische Städteatlanten“

Die Aufnahme in den Deutschen Historischen Städteatlas stellt Dortmund in den Kontext eines internationalen Forschungsvorhabens, das im historisch-geographischen Bereich einmalig ist: Gemeint ist der in den 1950er Jahren begründete Verbund „Europäische Städteatlanten“. Diesem Netzwerk, das sich von Island bis Italien und Irland bis Rumänien erstreckt, gehören mittlerweile 20 nationale und 3 regionale Teilprojekte an, die alle anhand gemeinsamer Richtlinien arbeiten. Ziel dieser Projekte ist es, mit den Städteatlanten der interdisziplinären Städteforschung vergleichbare Grundlagen und belastbare Informationen zur Geschichte von Städten zur Verfügung zu stellen. Diese Publikationen sind Puzzleteile, aus denen ein Bild des europäischen Städtewesens in seiner Gesamtheit entsteht, das typische Entwicklungen, regionale Ausprägungen und überregionale Verbindungslinien zeigt. Mit Dortmund, der mittelalterlichen Königspfalz, einzigen westfälischen Reichsstadt und industriellen Großstadt, wird dieses Bild um wichtige Aspekte bereichert.

Mittlerweile sind europaweit über 520 Städteatlanten erschienen. Da sie in fundierten Texten, Bildern und Karten über die Geschichte und räumliche Entwicklung der jeweiligen Stadt informieren, ist jede einzelne dieser Dokumentationen nicht nur für die vergleichende Forschung, sondern auch für interessierte Bürger, Bildungseinrichtungen, die städtische Verwaltung und die ortsgeschichtliche Spezialforschung eine lohnende Lektüre.

Der Dortmund-Atlas

Auf Grundlage der Richtlinien für die „Europäischen Städteatlanten“ ist nun der neue Dortmund-Atlas entstanden. Der Inhalt der Atlasmappe umfasst ein 52-seitiges Textheft und 18 großformatige Tafeln mit historischen Stadtansichten, Landkarten und Stadtplänen des 15. bis 21. Jahrhunderts sowie thematischen Karten einschließlich Kommentartexten.

Das Textheft enthält einen mit über 80 Abbildungen illustrierten, facettenreichen Überblick über die „Grundzüge der historisch-topographischen Entwicklung“, der die Linien der Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute chronologisch und sachthematisch gegliedert darlegt. Dabei gehen die Autoren sowohl auf das Werden und Wachsen der Stadt als auch auf die Faktoren und Akteure ein, die darauf Einfluss nahmen. Auch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Dimension des Stadtraumes wird thematisiert, ebenso wie die Umstände, die das Leben in Dortmund zu unterschiedlichen Zeiten prägten. Der Städteatlas stellt den stadtgeschichtlichen Stand der Forschung dar, bietet aber, indem die bisherigen Forschungsergebnisse gebündelt und hinterfragt werden, auch neue Erkenntnisse und neue Interpretationen im Hinblick auf bekannte Fragestellungen. Die Lage der im 10. Jahrhundert erstmals in Schriftquellen erwähnten Dortmunder Burg und die Frage nach der Lokalisierung der mittelalterlichen Königspfalz werden z. B. ebenso erörtert, wie nach den Dortmunder Aktivitäten zur Zeit der Hanse und die enge Verzahnung der Dortmunder Stadt- und Wirtschaftsgeschichte im Industriezeitalter, als sich die Konjunkturen der Montanindustrie unmittelbar in den Lebensverhältnissen der Bewohner spiegelten.

Die Aussagen des Textes beruhen auf der Interpretation historischer, archäologischer, bildlicher und kartographischer Quellen. Die wichtigsten Bildzeugnisse, Karten und Pläne werden der Forschung an die Hand gegeben. Das Herz des Dortmund-Atlas bilden dabei zwei neu gezeichnete parzellengenaue Pläne, die den Stadtgrundriss in der ersten bzw. der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, und ein detaillierter Innenstadtplan von 2016. Sie wurden von den Geoinformatikerinnen und -informatikern des IStG in mühevoller Kleinarbeit anhand von historischen Katasterplänen und aktuellen Geodaten eigens hergestellt.

Zum Material gehören weiterhin:

  • der Vogelschauplan des Detmar Mulher (1610) und der Brandhoff’sche Stadtbauplan (1857/58), die in großem Format und in hervorragender Qualität abgedruckt werden;
  • die bedeutende Überlieferung von Stadtansichten auf spätmittelalterlichen Altarbildern in der Propsteikirche sowie ihre Fortführung in der frühneuzeitlichen und neuzeitlichen Druckgraphik;
  • ein historisches und ein modernes Luftbild sowie
  • Karten aus der Preußischen Topographischen Landesaufnahme seit der ersten Vermessung. Während die übrigen Materialien historische Schlaglichter auf die Innenstadt werfen, zeigen die Karten aus der topographischen Landesaufnahme das Dortmunder Umland in Zeitschnitten zu 1839/40, 1892, 1927/35 und 2016.

Dieses reiche, quellenkritisch kommentierte Material regt die wissenschaftliche Forschung zur Stadtentwicklung und Urbanisierung an und lädt den Laien zum Neuentdecken seiner Heimatstadt mit einer historisch gewordenen Siedlungsstruktur ein.

Kooperation

Gemäß der Aufgabenstellung eines historischen Atlas werden die Aussagen, die im Atlastext gemacht werden, dem Leser durch Bilder, Diagramme und vor allem thematische Karten visuell vermittelt. Das gilt nicht nur für die Kartenreihe zum Stadtwachstum, die – angeregt von den neuesten Erkenntnissen der archäologischen Forschung – eine Neuinterpretation der mittelalterlichen Frühentwicklung bieten. Auch die Ausdehnung der alten Grafschaft Dortmund, die Umgestaltung des Innenstadtbereiches in der Urbanisierung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und die raumprägende Wirkung der Schwerindustrie werden in ganz neuer Form kartographisch erfasst und anschaulich gemacht. Das Werk entstand in Kooperation zwischen dem Institut für vergleichende Städtegeschichte – IStG in Münster, das die Reihe herausgibt, und dem Stadtarchiv Dortmund, unterstützt von der Dortmunder Stadtarchäologie und dem städtischen Vermessungsamt. Autoren sind die renommierten Kenner der Dortmunder Stadtgeschichte Prof. Dr. Thomas Schilp und Dr. Stefan Mühlhofer sowie Dr. Daniel Stracke vom Institut für vergleichende Städtegeschichte. Zur Realisierung des hochwertigen Druckes leistete die Stadtsparkasse Dortmund einen Druckkostenzuschuss.

Aufbauend auf einer Auswahl der für den gedruckten Atlas angefertigten Karten entstehen im IStG derzeit zusätzlich interaktive Onlinemodule, die im Rahmen des Informationsportals www.staedtegeschichte.de veröffentlicht werden.

Stefan Mühlhofer, Thomas Schilp & Daniel Stracke: Dortmund – Deutscher Historischer Städteatlas Nr. 5, hg. v. Peter  Johanek, Jürgen  Lafrenz & Thomas Tippach am Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster (Ardey-Verlag) 2017. ISBN 978-3-87023-277-1. Preis € 39,90

Stadtarchiv Dortmund Logo

Kooperationspartner
Der Deutsche Historische Städteatlas - Dortmund entsteht in Kooperation mit dem Stadtarchiv Dortmund.

Braunschweig Cover
Beitrag von Radio Okerwelle zum Atlas Braunschweig

DHStA 4 – Braunschweig
Der Städteatlas dokumentiert in Karte, Bild und Text die Entstehung der fünf zunächst unabhängigen Teilstädte und ihre Vereinigung zur einzigen mittelalterlichen Großstadt Niedersachsens. Die Veränderungen, die die Fachwerkstadt mit der Ausgestaltung zur Residenz, als ‚Deutsche Siedlungsstadt‘ der NS-Zeit, durch die Bomberangriffe und das besondere Wiederaufbaukonzept erfuhr, werden detailiert nachgezeichnet. Drei Online-Module machen die Stadtentwicklung interaktiv.

Der Städteatlas Braunschweig ist 2013 beim Ardey-Verlag erschienen.

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Kooperationspartner
Das Projekt wurde finanziell von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz unterstützt und ist in Kooperation mit dem Stadtarchiv Braunschweig entstanden.

Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Bs Stadtarchiv
Dhsta 3 Tafel _8-1 Herrnhuter Siedlungen

DHStA 3 – Herrnhut und Herrnhuter Siedlungen
Der Städteatlas "Herrnhut" widmet sich dem 1708 von Graf Zinzendorf gegründeten Ort für Glaubensflüchtlinge aus Schlesien und zeigt, wie die pietistische ‚Herrnhuter Brüdergemeine‘ in ihrer missionarischen Tätigkeit weitere Siedlungen und Missionsstationen in der ganzen Welt errichtete. Plan- und Bildmaterial für Herrnhut und 28 weitere Siedlungen belegt eindrücklich gleiche Gestaltungsprinzipien von Sachsen bis ins Wolgagebiet und die amerikanischen Kolonien.

Der Städteatlas Herrnhut ist 2009 beim Ardey-Verlag (mit englischer Übersetzung) erschienen.

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Dhsta 2 Tafel 4 Abb B Markt

DHStA 2 – Schwerin
Der zweite Atlasband der Reihe stellt mit Schwerin eine hochmittelalterliche Gründungs- und Kathedralstadt am Ort einer slawischen Vorgängersiedlung vor. Vom gräflichen Amtssitz entwickelte sie sich in der frühen Neuzeit zur wichtigsten mecklenburgischen Residenz und schließlich zur Landeshauptstadt. Thematische Karten zeigen Schwerin im Kontext der Residenz- und Städtelandschaft. Der Stadtgrundriss zeigt beeindruckend die neue Schelfstadt, die Grafenburg und die Schlossanlage.
Der Atlas "Schwerin" ist 2007 beim Ardey-Verlag erschienen.

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Dhsta 1 Tafel 4

DHStA 1 – Quedlinburg
Der erste Städteatlas der neuen Reihe analysiert anhand kartographischer, historischer und archäologischer Quellen das Wachsen und Werden der ottonischen Stiftsstadt Quedlingburg in Sachsen-Anhalt vom Frühmittelalter bis heute. Die detailreichen Grundrisspläne und Stadtansichten des 16.19. Jahrhunderts zeigen deutlich, wie das Bodenrelief auf die Stadtgestalt einwirkt. Die historischen Fotos und eine thematische Karte zum Fachwerkbestand der Welterbe-Stadt sind von besonderem Interesse.

Der Städteatlas "Quedlinburg ist 2006 beim Ardey-Verlag erschienen.

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