Korruption, Ochsenmorde und Hexenprozesse

Die frühe Volksrepublik China aus der Perspektive einer Kreisstaatsanwaltschaft

Prof. Dr. Daniel Leese

Staatsanwaltschaften gehören zu den am wenigsten erforschten Institutionen der frühen Volksrepublik China. Sie stehen häufig im Schatten der Forschung zu Organen der Öffentlichen Sicherheit und, in jüngerer Forschung, zu den Gerichten. Die Verfassung von 1954 beauftragte die lokalen Staatsanwaltschaften damit, die Einhaltung der Gesetze durch lokale Staatsorgane und Bürger sicherzustellen. Theoretisch umfasste dies die administrative Aufsicht, die Genehmigung von Verhaftungen und gelegentliche Ermittlungsarbeit. In der Praxis führten die unklar definierten Aufsichtsfunktionen häufig zu Konflikten zwischen den Staatsanwaltschaften und anderen Staats- und Parteiorganen. Auf der Grundlage von rund 400 Originalakten einer Staatsanwaltschaft auf Kreisebene in der Provinz Anhui erläutert dieser Vortrag, wie die Institution von 1955 bis zum Beginn der Kulturrevolution agierte. Die Akten bieten seltene Einblicke in das, was als rechtswidriges Verhalten galt. Die Fälle reichen von illegalem Glücksspiel und angeblicher Hexerei bis hin zu Korruption und der Tötung von Zugtieren. Darüber hinaus zeigen die Akten die sich ständig verschiebenden Grenzen der Befugnisse der Staatsanwaltschaft und das prekäre Gewicht, das der rechtlichen Aufsicht in einer von politischen Unruhen geprägten Zeit beigemessen wurde.

Rubrik
Vorträge, Vorlesungen
Zeitraum
Do 11.06.2026, 16:15 Uhr - 17:45 Uhr
Reihe
Sinologische Vorträge Münster
Ort
Seminarraum RS 23
Zum Lageplan
Eintritt
Frei
Anmeldung
Ohne
Veranstalter/
Kontakt
Asienzentrum
Schlaunstr. 2
48143 Münster
asienzentrum@uni-muenster.de



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