
Nachbericht: Vortrag und Gespräch mit dem Journalisten Luai Ahmed
„I could have been a terrorist and antisemite”
Luai Ahmed über Radikalisierung und persönliche Wendepunkte
Unter dem Titel „I could have been a terrorist and antisemite“ hat am 27. April 2026 ein Vortrag mit anschließendem Gespräch mit dem Journalisten Luai Ahmed stattgefunden. Das Gespräch führte der Beauftragte der Universität Münster gegen Antisemitismus, Ludger Hiepel. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Zentrum für Islamische Theologie in Kooperation mit der zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in NRW (ZeBA NRW) sowie dem Beauftragten gegen Antisemitismus der Universität Münster. Finanzielle Unterstützung erhielt die Veranstaltung durch Sylvia Löhrmann in ihrer Funktion als Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur.
In seinem Vortrag schilderte Ahmed seinen persönlichen Lebensweg. Er berichtete von seiner Kindheit im Jemen, die von islamistischem Gedankengut und antisemitischen Vorurteilen geprägt war, und zeichnete die Entwicklung hin zu einem selbstbestimmten Leben als kritischer Intellektueller nach, der sich heute gegen Extremismus und Antisemitismus positioniert.
Eine zentrale Rolle in seiner Entwicklung spielte seine Mutter, die ihm trotz einer restriktiven und homophoben Gesellschaft den nötigen Rückhalt gab, seinen eigenen Weg zu gehen. Dieser Rückhalt ermöglichte es ihm auch, zu seiner sexuellen Identität zu stehen – ein Schritt, der ihn schließlich dazu zwang, den Jemen zu verlassen, da ihm dort als homosexueller Mann Verfolgung bis hin zur Todesstrafe drohte.
Eine prägende Erfahrung stellte für ihn die erste persönliche Begegnung mit einem Juden dar. Diese Begegnung stellte bisherige Überzeugungen grundlegend infrage und wurde zu einem Wendepunkt in seiner Entwicklung. Ahmed machte deutlich, welche Bedeutung persönliche Begegnungen für das Hinterfragen und Überwinden verfestigter Feindbilder haben können.
Ahmed berichtete zudem von seiner ersten Reise nach Israel, die er zunächst mit großer Skepsis antrat. Die Realität vor Ort widersprach jedoch vielen der Bilder, die er zuvor internalisiert hatte. Diese Erfahrung wurde zu einem weiteren entscheidenden Moment seiner intellektuellen und persönlichen Transformation.

Im Zentrum des Vortrags stand die These, dass Radikalisierung nicht allein durch Ideologien entsteht, sondern wesentlich durch soziale und kulturelle Kontexte geprägt ist. Entsprechend könne ihr nur durch Bildung, Selbstreflexion und persönliche Begegnung nachhaltig entgegengewirkt werden. Ahmed betonte dabei die Bedeutung von Vielfalt und die Notwendigkeit, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anzuerkennen. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Auseinandersetzung mit Homosexualität im islamischen Kontext.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Ausführungen des Referenten im Publikum auf großes Interesse stießen und vielfältige Reflexionsprozesse anregten. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung von Aufklärung, Selbstkritik und interkulturellem Dialog und hob die Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft hervor, Räume für solche Begegnungen zu schaffen.