
Christen und Muslime diskutieren gemeinsame Verantwortung für die Welt
Workshop und öffentliche Podiumsdiskussion zu christlich-muslimischer Verantwortung und zum Libanon
Wie können Christen und Muslime gemeinsam Verantwortung für die Welt übernehmen? Unter dieser Leitfrage hat am 26. Februar 2026 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster ein wissenschaftlicher Workshop stattgefunden. Am Abend folgte eine öffentliche Podiumsdiskussion auf Englisch mit dem Titel „Between Faith and Politics: Christian–Muslim Relations in Lebanon“.
Beide Veranstaltungen wurden gemeinsam vom Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) der Universität Münster und der Université Saint-Joseph (USJ) Beirut organisiert. Die öffentliche Podiumsdiskussion war zudem eine Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Beide Veranstaltungen wurden vom Centrum für religionsbezogene Studien (CRS) der Universität Münster gefördert.

Workshop: Christlich-islamische gegenseitige Verantwortung gegenüber der Welt
Der ganztägige wissenschaftliche Workshop unter dem Titel „Christlich-islamische gegenseitige Verantwortung gegenüber der Welt“ vertiefte den Kooperationsprozess zwischen der Universität Münster und der Université Saint-Joseph Beirut und knüpfte an die Kooperationsvereinbarung an, die am 12. Oktober 2025 zwischen beiden Universitäten unterzeichnet worden war.
Ziel des Workshops war es, das Konzept der „Mutual Responsibility“ – der gegenseitigen Verantwortung von Christen und Muslimen gegenüber der Welt – aus theologischer und gesellschaftlicher Perspektive zu diskutieren und zugleich Perspektiven für die zukünftige Zusammenarbeit beider Universitäten zu entwickeln.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie der Begriff der Verantwortung aus christlicher und islamischer Perspektive verstanden werden kann und welche Rolle er für akademische Kooperation, Lehre und öffentliche Kommunikation spielt. In den Diskussionen wurde deutlich, dass „Verantwortung“ nicht nur eine ethische Kategorie ist, sondern auch eine hermeneutische Dimension besitzt: Sie betrifft die Art und Weise, wie religiöse Traditionen interpretiert, institutionell vermittelt und in pluralen Gesellschaften öffentlich zur Sprache gebracht werden.
Am Workshop nahmen folgende Gäste der Université Saint-Joseph Beirut teil:
- Prof. Dr. Tony Kahwaji, Direktor des Instituts de Lettres Orientales (ILO),
- Prof. Dr. Ahmed Zoubi, Koordinator des Programms für Islamische Studien am ILO.
- Von Seiten der Universität Münster:
- Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Direktor des Zentrums für Islamische Theologie,
- Prof. Dr. Yassine Yahyaoui, Zentrum für Islamische Theologie,
- Prof. Dr. Assaad Elias Kattan, Centrum für religionsbezogene Studien,
- Dr. des. Alfred El Khoury, Institut für Arabistik und Islamwissenschaft.
Neben der theologischen und religionswissenschaftlichen Diskussion wurden auch konkrete Schritte für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit vereinbart. Dazu gehören insbesondere:
- die Planung einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz für Ende 2026, die den Begriff der „Mutual Responsibility“ systematisch aus theologischer, ethischer und gesellschaftlicher Perspektive untersuchen soll,
- die Entwicklung eines gemeinsamen deutsch-libanesischen Zertifikatsprogramms im Bereich Religionswissenschaften und Islamische Studien für Studierende beider Universitäten,
- die Aktivierung des Erasmus-Programms, um den Austausch von Studierenden und Forschenden sowie gemeinsame Forschungsprojekte langfristig zu fördern.

Öffentliche Podiumsdiskussion: „Between Faith and Politics“
Die öffentliche Abendveranstaltung fand im Anschluss an den Workshop statt und widmete sich unter dem Titel „Between Faith and Politics: Christian–Muslim Relations in Lebanon“ den komplexen Beziehungen zwischen Religion, Politik und Gesellschaft im Libanon.
Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Roula Talhouk, Institut für Religionswissenschaft, Université Saint-Joseph Beirut, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide und Prof. Dr. Assaad Elias Kattan. Moderiert wurde die Diskussion von Dipl.-Theol. Ludger Hiepel, M.A. aus der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Libanon jenseits vereinfachender Deutungen verstanden werden können. Drei kurze Statements der Podiumsteilnehmenden eröffneten die Diskussion. Sie zeigte, dass religiöse Traditionen im Libanon sowohl eine prägende Rolle für gesellschaftliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen spielen als auch politisch instrumentalisiert werden können.
Die Podiumsteilnehmenden betonten die Bedeutung einer verantwortlichen religiösen Hermeneutik und einer öffentlichen theologischen Sprache, die dazu beitragen kann, Vertrauen, Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung in pluralen Gesellschaften zu stärken.