Forschungsschwerpunkt I: Arbeit und Geschlecht. Die Transformation gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse durch Prozesse von Globalisierung, Europäisierung und Neoliberalisierung.

Die Neuvermessung gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse durch ökonomische und soziale Veränderungen stehen in einem konstitutiven Zusammenhang mit der Neuorganisation von Arbeit, der Strukturierung von Erwerbsarbeit und Fürsorgearbeit sowie der Verteilung von bezahlter, unbezahlter und minimal bezahlter Arbeit. Aktuell erfolgt diese Re-Organisation von Arbeit verstärkt im Kontext von Europäisierung, Globalisierung und Neoliberalisierung.

Insbesondere die Implementierung neuer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen und Steuerungsinstrumente sowie Akteurs- bzw. Akteurinnenkonstellationen ermöglichen einerseits die Auflösung traditioneller Geschlechtszuschreibungen in den europäischen Wohlfahrtsregimen und führen zur Überwindung nationalstaatlich eingehegter ungleicher Geschlechterverhältnisse moderner Gesellschaften; andererseits gehen damit auch neoliberale Dynamiken einher, die neuartige Formationen ungleicher Geschlechterverhältnisse zur Folge haben.

Das Erkenntnisinteresse des Forschungsprojekts richtet sich vor allem auf die Effekte der Restrukturierung der Erwerbsarbeit, Reproduktion, internationalen und geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sowie die damit einhergehenden sozialen Paradigmen und politischen Kompromisse für die Situationen von Frauen auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse werden für unterschiedliche Bereiche und in Abhängigkeit nationaler soziokultureller Grundlagen aus soziologischer, ökonomischer, politischer, rechtlicher Perspektive untersucht.

Durchgeführte und laufende Aktivitäten:

1. Interdisziplinäre Konferenz zum Thema Arbeit und Geschlecht

Gründungskonferenz des Zentrums für Europäische Geschlechterstudien (ZEUGS) am 5.12.2012 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster.

Vorträge:

  • Prof. Dr. Gabriele Wilde (IfPol Mü): Zur Verfassung gesellschaftlicher Geschlechterver-hältnisse in Europa. Plädoyer für eine kritisch-feministische Theorie des Politischen.
  • Dr. Katrin Späte (IfS Mü): Welche Europa? Geschlecht – eine statistische Kategorie als methodologisches oder politisches Problem?
  • Prof. Dr. Annette Zimmer (IfPol Mü): Frauen in Führungspositionen in der Zivilgesellschaft.
  • Prof. Dr. Karin Böllert (IfE Mü): Kinder- und Jugendhilfe – Weiblicher Arbeitsmarkt zwischen Fachkräftemangel und Prekarisierung.
  • Prof. Dr. Gabriele Abels (Tübingen): Genderorientierte EU-Forschung – Rückblick und Ausblick
  • PD Dr. Sabine Berghahn (Berlin): Hinderlich und/oder hilfreich – Recht(strukturen) für egalitäre(re) Geschlechterverhältnisse!
  • Prof. Dr. Andrea Bührmann (Göttingen): Kontinuitäten und Brüche in der Ordnung der Geschlechter? Herausforderungen und Perspektiven für eine Soziologie der Geschlechterverhältnisse.
  • Prof. Dr. Ilse Lenz (Bochum): Geschlechterkonflikte und Geschlechterpolitik im internationalen Vergleich.

2. Vorantrag

(Dr. Eva Katharina Sarter) für den Aufbau eines interdisziplinären Graduiertenkollegs zum Zusammenhang von Arbeit und Geschlecht im Zentrum für Europäische Geschlechterstudien (ZEUGS) wurde 2013 eingereicht.

3. Interdisziplinäre Ringvorlesung

Im Sommersemester 2013 wurde eine interdisziplinäre Ringvorlesung zum Thema "Zum Verhältnis von Frauen und Arbeit" angeboten.

4. Lehrveranstaltungen

Im Sommersemester 2016 wurde das Hauptseminar "Frauen in Non-Profit-Organisationen: Motivation, Arbeitsbedingungen, Aufstiegschancen" angeboten. Ein Lektürekurs zum Thema  "Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse im Wandel" fand im Sommersemester 2015 statt.

5. Beitrag

Wilde, Gabriele: Folgen der Europäischen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik für demokratische Geschlechterverhältnisse. Beitrag am 22.05.2014 für das Online-Dossier „Gleichstellungsprojekt Europa?“ des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung

6. Working Papers

Paul, Franziska | Walter, Andrea
Besser geht’s nicht? Geschlechterverhältnisse in Führungs-, Kontroll- und Beratungsgremien in Nonprofit-Organisationen in Deutschland - Ergebnisse einer Online-Befragung.
ZEUGS – Working Paper No. 9|2016.

Walter, Andrea
An die Spitze! Aber wie? „Frauen in Führung“ im öffentlichen, privaten und Nonprofit-Sektor – eine Bestandsaufnahme der aktuellen Literaturlage samt Handlungsempfehlungen.
ZEUGS – Working Paper No. 8|2015.

Wilde, Gabriele
Folgen der Europäischen Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik für demokratische Geschlechterverhältnisse.
ZEUGS – Working Paper No. 4|2014.