Deutsch-brasilianische Kooperation in der Literaturwissenschaft
Im Juli und August 2016 besuchte Prof. Dr. Helmut Galle von der Universität São Paulo (USP) die WWU Münster, um an einem Projekt zur Erforschung der Fiktionalität von realistischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts zu arbeiten. Gastgeber und Gesprächspartner war Moritz Baßler, Professor am Germanistischen Institut und ausgewiesener Spezialist für den bürgerlichen Realismus, Avantgarden und die Popkultur der Gegenwart. Das Projekt resultiert aus einer Konvergenz der Forschungsinteressen beider Wissenschaftler: der Frage nach der Art und Weise wie die Zeichenstrukturen von Texten diese in ein Bedeutungsverhältnis zur Realität setzen. Der Realismus des 19. Jahrhunderts ist dabei nur eine spezifische, aber möglicherweise doch paradigmatische Epoche, deren Verfahren – in modifizierter Form – bis in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts hinein für literarische Fiktionen mit realistischem Anspruch relevant bleiben. Ein konkretes Ergebnis des Aufenthalts, der von der WWU und der Universität São Paulo gemeinsam aus Mitteln eines DAAD-Programms finanziert wurde, soll ein Artikel im Rahmen einer Buchpublikation sein, die von einem Herausgeberteam der Uni Münster besorgt wird. Dem Aufenthalt von Prof. Galle waren bereits zwei Gastdozenturen von Prof. Baßler an der USP vorausgegangen. Die Kooperation soll 2018 mit einer Tagung zum Thema „Formen der Fiktionalisierung in der Gegenwartsliteratur“ in São Paulo fortgesetzt werden.
